Bernstein Research entzieht der Deutschen Telekom das Vertrauen. Unsicherheit bei einer möglichen Fusion mit T-Mobile US und mehr Konkurrenz im Festnetzgeschäft führen zu einer klaren Neubewertung.
Bernstein Research hat die Deutsche Telekom auf dem deutschen Telekommarkt kalt erwischt. Die Analysten stufen die Aktie von "Outperform" auf "Market-Perform" herab. Das Kursziel fällt deutlich. Jetzt liegt es bei 28,10 Euro je Aktie. Zuvor waren es noch 37 Euro. Die Analyse stützt sich auf Daten von Reuters und Bloomberg.
Im Mittelpunkt steht die Unsicherheit rund um eine mögliche Fusion mit T-Mobile US. Auch der steigende Wettbewerbsdruck im deutschen Breitbandmarkt spielt eine Rolle. Die Lage ist angespannt.
Fusionspläne mit T-Mobile US im Fokus
Bernstein Research sieht große Risiken bei einer Fusion der Deutschen Telekom mit T-Mobile US. Ein solcher Schritt würde dem Bonner Konzern zwar vollen Zugriff auf das US-Geschäft geben. Doch es bleibt offen, ob die erhofften Synergien wirklich eintreten. Die Analysten rechnen damit, dass eine Übernahme mit einer Prämie von 20 Prozent für die Minderheitsaktionäre von T-Mobile US die Anteile der bestehenden Telekom-Aktionäre um etwa elf Prozent verwässern könnte.
Ein weiteres Risiko: der sogenannte "Flow-back"-Effekt. Nach einer Fusion könnten ehemalige T-Mobile-US-Aktionäre rund 42 Prozent am neuen Unternehmen halten. Das könnte zu Verkaufsdruck führen, falls viele dieser Aktionäre ihre Anteile abstoßen. Die Aktionärsstruktur würde sich spürbar verändern. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beobachtet solche Vorgänge im Rahmen der Marktüberwachung genau.
Wettbewerb im deutschen Festnetzgeschäft verschärft sich
Auch im deutschen Festnetz-Breitbandmarkt wird der Wettbewerb härter. Alternative Glasfaseranbieter treten laut Bernstein Research immer offensiver auf. Das kostet die Deutsche Telekom Kunden. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Umsatzwachstum im deutschen Breitbandgeschäft nur noch bei 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Halbjahr 2023 waren es noch 4,5 Prozent. Die Bundesnetzagentur weist in ihren Marktanalysen auf die wachsende Zahl alternativer Netzbetreiber hin. Der Markt wird dadurch immer stärker fragmentiert. Marktdaten und Wettbewerbsberichte zeigen, dass der Glasfaserausbau (FTTH/B) in Deutschland weiter zunimmt. Das erhöht den Druck auf etablierte Anbieter wie die Deutsche Telekom.
Bernstein schätzt, dass eine vollständige Übernahme von T-Mobile US durch die Deutsche Telekom mit einer Prämie von 20 Prozent zu einer Verwässerung der Anteile der bestehenden Aktionäre um etwa 11 Prozent führen würde, während ehemalige T-Mobile-US-Aktionäre rund 42 Prozent am fusionierten Unternehmen halten könnten.
Die Analysten sehen, dass der Kampf um Kunden und Netzauslastung zunimmt. Das setzt das klassische Festnetzgeschäft der Deutschen Telekom unter Druck. Prognosen für künftige Erträge werden schwieriger. Die Regeln für den Glasfaserausbau legt vor allem die Bundesnetzagentur fest, zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Dabei geht es um offene Netzzugänge und Anreize für Investitionen.
Analystenstimmen und Markteinschätzung
Das US-Analystenteam von Bernstein bewertet T-Mobile US neutral. Das verstärkt die Unsicherheit. Die Deutsche Telekom will ihr US-Geschäft stärker integrieren. Ob die Vorteile die Risiken überwiegen, bleibt offen. Die Neubewertung von Bernstein reiht sich ein in eine Serie kritischer Analysen zum deutschen Telekommarkt der letzten Monate. Auch andere Institute haben auf die Probleme im Festnetzsegment hingewiesen. Ein früherer Bericht beschreibt neue Vertriebsstrategien der Deutschen Telekom.
Bernstein macht klar: Die Deutsche Telekom steht vor zwei großen Problemen. Sie muss die Risiken einer möglichen Fusion mit T-Mobile US abwägen. Gleichzeitig wächst der Druck im Heimatmarkt. Die Mischung aus Unsicherheit und operativem Stress macht eine schnelle Erholung beim Kurs unwahrscheinlich. Für den deutschen und europäischen Telekommarkt bleibt entscheidend, wie die Deutsche Telekom jetzt reagiert. Die Frage ist, ob sie ihre Marktposition trotz der Belastungen halten kann.
Eine Fusion bedeutet, dass zwei oder mehr Unternehmen zu einer neuen Einheit zusammengehen. Anders als bei einer Übernahme, bei der ein Unternehmen das andere komplett übernimmt, entsteht bei einer Fusion meist ein gemeinsames Unternehmen mit geteilten Eigentumsverhältnissen. Solche Deals sind oft kompliziert. Es gibt viele Abstimmungen, Prüfungen durch Behörden und Unsicherheiten bei den Synergieeffekten. Für börsennotierte Unternehmen sind die Folgen für die Aktionärsstruktur und die Bewertung besonders wichtig.