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BASF prüft Übernahme von Evonik - Strategiewechsel möglich

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

BASF prüft Übernahme von Evonik - Strategiewechsel möglich Glocalist Press © glocalist.press
BASF prüft Übernahme von Evonik - Strategiewechsel möglich © glocalist.press

BASF denkt über die Übernahme von Evonik nach. Damit könnte der Chemiekonzern seine bisherige Strategie neu ausrichten. Hinter den Plänen stehen klare Motive, aber auch viele Unsicherheiten.

Die deutsche Chemiebranche steht vor einer möglichen Zäsur. BASF hat Interesse an Evonik signalisiert. Das Unternehmen aus Ludwigshafen ist an der Börse rund 47 Milliarden Euro wert. Evonik bringt es aktuell auf etwa 8,4 Milliarden Euro. Ein offizielles Übernahmeangebot liegt noch nicht vor. Beide Unternehmen sagen, es gibt keine konkreten Gespräche.

Am 25. September 2026 bestätigte BASF, dass es "exploratory talks" mit der RAG-Stiftung und Evonik über ein mögliches Übernahmeangebot gab. Der Ausgang ist offen. Evonik bestätigte am selben Tag einen "non-binding approach" von BASF. Auch hier: Keine laufenden Verhandlungen.

Warum BASF jetzt umdenkt

Markus Kamieth führt BASF seit zweieinhalb Jahren. Er hat den Konzern auf Effizienz und das Kerngeschäft ausgerichtet. Dazu gehörten der Verkauf großer Teile des Farben- und Lackgeschäfts und die geplante Ausgliederung der Agrarsparte. Das Interesse an Evonik überrascht viele. Denn Evonik setzt auf Spezialchemikalien - ein Feld, das BASF zuletzt eher verlassen hat.

BASF betont aber, dass strategische Zukäufe regelmäßig geprüft werden. Sie müssen das Kerngeschäft stärken und einen "strong strategic fit" bieten. Das Unternehmen spricht von einem "disciplined approach" und verweist auf die Einhaltung aller Transparenzpflichten.

Einige Bereiche von Evonik passen näher an das BASF-Kerngeschäft als die zuletzt verkauften Sparten. Evonik stellt Additive für Farben, Polymere für Auto- und Luftfahrt sowie Aminosäuren für Tierfutter her. Diese Produkte ergänzen die Grund- und Zwischenchemikalien von BASF. Es könnten Synergien bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb entstehen. Laut Reuters ist die Transaktion aber "weit von einer Entscheidung entfernt". Viel hängt von weiteren Gesprächen mit der RAG-Stiftung ab.

Evonik im Wandel - und das Timing

Evonik steckt mitten im Umbau. Bis 2029 sollen weltweit 3.200 Stellen wegfallen, davon 2.150 in Deutschland. Die Verwaltung wurde bereits verschlankt. Managementposten wurden gestrichen. Die erste Phase des Programms "Evonik Tailor Made" (2024-2026) soll bis Ende 2026 rund 400 Millionen Euro einsparen. Das schafft laut Unternehmen die Basis für Investitionen ab 2027. Für BASF ist das ein Vorteil. Ein Teil der Restrukturierung ist schon erledigt. Der Einstieg wird dadurch attraktiver.

BASF bestätigt, dass das Unternehmen strategische Optionen prüft, die das Kerngeschäft stärken und Mehrwert schaffen, verfolgt dabei jedoch einen disziplinierten Ansatz und verpflichtet sich zur unverzüglichen Offenlegung regulatorisch relevanter Informationen.

BASF News Release

Ein Zusammenschluss würde die Kostenstruktur verändern. Auch die Marktmacht würde wachsen. Zusammen hätten BASF und Evonik im letzten Jahr 74 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Der größte deutsche Chemiekonzern würde den zweitgrößten übernehmen. Ein wichtiger Wettbewerber wäre vom Markt. Die Einkaufsmacht und die Position in Spezialchemie-Nischen würden gestärkt. Das wäre ein Vorteil gegenüber internationalen Rivalen wie Sinopec oder Dow.

Standorte und regionale Kontrolle

Ein weiterer Punkt: Versorgungssicherheit. Evonik betreibt viele Werke in Deutschland und Europa. BASF könnte so mehr Kontrolle über regionale Kapazitäten gewinnen. In Zeiten schrumpfender Chemiekapazitäten in Europa wird das wichtiger. Die Sicherung von Standorten zählt. Produktionsanlagen und Know-how in der Region zu halten, ist für BASF ein zentrales Argument. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hebt die Bedeutung der industriellen Wertschöpfungsketten und des Standorterhalts regelmäßig hervor.

Ob es zur Übernahme kommt, entscheidet vor allem die RAG-Stiftung. Sie hält 44 Prozent der Evonik-Aktien. Damit ist sie Hauptaktionär. Die Stiftung entstand beim deutschen Steinkohleausstieg. Sie will ihre Beteiligung an Evonik langfristig verringern, aber Ankerinvestor bleiben. Neben dem Aktienkurs spielen auch Jobs und Produktion in der Region eine Rolle bei der Entscheidung.

Viele offene Fragen

Bisher gibt es keine konkreten Verhandlungen zwischen BASF und Evonik. Die Gespräche stehen am Anfang. Der Ausgang ist offen. Die RAG-Stiftung muss überzeugt werden, dass eine Übernahme Sinn macht. Auch regulatorische Prüfungen und mögliche Folgen für Beschäftigte und Standorte bleiben Unsicherheiten. Übernahmen dieser Größe werden in Deutschland vom Bundeskartellamt und der EU-Kommission geprüft. Entscheidend sind das EU-Wettbewerbsrecht und die Vorgaben des GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen).

Die Entwicklung erinnert an andere Umbauten in der deutschen Industrie. Effizienz und Konzentration aufs Kerngeschäft standen oft im Mittelpunkt. Wie bei der Neuausrichtung von flatexDEGIRO zeigt sich: Strategiewechsel bringen meist große Veränderungen im Portfolio und in der Marktposition. Bei BASF und Evonik geht es aber um eine deutlich größere Transaktion. Die Folgen für den Chemiestandort Deutschland wären erheblich.

BASF steht vor einer Richtungsentscheidung. Bisher setzte der Konzern auf Verschlankung und Konzentration. Mit Evonik könnte eine neue Phase der Expansion beginnen. Die Frage ist, ob die RAG-Stiftung und andere Aktionäre die Strategie mittragen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob BASF bereit ist, für mehr Marktanteil und regionale Kontrolle die eigene Linie zu verlassen. Oder ob der alte Kurs bleibt.

Eine Übernahme bedeutet, dass ein Unternehmen die Kontrolle über ein anderes durch den Kauf der Mehrheit der Anteile oder aller Aktien übernimmt. Anders als bei einer Fusion bleibt das Zielunternehmen rechtlich eigenständig, wird aber vom Käufer geführt. In Deutschland und der EU prüfen das Bundeskartellamt und die EU-Kommission solche Vorgänge. Die Zustimmung der Hauptaktionäre ist meist Voraussetzung.

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