flatexDEGIRO baut den Vorstand um und verteilt die Geschäftsbereiche neu. Die Gruppe will schneller wachsen und setzt klare Ziele für 2026.
flatexDEGIRO will schneller wachsen. Dafür greift das Unternehmen tief in die Führungsstruktur ein. Am 25. September 2026 beschloss der Aufsichtsrat, den Vorstand zu erweitern und die Zuständigkeiten neu zu ordnen. Die operative Steuerung soll stärker werden. Die Wachstumspläne rücken in den Mittelpunkt. Die Neuausrichtung folgt Empfehlungen der BaFin zur Governance von Finanzinstituten. Auch die Vorgaben zu Transparenz und Risikomanagement werden damit erfüllt.
Neue Köpfe, klare Aufgaben
Dr. Benon Janos übernimmt ab sofort als CEO das Brokerage- und Privatkundengeschäft. Oliver Behrens, bisher CEO und Vorstandsvorsitzender, konzentriert sich künftig auf das B2B-Geschäft und Treasury. Damit rücken Themen rund um Markt und Kunden näher an die Führung. Dr. Thomas Lindner, seit 2012 in leitenden Finanzfunktionen bei flatexDEGIRO, wird neuer CFO. Seine Ernennung steht noch unter dem Vorbehalt der BaFin-Prüfung. Das verlangt § 24 Kreditwesengesetz (KWG) für Finanzinstitute.
Dominik Beier kommt als künftiger Chief Growth Officer dazu. Das hatte das Unternehmen bereits angekündigt. Die neue Struktur soll die Umsetzungskraft im Wettbewerb stärken. B2B und Treasury werden gezielt ausgebaut. Das passt zu aktuellen Trends im europäischen Fintech. Regulatorik und Digitalisierung greifen immer stärker ineinander.
Ziele bis 2026: Mehr Umsatz, mehr Gewinn
flatexDEGIRO will die für 2027 geplanten Finanzziele schon 2026 erreichen oder sogar übertreffen. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit rund 650 Millionen Euro Umsatz. Das wären etwa 35 Prozent mehr als 2024. Der Nettogewinn soll zwischen 200 und 230 Millionen Euro liegen. Damit will flatexDEGIRO seine Position im europäischen Online-Brokerage festigen. Im Fokus stehen das Brokerage-Kerngeschäft, neue Angebote für langfristigen Vermögensaufbau und Altersvorsorge sowie das Modell "Deposits as a Service". Das Ziel: Mindestens 10 Prozent mehr Kunden pro Jahr. Neue Produkte und Services sollen kommen. Starke Nettozuflüsse und Zinseffekte auf Kundeneinlagen bleiben wichtig.
Die organisatorische Neuausrichtung schafft die Grundlage für die nächste Wachstumsphase und stärkt die operative Umsetzungskraft im Brokerage- und Kundengeschäft.
Ein weiteres Ziel: Bis Ende 2027 soll DEGIRO technisch komplett in die flatexDEGIRO-Gruppe integriert sein. Prozesse, Plattformen und IT-Systeme werden vereinheitlicht. Das soll Komplexität senken und Effizienz steigern. Die mittelfristige Guidance will flatexDEGIRO im Februar 2027 mit den vorläufigen Zahlen für 2026 veröffentlichen. Die technische Umsetzung folgt aktuellen DIN-ISO-Normen für IT-Sicherheit und Datenverarbeitung. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt diese Standards. Mehr zu branchenspezifischen IT-Sicherheitsstandards gibt es im BSI-Fachportal Finanzwesen.
Markt, Kunden, Plattformen
flatexDEGIRO betreut nach eigenen Angaben über 3,5 Millionen Kunden in 16 Ländern. Das verwahrte Vermögen liegt bei mehr als 100 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 wurden über 75 Millionen Wertpapiertransaktionen abgewickelt. Drei Brokerage-Plattformen stehen zur Verfügung: DEGIRO, flatex und ViTrade. Kunden handeln an rund 50 Börsen in Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum. Die meisten sind aktive Trader ohne Anlageberatung. Das Bankgeschäft läuft über die Tochter flatexDEGIRO Bank SE mit Vollbanklizenz. Die Prozesse erfüllen die europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 und die deutschen MaRisk-Vorgaben für Risikomanagement.
Die Technik basiert auf eigenen Systemen mit hoher Verfügbarkeit. flatexDEGIRO will damit Standards bei Plattform- und Servicequalität setzen. Die Integration von DEGIRO bleibt ein zentrales Projekt. Ziel ist es, Skaleneffekte und Innovationen schneller zu nutzen. Auch andere europäische Plattformanbieter verfolgen ähnliche Strategien. Das zeigt ein früherer Bericht zu Branchentrends.
Was die Neuausrichtung bringt
Die Erweiterung des Vorstands und die neue Aufgabenverteilung sind ein klarer Versuch, die Schlagkraft von flatexDEGIRO im Wettbewerb zu erhöhen. Der Fokus auf das Brokerage-Kerngeschäft und die technische Integration von DEGIRO sind nachvollziehbare Schritte. Sie sollen Effizienz und Skalierbarkeit verbessern. Die ehrgeizigen Ziele für 2026 hängen aber von der Umsetzung ab. Noch ist offen, wie schnell die technische Integration gelingt. Auch das geplante Kundenwachstum bleibt eine Herausforderung. Die personellen Entscheidungen setzen auf Erfahrung und Kontinuität. Das bringt Stabilität. Eine Garantie für beschleunigtes Wachstum ist das nicht. Entscheidend wird sein, ob die neuen Strukturen messbare Fortschritte bei Produkt, Kundenzufriedenheit und Profitabilität bringen.
Skaleneffekte sind im Plattformgeschäft wichtig. Sie helfen, mit mehr Nutzern und Transaktionen die Kosten pro Einheit zu senken. Gerade im Brokerage und Bankgeschäft sind sie ein Hebel für bessere Margen und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Dafür muss die technische Integration reibungslos laufen. Neue Produkte müssen effizient ausgerollt werden. Die Harmonisierung von IT-Systemen und Prozessen bleibt ein kritischer Erfolgsfaktor für die Zukunft von flatexDEGIRO.