Das britische Unternehmen Certain Energy sammelt 10 Millionen Pfund ein, um seine Mangan-Flow-Batterietechnologie für den Netzbetrieb zu entwickeln. Welche Chancen und Unsicherheiten bestehen für den europäischen Markt
Certain Energy, ein auf Langzeitspeicher spezialisiertes Unternehmen aus Großbritannien, hat eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 10 Millionen Pfund abgeschlossen. Die Mittel sollen die Kommerzialisierung einer Mangan-basierten Flow-Batterietechnologie ermöglichen, die für den Einsatz im Stromnetz vorgesehen ist. Die Finanzierungsrunde wurde von der British Business Bank angeführt, beteiligt waren zudem Centrica, Ceres Power Holdings und der C3H-Fonds von Temasek Trust. Die Ankündigung erfolgte im Juni 2026.
Technologie und Zielsetzung
Certain Energy wurde 2017 als Ausgründung des Imperial College London gegründet und war zuvor unter dem Namen RFC Power bekannt. Das Unternehmen entwickelt elektrochemische Speicherlösungen, die erneuerbare Energie über längere Zeiträume speichern und bedarfsgerecht abgeben können. Ziel ist es, Schwankungen bei Wind- und Solarstrom auszugleichen und die Abhängigkeit von fossilen Reservekraftwerken zu verringern.
Die eingesetzte Flow-Batterie nutzt Mangan als zentrales Element. Mangan ist weltweit in großen Mengen verfügbar und könnte nach Unternehmensangaben die Kosten für Langzeitspeicher im Vergleich zu anderen Technologien wie Vanadium-Flow-Batterien deutlich senken. Die Energie wird in flüssigen Elektrolyten gespeichert, die in externen Tanks zirkulieren. Die Kapazität lässt sich durch die Tankgröße flexibel anpassen, sodass Speicherzeiten von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen möglich sind.
Technische Angaben und wirtschaftliche Perspektiven
Nach Angaben von Certain Energy erreicht das System einen Rundtrip-Wirkungsgrad von über 75 Prozent. Die Lebensdauer der patentierten Elektrolytlösung wird mit 20 Jahren angegeben, wobei die Kapazitätsverluste begrenzt sein sollen. Das Unternehmen sieht seine Technologie als Ergänzung zu Lithium-Ionen-Batterien, insbesondere für Anwendungen, bei denen längere Speicherzeiten und Netzreservekapazitäten erforderlich sind.
Die Finanzierung soll die Entwicklung eines ersten netzgekoppelten Speichersystems im Megawattstunden-Maßstab in Indien ermöglichen. Parallel dazu plant Certain Energy den Ausbau seines Forschungsstandorts im Vereinigten Königreich und den Aufbau einer Lieferkette für die spätere Serienfertigung. Die Angaben zu Kosten und Wirkungsgrad stammen aus Unternehmenskommunikation und wurden bislang nicht unabhängig überprüft.
Marktumfeld und internationale Einordnung
Langzeitspeicher gelten als zentrale Voraussetzung für eine stabile Stromversorgung bei hohem Anteil erneuerbarer Energien. In Europa und Deutschland besteht weiterhin ein erheblicher Bedarf an wirtschaftlichen Speicherlösungen, um Netzengpässe und die sogenannte Dunkelflaute zu überbrücken. Die Entwicklung von Certain Energy reiht sich in eine wachsende Zahl von Initiativen ein, die auf alternative Batterietechnologien setzen. Auch andere Start-ups und etablierte Unternehmen arbeiten an neuen Speicherformen, wie etwa im Bereich Cybersicherheit für digitale Infrastrukturen, worüber Glocalist Press bereits im Zusammenhang mit Investitionen in Sicherheitslösungen für den App-Markt berichtet hat.
Ob und wann die Mangan-Flow-Batterie von Certain Energy in größerem Maßstab in Europa eingesetzt wird, bleibt offen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit hängt von der Skalierung, den Rohstoffpreisen und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Unabhängige Praxistests und Vergleiche mit bestehenden Speichertechnologien stehen noch aus.
Flow-Batterien sind elektrochemische Energiespeicher, bei denen die Energie in flüssigen Elektrolyten außerhalb der eigentlichen Zelle gespeichert wird. Im Unterschied zu klassischen Batterien kann die Kapazität unabhängig von der elektrischen Leistung durch die Größe der Tanks skaliert werden. Dies macht Flow-Batterien besonders interessant für stationäre Anwendungen im Stromnetz, bei denen große Energiemengen über längere Zeiträume gespeichert werden müssen. Die wirtschaftliche Bewertung solcher Systeme hängt jedoch stark von den Rohstoffkosten, der Lebensdauer und dem tatsächlichen Wirkungsgrad im Betrieb ab.