Eine neue Studie von ESET und Techconsult zeigt: Krankenhäuser in Deutschland setzen zunehmend auf moderne Schutztechnologien und digitale Souveränität, doch Herausforderungen wie Fachkräftemangel und veraltete IT bleiben bestehen
Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland verstärken ihre Investitionen in digitale Schutzmaßnahmen. Laut einer aktuellen Studie des IT-Sicherheitsanbieters ESET und des Marktforschungsinstituts Techconsult, die 165 Einrichtungen befragte, setzen viele Häuser inzwischen auf fortschrittliche Technologien zur Erkennung und Abwehr von Cyberangriffen. Die Mehrheit der befragten Organisationen sieht sich heute besser auf IT-Sicherheitsvorfälle vorbereitet als noch vor wenigen Jahren.
Notfallpläne und regelmäßige Tests
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass rund 80 Prozent der Krankenhäuser über einen Notfallplan für schwerwiegende Cyberangriffe wie Ransomware-Attacken verfügen. Viele dieser Pläne werden regelmäßig getestet, um die Handlungsfähigkeit auch in Krisensituationen zu sichern. Zu den etablierten Basismaßnahmen zählen Firewalls, E-Mail-Sicherheitslösungen und Multi-Faktor-Authentifizierung. Dennoch bleibt die Umsetzung nicht ohne Herausforderungen: Über die Hälfte der befragten Einrichtungen war in den vergangenen zwölf Monaten von mindestens einem Cyberangriff betroffen, und etwa jede fünfte meldete daraus resultierende Betriebsunterbrechungen.
Investitionsbereitschaft auf hohem Niveau
Die Bereitschaft zu weiteren Investitionen in IT-Sicherheit ist laut Studie so hoch wie nie. Mehr als 85 Prozent der Krankenhäuser planen, in den kommenden zwölf Monaten neue Lösungen zur Angriffserkennung und -abwehr einzuführen oder bestehende Systeme auszubauen. Besonders gefragt sind Managed Detection and Response sowie Endpoint Detection and Response, die eine frühzeitige Identifikation von Sicherheitsvorfällen ermöglichen. Neben technischen Maßnahmen investieren viele Einrichtungen auch in Schulungen und Awareness-Programme für Mitarbeitende sowie in die Modernisierung der Netzwerkarchitektur.
Digitale Souveränität und europäische Anbieter
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Herkunft der eingesetzten IT-Sicherheitslösungen. Bereits die Hälfte der befragten Einrichtungen nutzt Produkte europäischer Anbieter. Über 80 Prozent können sich vorstellen, künftig vollständig auf Anbieter aus der Europäischen Union zu setzen. Datenschutz, Compliance und Vertrauen gewinnen damit weiter an Bedeutung bei Investitionsentscheidungen. Die Studie zeigt, dass die Gesundheitsbranche in Deutschland zunehmend Wert auf digitale Souveränität legt und sich damit auch an europäischen Standards orientiert.
Herausforderungen und offene Fragen
Trotz der Fortschritte bleiben zentrale Herausforderungen bestehen. Veraltete IT-Systeme und der anhaltende Fachkräftemangel erschweren vielerorts den Ausbau der Cyberresilienz. Die Modernisierung der digitalen Infrastruktur ist häufig mit hohen Kosten und organisatorischem Aufwand verbunden. Zudem bleibt offen, wie schnell die Branche auf neue Bedrohungslagen reagieren kann. Die aktuelle Entwicklung steht damit im Kontext einer breiteren Dynamik im Gesundheitssektor, in dem auch Start-ups und Übernahmen eine Rolle spielen - wie etwa die jüngste Übernahme eines MedTech-Unternehmens durch Bruker, die im Beitrag über Veränderungen im Diagnostik- und KI-Markt thematisiert wurde.
Der Begriff "Cyberresilienz" bezeichnet die Fähigkeit von Organisationen, auf Cyberangriffe nicht nur zu reagieren, sondern auch ihre Systeme und Prozesse so zu gestalten, dass sie Störungen möglichst widerstehen und sich nach Vorfällen schnell wieder erholen können. Im Gesundheitswesen ist Cyberresilienz besonders kritisch, da IT-Ausfälle direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben können. Die Kombination aus technischen Schutzmaßnahmen, organisatorischen Prozessen und kontinuierlicher Weiterbildung gilt als Schlüssel, um die digitale Sicherheit nachhaltig zu stärken.