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First Solar zieht vor Gericht: Patentklage gegen JA Solar um TOPCon

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

First Solar zieht vor Gericht: Patentklage gegen JA Solar um TOPCon Glocalist Press © glocalist.press
First Solar zieht vor Gericht: Patentklage gegen JA Solar um TOPCon © glocalist.press

First Solar attackiert JA Solar und American Panel Solutions mit einer Klage zu TOPCon-Patenten. Der US-Konzern will mit Schutzrechten neue Einnahmen sichern. Die Strategie könnte die Investitionspläne beeinflussen.

Am 1. Oktober 2026 rollte First Solar die nächste juristische Offensive aus. Im US-Bundesstaat Delaware landete eine Klage gegen JA Solar Technology, JA Solar International, JA Solar Vietnam, JA Solar Industrial und American Panel Solutions (AMPS) auf dem Tisch. Im Fokus: das US-Patent Nr. 9,130,074, das Herstellungsverfahren für TOPCon-Siliziumzellen schützt. First Solar wirft den Beklagten vor, diese Technologie ohne Lizenz in ihren Produktionslinien eingesetzt zu haben. Es geht nicht nur um fertige Module, sondern um die Prozesse für Tunneloxid-passivierte Kontakte. Die Rechte an der Technologie hatte sich First Solar bereits 2013 mit der Übernahme von TetraSun gesichert. Das Patentportfolio reicht in die USA, Australien, Kanada, China, die EU und weitere Märkte und läuft mindestens bis 2030.

First Solar setzt damit auf eine Strategie, bei der geistiges Eigentum als wirtschaftlicher Hebel dienen soll. Im Juli 2024 hatte das Unternehmen erstmals öffentlich auf das eigene TOPCon-Portfolio verwiesen und angekündigt, mögliche Patentverletzungen bei mehreren Siliziumzellenherstellern zu prüfen. Die Monetarisierung der Patente soll helfen, sich im globalen Wettbewerb um Wirkungsgrade und Produktionsverfahren abzusichern. Die Klage gegen JA Solar und American Panel Solutions steht für ein systematisches Vorgehen, das auf Lizenzmodelle und Schutzrechte als zusätzliche Einnahmequelle zielt.

Mit auf der Anklageliste: American Panel Solutions LLC, eine US-Tochter von Corning. Neben JA Solar tauchen vier weitere verbundene Unternehmen auf, darunter JA Solar Vietnam. Parallel zieht First Solar die Beschwerde nach Abschnitt 337 bei der US-Handelskommission (ITC) freiwillig zurück. Stattdessen konzentriert sich der Konzern auf Patentklagen vor Bundesgerichten. Ein Urteil gibt es bislang nicht. Die laufende Klage verursacht zusätzliche Rechtskosten, ändert aber nichts an den operativen Baustellen. Die Einführung der CuRe-Technologie in Serie 6 und 7 bis spätestens 2028 bleibt das zentrale Entwicklungsziel und prägt die Umsatz- und Margenerwartungen für 2027 und 2028.

Die Klage betrifft explizit die Produktionsprozesse für Tunneloxid-passivierte Kontakte (TOPCon) und nicht nur die fertigen Solarmodule. First Solar wirft den Beklagten vor, patentierte Verfahren ohne Genehmigung eingesetzt zu haben.

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First Solar kalkuliert laut eigener Prognose bis 2029 mit 6,9 Milliarden US-Dollar Umsatz und 3,0 Milliarden US-Dollar Gewinn. Das entspräche einem jährlichen Umsatzplus von 8,5 Prozent und einem Gewinnsprung um 1,3 Milliarden US-Dollar gegenüber dem aktuellen Stand von 1,7 Milliarden US-Dollar. Die Auftragspipeline liegt laut Unternehmen bei rund 45,1 Gigawatt. Analysten, die vor der Klage ihre Schätzungen veröffentlichten, sahen in optimistischen Szenarien sogar bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und 4,4 Milliarden US-Dollar Gewinn im Jahr 2029. Ob die laufenden Patentverfahren diese Prognosen verändern, ist offen.

Für Anleger bleibt die Patentstrategie ein möglicher Werttreiber, ersetzt aber nicht die operativen Kernfaktoren. Entscheidend bleiben Kapazitätsauslastung und die Entwicklung der US-Handelsregulierung. Auch die pünktliche Umsetzung des CuRe-Fahrplans bleibt zentral. Die Klage zeigt, dass First Solar bereit ist, seine technologische Position vor Gericht zu verteidigen, ohne die Produktions- und Lieferstrategie grundlegend zu kippen.

International positioniert sich First Solar mit dieser Patentpolitik als aktiver Player im Rennen um Effizienz und geistiges Eigentum. Die Klage gegen JA Solar und American Panel Solutions steht exemplarisch für die wachsende Bedeutung von Schutzrechten im globalen Solarmarkt. Während viele Hersteller auf Skaleneffekte und Kostensenkung setzen, versucht First Solar, seine Technologiehoheit auch über Lizenzmodelle zu sichern. Auswirkungen auf den europäischen Markt bleiben vorerst begrenzt, da die Klage in den USA läuft und sich auf dortige Produktions- und Lieferketten konzentriert. Die Bundesnetzagentur hebt in aktuellen Veröffentlichungen die Bedeutung von Innovationsschutz und Standardisierung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Solarindustrie hervor. Regulatorische Details finden sich in der Bundesnetzagentur-Rubrik Erneuerbare Energien.

Die Entwicklung erinnert an frühere Konflikte im Solarsektor, bei denen Patente als strategisches Werkzeug zur Marktsicherung dienten. Wie sich die aktuelle Klage auf die Bewertung von First Solar auswirkt, hängt davon ab, ob das Unternehmen tatsächlich relevante Lizenzumsätze erzielt oder ob die Rechtskosten die erwarteten Zusatzerlöse auffressen. Ein Blick auf die jüngsten Kursentwicklungen und die Bewertung anderer Anbieter im Bereich Stromnetztechnologie und Infrastruktur liefert weitere Anhaltspunkte.

Ob die Patentklage von First Solar zum Präzedenzfall für die Branche wird, ist offen. Die Auswirkungen auf Umsatz, Gewinn und Marktposition hängen davon ab, ob es zu Lizenzvereinbarungen oder gerichtlichen Entscheidungen kommt. Für den europäischen Markt bleibt relevant, wie sich der internationale Wettbewerb um Effizienztechnologien und Schutzrechte entwickelt und ob ähnliche Konflikte auch in der EU an Gewicht gewinnen. Die Einführung der CuRe-Technologie und die Entwicklung der globalen Lieferketten werden für First Solar und die Branche insgesamt wichtiger bleiben als einzelne Patentverfahren.

Patentstrategie meint die gezielte Nutzung von Schutzrechten, um technologische Vorsprünge zu sichern, Wettbewerber abzuwehren oder zusätzliche Einnahmen durch Lizenzen zu erzielen. Im Technologiesektor sind Patente längst nicht nur juristische Absicherung, sondern ein zentrales Element der Unternehmensstrategie. Sie beeinflussen den Marktzugang, die Verhandlungsposition gegenüber Wettbewerbern und die Bewertung an den Kapitalmärkten. Gleichzeitig bergen Patentstreitigkeiten das Risiko hoher Rechtskosten und unvorhersehbarer Urteile, die die wirtschaftliche Planung erschweren.

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