Ab 2027 will der Staat mit der Frühstart-Rente monatlich 10 Euro in die Altersvorsorge von Kindern einzahlen. Was Eltern beachten müssen, welche Bedingungen gelten und welche Unsicherheiten bleiben
Die Bundesregierung hat am 12. Juni 2026 die Einführung der sogenannten Frühstart-Rente beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 soll für jedes in Deutschland lebende Kind ab dem sechsten Geburtstag bis zum 18. Lebensjahr monatlich ein staatlicher Beitrag von 10 Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot eingezahlt werden. Ziel ist es, Kinder frühzeitig an kapitalgedeckte Altersvorsorge heranzuführen und langfristig die private Vorsorge zu stärken. Die Maßnahme ist Teil der Rentenreformpläne, die unter Federführung des Bundesfinanzministeriums entwickelt wurden.
Rahmenbedingungen und Ablauf der Förderung
Die Frühstart-Rente richtet sich an Kinder mit Wohnsitz in Deutschland, die ab dem Jahr 2020 geboren wurden. Für den Start erhalten zunächst Kinder des Geburtsjahrgangs 2020, die 2026 sechs Jahre alt werden, die staatlichen Einzahlungen rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. In den Folgejahren profitieren jeweils alle Kinder ab ihrem sechsten Geburtstag. Die monatlichen Beiträge werden in ein standardisiertes Depot eingezahlt, das von den Eltern bei einer Bank oder einem Broker eröffnet werden muss. Ohne aktives Handeln der Eltern wird das Geld von der Deutschen Bundesbank kollektiv nach Jahrgängen investiert. Eltern und Verwandte können die staatlichen Einzahlungen freiwillig aufstocken, wobei die jährliche Höchstgrenze für zusätzliche Einzahlungen bei 6.840 Euro liegt.
Die Auswahl der Anlageprodukte ist gesetzlich eingeschränkt: Investiert werden darf ausschließlich in breit gestreute Fonds, ETFs und bestimmte Anleihen. Einzelaktien, Kryptowährungen und spekulative Produkte sind ausgeschlossen. Die Kosten für das Standarddepot sind auf ein Prozent der Anlagesumme gedeckelt, Abschluss- und Vertriebskosten dürfen bis zum 18. Lebensjahr nicht anfallen. Die Umschichtung zwischen chancenorientierten und risikoarmen Fonds erfolgt automatisch, je näher das Rentenalter rückt.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Kritikpunkte
Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums kann ein Kind durch die staatlichen Einzahlungen bis zur Volljährigkeit einen Depotwert von rund 2.200 Euro erreichen. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Marktentwicklung könnten daraus bis zum Renteneintritt etwa 53.000 Euro werden. Diese Prognosen sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet, da die tatsächliche Wertentwicklung von den Kapitalmärkten abhängt und keine Renditegarantie besteht.
Verbraucherschutzorganisationen begrüßen den Ansatz, kritisieren jedoch, dass die Förderung vor allem Familien mit höherem Einkommen zugutekommen könnte, da diese eher in der Lage sind, zusätzliche Einzahlungen zu leisten. Zudem werden die Produktkosten trotz Deckelung als zu hoch bewertet. Es wird eine umfassendere Finanzbildungsstrategie gefordert, die über reine Produktinformationen hinausgeht und Kompetenzen im Umgang mit Kapitalmarktprodukten vermittelt.
Die Frühstart-Rente unterscheidet sich von klassischen Kinderdepots vor allem durch die Zweckbindung: Das angesparte Kapital darf ausschließlich für die Altersvorsorge verwendet werden und ist frühestens ab dem 65. Lebensjahr verfügbar. Für andere Sparziele wie Ausbildung oder Immobilienerwerb bleibt das klassische Kinderdepot die flexiblere Alternative.
Praktische Umsetzung und offene Fragen
Eltern müssen für die Inanspruchnahme der Frühstart-Rente ein spezielles Depot eröffnen, das auf den Namen des Kindes läuft. Die Zustimmung beider Sorgeberechtigten, die Geburtsurkunde und die Steuer-ID des Kindes sind erforderlich. Erfolgt die Depoteröffnung nicht innerhalb eines Jahres nach Anspruchsbeginn, wird das Geld von der Deutschen Bundesbank kollektiv angelegt. Eine spätere Übertragung auf ein individuelles Depot ist bis zum 25. Geburtstag möglich, danach verfällt der Anspruch und das Guthaben fällt an den Bund zurück.
Die staatliche Förderung ist an das neue Standarddepot gebunden, das im Zuge der Riester-Reform eingeführt wird. Die Auswahlmöglichkeiten für Eltern und Kinder sind dadurch begrenzt, da die Anlageprodukte und die Umschichtung zwischen Fonds gesetzlich vorgegeben sind. Die langfristigen Auswirkungen auf die private Altersvorsorge und die Akzeptanz des Modells in der Bevölkerung bleiben abzuwarten. Im europäischen Kontext zeigt sich, dass auch andere Initiativen zur Förderung digitaler Finanzprodukte, wie etwa die Einführung der digitalen Wallet Wero, mit Verzögerungen und Anpassungen konfrontiert sind, wie die Verschiebung des Wero-Starts in Luxemburg verdeutlicht.
Abgrenzung zu bestehenden Sparformen
Im Unterschied zu klassischen Kinderdepots ist das Guthaben aus der Frühstart-Rente strikt zweckgebunden und kann nicht für Ausbildung, Studium oder andere Lebensziele verwendet werden. Eltern, die für diese Zwecke sparen möchten, müssen weiterhin auf herkömmliche Kinderdepots oder andere Sparformen zurückgreifen. Steuerliche Vorteile bestehen auch bei Kinderdepots, da Kinder einen eigenen Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag nutzen können. Allerdings können hohe Kapitalerträge später Auswirkungen auf den BAföG-Anspruch oder die Krankenversicherung haben.
Die Einführung der Frühstart-Rente markiert einen neuen Ansatz in der deutschen Altersvorsorgepolitik, bleibt aber in ihrer Wirkung und Akzeptanz noch offen. Die tatsächliche Nutzung und die langfristigen Effekte werden maßgeblich davon abhängen, wie viele Eltern das Angebot aktiv nutzen und wie sich die Kapitalmärkte entwickeln.
Das Standarddepot, das für die Frühstart-Rente genutzt wird, ist ein gesetzlich reguliertes Anlagekonto mit klar definierten Kosten- und Produktvorgaben. Es soll Fehlanreize vermeiden, die bei früheren staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie der Riester-Rente zu hohen Abschluss- und Verwaltungskosten geführt haben. Die Begrenzung der Effektivkosten auf ein Prozent und die Beschränkung auf breit gestreute Fonds und Anleihen sollen Transparenz und Kosteneffizienz fördern. Gleichzeitig schränkt das Modell die individuelle Auswahl und Steuerung der Geldanlage ein, was insbesondere für erfahrene Anlegerinnen und Anleger ein Nachteil sein kann.