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Gen Z setzt bei Finanzberatung zunehmend auf KI-Chatbots wie ChatGPT

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Gen Z setzt bei Finanzberatung zunehmend auf KI-Chatbots wie ChatGPT Glocalist Press
Gen Z setzt bei Finanzberatung zunehmend auf KI-Chatbots wie ChatGPT

Immer mehr junge Erwachsene in Deutschland und Europa nutzen KI-Chatbots wie ChatGPT für Finanzfragen und Anlagetipps. Welche Chancen und Risiken das birgt und warum Experten zur Vorsicht raten, bleibt umstritten

Junge Menschen der sogenannten Generation Z, also im Alter zwischen 16 und 29 Jahren, greifen bei Finanzfragen immer häufiger auf KI-Chatbots zurück. Besonders Plattformen wie ChatGPT, die seit Mai 2026 auch die Verknüpfung mit Bankkonten ermöglichen, werden genutzt, um Ausgaben zu analysieren und Sparpotenziale zu identifizieren. Die Technologie wird von vielen als niederschwellige Alternative zur klassischen Finanzberatung wahrgenommen, insbesondere von Nutzerinnen und Nutzern, die bisher wenig Erfahrung mit Geldanlagen haben.

Studien zeigen hohe Akzeptanz bei jungen Nutzerinnen und Nutzern

Laut einer aktuellen Umfrage des britischen Marktforschungsinstituts Opinium, auf die sich Techradar bezieht, nutzen bereits 80 Prozent der Gen-Z-Angehörigen, die sich mit Finanzthemen beschäftigen, KI-gestützte Tools für Ratschläge. In Deutschland bestätigen ähnliche Zahlen eine vergleichbare Entwicklung: Nach einer Bitkom-Umfrage aus Mai 2026 liegt die Nutzung von KI-Chatbots für Finanzfragen in dieser Altersgruppe deutlich über dem Durchschnitt anderer Generationen. Besonders auffällig ist, dass 58 Prozent der Befragten sich von Systemen wie ChatGPT oder Gemini konkrete Empfehlungen für künftige Investitionen geben lassen.

Im Vergleich dazu zeigen sich ältere Generationen wie die Baby-Boomer oder Gen X deutlich zurückhaltender. Während nur 29 Prozent der investitionsbereiten Gen-Z-Angehörigen den KI-generierten Informationen misstrauen, liegt dieser Wert über alle Altersgruppen hinweg bei 49 Prozent. Die Gründe für die hohe Akzeptanz sind vielfältig: 43 Prozent der Befragten schätzen den kostenlosen Zugang, 41 Prozent die schnelle und unkomplizierte Beratung. Zudem fühlen sich insbesondere weibliche Nutzerinnen wohler, einen Chatbot als eine reale Person um Rat zu fragen.

Früher und häufiger investieren - aber mit Unsicherheiten

Eine Studie von Barclays aus Juli 2026 zeigt, dass junge Erwachsene in Großbritannien im Durchschnitt zwölfmal pro Jahr Geld auf ihre Depots einzahlen - deutlich häufiger als ältere Generationen. Auch in Deutschland ist ein Trend zu früheren und häufigeren Investitionen erkennbar. Allerdings bestehen bei vielen jungen Anlegerinnen und Anlegern Unsicherheiten in Bezug auf Risiko, Diversifikation und langfristige Strategien. Die Nutzung von KI-Chatbots wird offenbar auch als Möglichkeit gesehen, Wissenslücken zu schließen und sich unabhängig von traditionellen Beratungsangeboten zu informieren.

Gleichzeitig bleibt unklar, wie zuverlässig die von KI-Systemen gelieferten Empfehlungen tatsächlich sind. KI-Modelle wie ChatGPT oder Gemini können zwar große Datenmengen auswerten und individuelle Vorschläge generieren, sind jedoch anfällig für sogenannte Halluzinationen - also die Erzeugung plausibel klingender, aber faktisch falscher Informationen. Die Qualität der Empfehlungen hängt zudem stark von den verwendeten Datenquellen und der Aktualität der Informationen ab.

Risiken und Forderungen nach Transparenz

Die wachsende Nutzung von KI-Chatbots für Finanzentscheidungen birgt nach Einschätzung von Fachleuten erhebliche Risiken. In einer Bitkom-Umfrage äußerten 30 Prozent der Befragten die Überzeugung, dass KI Finanzthemen besser erklären könne als ein Mensch. Knapp ein Viertel vertraut KI-gestützten Empfehlungen sogar mehr als klassischer Finanzberatung. Fachleute wie der Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordern deshalb, dass KI-Anwendungen im Finanzbereich transparent, nachvollziehbar und sicher gestaltet werden müssen.

Empfohlen wird, KI-basierte Anlagetipps stets mit seriösen Quellen abzugleichen und nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage zu verwenden. Die Gefahr, dass Nutzerinnen und Nutzer auf fehlerhafte oder unseriöse Empfehlungen hereinfallen, ist insbesondere bei unerfahrenen Anlegerinnen und Anlegern nicht zu unterschätzen. Bislang fehlen jedoch verbindliche Standards für die Qualität und Transparenz von KI-gestützten Finanzberatungen.

Die Entwicklung zeigt, dass digitale Technologien das Verhalten junger Menschen im Umgang mit Geld und Investitionen nachhaltig verändern. Ob sich KI-Chatbots als verlässliche Ergänzung oder gar Alternative zur klassischen Beratung etablieren, hängt maßgeblich von der weiteren Regulierung und der technischen Weiterentwicklung der Systeme ab.

Der Begriff "KI-Chatbot" bezeichnet ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Dialogsystem, das in der Lage ist, auf natürliche Sprache zu reagieren und individuelle Empfehlungen zu geben. Moderne Chatbots wie ChatGPT oder Gemini nutzen große Sprachmodelle, um komplexe Fragen zu verstehen und passende Antworten zu generieren. Im Finanzbereich bedeutet dies, dass Nutzerinnen und Nutzer automatisiert Ratschläge zu Ausgaben, Sparmöglichkeiten oder Investitionen erhalten können. Die Qualität solcher Empfehlungen hängt jedoch von der Trainingsbasis, der Aktualität der Daten und der Transparenz der Algorithmen ab. Ohne menschliche Kontrolle besteht das Risiko, dass fehlerhafte oder unvollständige Informationen weitergegeben werden.

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