Die Kraft Group und Cisco haben die Netzwerk- und Broadcast-Infrastruktur des Gillette Stadiums umfassend erneuert. Welche technischen und betrieblichen Folgen die neue KI-gestützte Plattform für Veranstalter und Fans tatsächlich hat, bleibt differenziert zu betrachten
Das Gillette Stadium in Foxborough bei Boston, Heimstätte der New England Patriots, hat seine technische Infrastruktur für Live-Events und Großveranstaltungen grundlegend modernisiert. Nach Angaben der Kraft Group, die das Stadion betreibt, wurde gemeinsam mit Cisco eine interne, IP-basierte Produktions- und Netzwerkplattform eingeführt. Ziel der Umstellung war es, die Abhängigkeit von externen Dienstleistern zu reduzieren und die Steuerung digitaler Inhalte im Stadion zu zentralisieren. Die neue Infrastruktur soll insbesondere die Ausspielung von Echtzeit-Inhalten auf mehreren Tausend Bildschirmen ermöglichen und die Sicherheit der digitalen Anwendungen erhöhen.
Technische Umsetzung und Zeitplan
Die Modernisierung erfolgte nach Unternehmensangaben im engen Zeitfenster zwischen verschiedenen Sport- und Musikevents. Im Mittelpunkt steht die Einführung von Cisco IP Fabric for Media (IPFM) auf Basis von Switches der Nexus 9000-Serie, ergänzt durch das Nexus Dashboard für Automatisierung und Netzwerktransparenz. Die Plattform wird bereits bei internationalen Sportereignissen eingesetzt und bildet nun die Grundlage für Digital Signage, IPTV und die zentrale Steuerung von AV-Technik im Gillette Stadium. Die Inbetriebnahme wurde laut Kraft Group rechtzeitig zum Start der NFL-Saison 2023/24 abgeschlossen.
Die neue Infrastruktur ermöglicht es dem IT-Team, 4K-Inhalte intern zu produzieren und auf über 3.000 Bildschirmen im Stadion zu verteilen. Auch die Steuerung der größten gebogenen Videowand der USA erfolgt nun über das zentrale System. Die Standardisierung der Netzwerkarchitektur soll zudem die schnelle Inbetriebnahme neuer Einheiten während laufender Veranstaltungen erleichtern.
Betriebliche und sicherheitstechnische Aspekte
Nach Angaben der Kraft Group unterstützt die Infrastruktur an veranstaltungsfreien Tagen klassische und KI-basierte Geschäftsanwendungen. Bei ausverkauften Events mit mehr als 60.000 Gästen muss das System kurzfristig skaliert werden, um die parallele Ausspielung digitaler Inhalte zu gewährleisten. Cisco Secure Firewalls und Cisco Secure Malware Analytics sind laut Anbieter für den Schutz vor Cyberbedrohungen zuständig. Die Broadcast-Infrastruktur wird kontinuierlich überwacht, um potenzielle Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren.
Die vollständige Integration der Produktions- und Netzwerkplattform in die bestehende Stadion-IT soll die Betriebssicherheit erhöhen und die Kontrolle über digitale Inhalte verbessern. Die Kraft Group betont, dass die Standardisierung und zentrale Steuerung die Effizienz steigern und die Kosten für externe Dienstleister reduzieren könne. Unabhängige Bewertungen der tatsächlichen Betriebskosten oder der Ausfallsicherheit liegen bislang nicht vor.
Erweiterung und künftige Entwicklung
Die neue Infrastruktur wird nach Unternehmensangaben auch für weitere Geschäftsbereiche der Kraft Group genutzt. So wurde das Netzwerk auf eine neue Trainingsanlage für die Spieler der New England Patriots ausgeweitet. Zudem kommt Cisco Webex als Kollaborationsplattform zum Einsatz. Perspektivisch plant die Kraft Group, zusätzliche KI-Lösungen in das Netzwerk zu integrieren, um das Fanerlebnis weiter zu personalisieren und neue digitale Inhalte bereitzustellen. Konkrete technische Details zu geplanten KI-Anwendungen oder deren Zeitplan wurden bislang nicht veröffentlicht.
Die Modernisierung des Gillette Stadiums steht beispielhaft für den Trend, digitale Infrastruktur in großen Veranstaltungsstätten zu zentralisieren und stärker auf interne Steuerung zu setzen. Ob sich die erwarteten Effizienzgewinne und Sicherheitsvorteile im laufenden Betrieb bestätigen, bleibt abzuwarten. Für den deutschen und europäischen Markt ist die Entwicklung insofern relevant, als vergleichbare Modernisierungen auch in hiesigen Stadien und Arenen diskutiert werden, insbesondere im Kontext wachsender Anforderungen an Cybersicherheit und digitale Faninteraktion.
Eine IP-basierte Netzwerk- und Produktionsplattform wie Cisco IP Fabric for Media (IPFM) ermöglicht die zentrale Steuerung und Verteilung digitaler Inhalte in Echtzeit über ein standardisiertes Netzwerk. Im Unterschied zu herkömmlichen, oft fragmentierten AV-Lösungen werden dabei alle relevanten Geräte und Anwendungen in eine gemeinsame Infrastruktur eingebunden. Dies kann die Effizienz und Skalierbarkeit erhöhen, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung der Netzwerksicherheit und eine kontinuierliche Überwachung, um Ausfälle oder Angriffe zu vermeiden.