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Nokia und Microsoft entwickeln gemeinsame Datenbasis für KI-Automatisierung in Netzen

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Nokia und Microsoft entwickeln gemeinsame Datenbasis für KI-Automatisierung in Netzen Glocalist Press © glocalist.press
Nokia und Microsoft entwickeln gemeinsame Datenbasis für KI-Automatisierung in Netzen © glocalist.press

Nokia und Microsoft wollen Telekommunikationsnetze mithilfe einer gemeinsamen Datenplattform und KI schneller und zuverlässiger automatisieren. Was steckt hinter der neuen Partnerschaft?

Telekommunikationsanbieter stehen vor der Aufgabe, ihre Netze effizient zu steuern und Daten aus vielen Quellen schnell nutzbar zu machen. Am 17. September 2026 hat Nokia angekündigt, zusammen mit Microsoft eine agentenbasierte, einheitliche Datenbasis für die Automatisierung von Netzwerken zu entwickeln. Ziel ist es, Betriebsabläufe in hybriden und Cloud-Umgebungen mithilfe von KI zu beschleunigen und die Integration komplexer Datenquellen zu vereinfachen. Die Initiative folgt dem Trend zur Digitalisierung kritischer Infrastrukturen, wie ihn auch die Bundesnetzagentur und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Rahmen der deutschen Digitalstrategie fordern.

Kooperation für Datenintegration und KI

Mit der Ankündigung vom 17. September erweitern Nokia und Microsoft ihre bestehende Partnerschaft. Im Mittelpunkt steht die Verbindung der Nokia Data Suite mit Microsoft Fabric, um Telekommunikationsanbietern eine zentrale Plattform für Analysen, Governance und KI-Anwendungen bereitzustellen. Nach Angaben der Unternehmen sollen Netzbetreiber künftig innerhalb von Minuten auf hochwertige Daten zugreifen können, statt wie bisher Wochen auf die Integration warten zu müssen. Damit soll einer der größten Engpässe bei der Einführung von KI in Telekommunikationsnetzen adressiert werden.

Die Lösung ist laut Nokia für hersteller- und domänenübergreifende Telekommunikationsumgebungen gedacht. Sie unterstützt hybride und Cloud-Infrastrukturen sowie On-Premises-Bereitstellungen. Ziel ist es, Betriebsdaten schnell, zuverlässig und interoperabel für KI-gestützte Automatisierung nutzbar zu machen. Die Plattform soll Daten aus Netzwerken, Unternehmenssystemen und Drittanbietern konsolidieren und für KI-Anwendungen bereitstellen. Das ist auch im Hinblick auf die Anforderungen der europäischen NIS2-Richtlinie und die Empfehlungen des BSI zur IT-Sicherheit relevant.

Technische Details und Stand der Entwicklung

Kern der Entwicklung ist eine agentenbasierte Architektur, die Daten aus verschiedenen Systemen zusammenführt und für KI-Anwendungen aufbereitet. Die Kombination aus Nokia Data Suite und Microsoft Fabric soll es ermöglichen, Datenquellen unterschiedlicher Hersteller und Domänen zu integrieren, ohne aufwendige manuelle Anpassungen. Die Lösung richtet sich an Telekommunikationsanbieter mit komplexen, heterogenen Netzstrukturen. Die Nokia Data Suite umfasst vorgefertigte Telco Data Products mit integrierten Datenqualitätskontrollen und domänenspezifischer Semantik. Microsoft Fabric dient als Plattform für Analytics, Governance und KI mit Komponenten wie OneLake, Power BI und Foundry.

  • "Die Harmonisierung und sichere Integration von Betriebsdaten aus unterschiedlichen Quellen ist eine Grundvoraussetzung für die Automatisierung kritischer Infrastrukturen. Einheitliche Datenplattformen müssen dabei sowohl Interoperabilität als auch Datenschutz und Resilienz gemäß den Vorgaben der NIS2-Richtlinie gewährleisten."
    Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Fachreferat Kritische Infrastrukturen
  • Konkrete Angaben zu Markteinführung, Preisen oder ersten Pilotkunden gibt es bisher nicht. Auch unabhängige Tests oder externe Bewertungen der technischen Leistungsfähigkeit liegen nicht vor. Die Ankündigung bleibt damit auf die Beschreibung des Konzepts und der geplanten Funktionen beschränkt. Ähnliche Initiativen zur Automatisierung von Infrastrukturen gibt es auch in anderen Branchen, etwa bei autonomen Fahrdiensten, über die früher berichtet wurde.

    Marktrelevanz und offene Fragen

    Die Integration von KI in Telekommunikationsnetze gilt als strategisch wichtig, um Betriebskosten zu senken und die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Die von Nokia und Microsoft angekündigte Plattform soll vor allem die Hürde überwinden, Daten aus unterschiedlichen Quellen schnell und konsistent für KI-Anwendungen bereitzustellen. Ob die Lösung tatsächlich die versprochene Geschwindigkeit und Interoperabilität erreicht, lässt sich auf Basis der verfügbaren Informationen noch nicht unabhängig beurteilen. Die Bundesnetzagentur hebt in aktuellen Veröffentlichungen die Bedeutung interoperabler Datenplattformen für die Zukunftsfähigkeit der Netzinfrastruktur hervor, besonders im Zusammenhang mit 5G und Industrie 4.0. Weitere Details finden sich im Netzausbau-Portal der Bundesnetzagentur.

    Für den deutschen und europäischen Markt bleibt offen, wie Datenschutzanforderungen, regulatorische Vorgaben und bestehende IT-Landschaften berücksichtigt werden. Die Ankündigung enthält keine Angaben zu spezifischen Anpassungen für europäische Betreiber oder zu geplanten Partnerschaften mit regionalen Akteuren. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und umfassend die Plattform in der Praxis eingesetzt werden kann.

    Die Kooperation zwischen Nokia und Microsoft zeigt, wie groß der Druck auf Telekommunikationsanbieter ist, ihre Dateninfrastruktur zu modernisieren und KI-basierte Automatisierung voranzutreiben. Während die technische Vision einer einheitlichen, agentenbasierten Datenbasis nachvollziehbar ist, fehlen bislang belastbare Nachweise für die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Marktreife der Lösung. Entscheidend wird sein, ob die Plattform in realen Netzen die Integration und Analyse komplexer Daten tatsächlich so beschleunigen kann, wie es die Anbieter ankündigen. Erst unabhängige Praxistests und konkrete Implementierungen werden zeigen, ob der Ansatz über die Konzeptphase hinaus trägt.

    Eine einheitliche Datenbasis ist eine zentrale Plattform, auf der Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt, harmonisiert und für verschiedene Anwendungen bereitgestellt werden. In der Telekommunikation ist das besonders anspruchsvoll, da Netzbetreiber mit vielen Systemen, Herstellern und Datenformaten arbeiten. Ziel einer solchen Datenbasis ist es, die Integration zu vereinfachen, Redundanzen zu vermeiden und die Grundlage für automatisierte Analysen und KI-Anwendungen zu schaffen. Die technische Umsetzung erfordert standardisierte Schnittstellen, hohe Interoperabilität und die Berücksichtigung von Datenschutz- und Governance-Anforderungen.

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