Der High-Tech Gründerfonds kündigt einen weiteren Seedfonds an, während Finanzguru einen möglichen Verkauf prüft und AssistMe mit neuer Finanzierung die Expansion vorbereitet. Was die Entwicklungen für den Markt bedeuten, bleibt offen
Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) aus Bonn hat angekündigt, einen sechsten Seedfonds aufzulegen. Das First Closing ist für Mitte 2027 vorgesehen. Der HTGF zählt zu den wichtigsten Frühphaseninvestoren in Deutschland und hatte im vierten Fonds, der 2023 abgeschlossen wurde, ein Volumen von 493,8 Millionen Euro verwaltet. Im dritten Fonds waren es 319,5 Millionen Euro. Typischerweise investiert der HTGF zwischen 1 und 3 Millionen Euro pro Unternehmen. Zusätzlich wurde zuletzt ein Opportunity Fonds mit einem Volumen von 660 Millionen Euro aufgelegt, der es dem Fonds ermöglicht, in ausgewählte Portfoliounternehmen bis zu 30 Millionen Euro, in Ausnahmefällen bis zu 50 Millionen Euro, zu investieren. Seit Ende 2025 ist auch der DeepTech & Climate Fonds (DTCF) Teil der HTGF-Struktur, was die Begleitung von Startups über verschiedene Finanzierungsphasen hinweg erleichtern soll.
Finanzguru prüft strategische Optionen
Das Frankfurter FinTech-Unternehmen Finanzguru, das 2018 durch die Teilnahme an der Sendung "Die Höhle der Löwen" größere Bekanntheit erlangte, prüft laut Medienberichten einen möglichen Verkauf. Nach Informationen des Manager Magazin wurde die Investmentbank Houlihan Lokey mit der Durchführung von Verkaufsgesprächen beauftragt. Im Raum steht eine Bewertung von über 250 Millionen Euro. Neben einem vollständigen Verkauf werden auch Teilverkäufe von Gesellschafteranteilen erwogen. Zu den Investoren, die einen Ausstieg prüfen, zählen unter anderem die Deutsche Bank (16 Prozent) und PayPal Ventures (8 Prozent). Für das Jahr 2025 wird ein Umsatz von rund 40 Millionen Euro genannt, was einem Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Nutzerbasis liegt bei über drei Millionen. Insgesamt wurden seit der Gründung 2015 etwa 27 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Die Entwicklung von Finanzguru steht beispielhaft für die Dynamik im deutschen Fintech-Sektor, wie auch ein Rückblick auf jüngste Finanzierungsrunden und Übernahmen zeigt.
beel setzt auf Angel-Syndikate
Die Fundraising-Plattform beel, ehemals Tokenize.it, erweitert ihr Angebot um sogenannte Angel-Syndikate. Damit können Business Angels eigene Investment-Communities aufbauen, ihren Dealflow mit anderen Investorinnen und Investoren teilen und an deren Investments partizipieren. Zu den ersten Beteiligten zählen Andy Bruckschlögl (Bits & Pretzels), der frühere HTGF-Geschäftsführer Alex von Frankenberg und Roland Fassauer. Im Unterschied zu klassischen Venture-Capital-Fonds fließt das Kapital nicht in einen gemeinsamen Fonds, sondern die einzelnen Investorinnen und Investoren beteiligen sich direkt über virtuelle Anteile an den Startups. Das Modell soll die Bürokratie reduzieren und den Zugang zu Startup-Investments für Business Angels vereinfachen.
AssistMe und Health Routine: Expansion und Geschäftsmodellwandel
Das Berliner Medizintechnikunternehmen AssistMe entwickelt mit alea eine digitale Pflegeplattform, die Sensorik und Künstliche Intelligenz für die Inkontinenzversorgung, Sturzerkennung und Pflegedokumentation einsetzt. Bereits mehrere große Pflegeanbieter wie Alpenland, Kleeblatt und die AWO nutzen die Technologie. Nach einer Finanzierungsrunde von 5,2 Millionen Euro im Jahr 2025 konnte AssistMe weitere 6,5 Millionen Euro einwerben. Neue Investoren sind unter anderem CRB Health Tech, Vorwerk Ventures und SUM Ventures. Das Kapital soll vor allem in den Ausbau der Vertriebsstrukturen in Europa und die Vorbereitung des Markteintritts in den USA fließen.
Das Team von Health Routine hat nach zwei gescheiterten Geschäftsmodellen einen neuen Ansatz gefunden. Im Gespräch mit der Redaktion berichtet Gründer Felix Kleine über die Suche nach Product-Market-Fit, den Einstieg in den stationären Handel und die wichtigsten Erkenntnisse aus den ersten Jahren. Die Entwicklung von Health Routine verdeutlicht, wie flexibel junge Unternehmen auf Marktanforderungen reagieren müssen, um langfristig bestehen zu können.
Venture Capital bezeichnet Eigenkapitalinvestitionen in junge, wachstumsorientierte Unternehmen, die sich meist noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden. Diese Form der Finanzierung ist mit hohen Risiken verbunden, ermöglicht aber auch die Realisierung innovativer Geschäftsmodelle, die ohne externes Kapital kaum skalierbar wären. In Deutschland und Europa spielt Venture Capital eine zentrale Rolle bei der Förderung von Technologieunternehmen und der Entwicklung neuer Märkte. Die Auswahl und Begleitung der Portfoliounternehmen durch spezialisierte Fonds wie den HTGF ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg des Ökosystems.