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JP Morgan korrigiert Prognose für Oracle nach starkem Cloud-Wachstum

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

JP Morgan korrigiert Prognose für Oracle nach starkem Cloud-Wachstum Glocalist Press © glocalist.press
JP Morgan korrigiert Prognose für Oracle nach starkem Cloud-Wachstum © glocalist.press

JP Morgan hat das Kursziel für Oracle gesenkt, bestätigt aber die Einstufung mit Overweight. Die aktuellen Zahlen zeigen ein deutliches Wachstum im Cloud-Geschäft, werfen aber Fragen zur Profitabilität auf

Der US-Softwarekonzern Oracle steht vor einer Neubewertung seiner mittelfristigen Geschäftsaussichten. Die Investmentbank JP Morgan hat am 12. August 2026 in einem aktuellen Research-Bericht das Kursziel für die Aktie von Oracle reduziert, hält jedoch an der Einstufung "Overweight" fest. Die Anpassung erfolgt im Vorfeld der Veröffentlichung der nächsten Quartalsergebnisse und spiegelt eine vorsichtigere Einschätzung der operativen Gewinnentwicklung für die Jahre 2027 und 2028 wider.

Umsatz- und Ergebnisentwicklung im vierten Quartal

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 erzielte Oracle einen Konzernumsatz von 19,184 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum; währungsbereinigt lag das Wachstum bei 20 Prozent. Das operative Ergebnis nach US-GAAP stieg um 20 Prozent auf 6,133 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge blieb mit 32 Prozent stabil. Das verwässerte Ergebnis je Aktie erhöhte sich auf 1,45 US-Dollar, nach 1,19 US-Dollar im Vorjahr.

Gleichzeitig verzeichnete Oracle einen deutlich negativen Free-Cash-Flow von minus 23,686 Milliarden US-Dollar, was vor allem auf hohe Investitionen in den Ausbau von Datenzentren zurückgeführt wird. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Free-Cash-Flow noch bei minus 394 Millionen US-Dollar lag, zeigt sich eine erhebliche Ausweitung der Investitionstätigkeit.

Cloud-Geschäft als Wachstumstreiber

Das Cloud-Segment bleibt der zentrale Wachstumstreiber für Oracle. Im vierten Quartal 2026 erreichte der Umsatz in diesem Bereich 9,913 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders dynamisch entwickelte sich das Cloud-Infrastrukturgeschäft: Die Umsätze aus der Vermietung von Rechenleistung und Speicher stiegen um 93 Prozent auf 5,787 Milliarden US-Dollar. Diese Entwicklung unterstreicht die strategische Bedeutung des Cloud-Geschäfts für die mittelfristige Positionierung von Oracle im internationalen Wettbewerb.

Allerdings bleibt offen, in welchem Umfang die hohen Investitionen in Infrastruktur mittelfristig zu einer nachhaltigen Verbesserung der Profitabilität führen werden. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Wachstum im Cloud-Bereich zwar die Umsätze deutlich steigert, aber auch mit erheblichen Vorleistungen verbunden ist.

Markteinschätzung und Unsicherheiten

JP Morgan begründet die Reduzierung des Kursziels mit einer vorsichtigeren Einschätzung der operativen Gewinnentwicklung in den kommenden Jahren. Die Bank verweist auf die anhaltend hohen Investitionen in Datenzentren und die damit verbundenen Belastungen für den Free-Cash-Flow. Gleichzeitig wird die starke Entwicklung im Cloud-Segment als positives Signal für die Wettbewerbsfähigkeit von Oracle gewertet.

Im Vergleich zu anderen US-Technologieunternehmen, die zuletzt ebenfalls mit hohen Investitionen und schwankenden Margen konfrontiert waren, bleibt die Frage nach der langfristigen Rentabilität zentral. Ein ähnliches Spannungsfeld zwischen Umsatzwachstum und Ergebnisentwicklung zeigte sich zuletzt auch bei anderen börsennotierten Unternehmen, etwa als die Plug Power Inc. trotz Umsatzwachstum weiterhin Verluste auswies.

Relevanz für europäische Märkte

Für den deutschen und europäischen Markt ist die Entwicklung von Oracle insbesondere im Hinblick auf die Cloud-Infrastruktur von Bedeutung. Viele Unternehmen in Europa setzen auf internationale Anbieter für geschäftskritische Anwendungen und Datenverarbeitung. Die Investitionen von Oracle in neue Rechenzentren könnten mittelfristig auch die Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit von Cloud-Diensten in Europa beeinflussen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie sich die Profitabilität des Geschäftsmodells unter den aktuellen Marktbedingungen entwickelt und welche Rolle regulatorische Anforderungen in der EU künftig spielen werden.

Der Begriff Free-Cash-Flow bezeichnet den nach Abzug aller operativen Ausgaben und Investitionen verbleibenden Zahlungsmittelüberschuss eines Unternehmens. Ein negativer Free-Cash-Flow, wie er bei Oracle im aktuellen Berichtszeitraum ausgewiesen wurde, signalisiert, dass die Investitionen die laufenden Einnahmen übersteigen. Dies ist in Phasen starker Expansion, etwa beim Ausbau von Rechenzentren, nicht ungewöhnlich, kann aber die kurzfristige finanzielle Flexibilität eines Unternehmens einschränken. Für Investoren und Analysten ist der Free-Cash-Flow eine zentrale Kennzahl zur Bewertung der nachhaltigen Ertragskraft und Investitionsfähigkeit eines Unternehmens.Schlagwörter: Oracle, Cloud-Infrastruktur, Anbieter von Unternehmenssoftware

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