Goldman Sachs erhöht das Kursziel für Oracle und bestätigt das Buy-Rating. Grund sind deutliches Umsatzwachstum, eine gestiegene operative Marge und ein Rekordauftragsbestand im Cloud-Infrastrukturgeschäft.
Oracle hat im vergangenen Quartal mit einem deutlichen Umsatzanstieg und einer verbesserten operativen Marge die Aufmerksamkeit der Analysten auf sich gezogen. Goldman Sachs hob daraufhin das Kursziel für die Aktie des US-Softwarekonzerns auf 240 US-Dollar an und bestätigte das Buy-Rating. Ausschlaggebend waren die aktuellen Quartalszahlen, die vor allem im Infrastrukturgeschäft ein beschleunigtes Wachstum zeigen.
Quartalszahlen und operative Entwicklung
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Oracle einen Umsatz von 19,35 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die operative Marge stieg von 29 auf 35 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (non-GAAP EPS) lag mit 1,92 US-Dollar über den Erwartungen der Analysten. Der Nettogewinn stieg um rund 60 Prozent auf 4,7 Milliarden US-Dollar, wie auch CNBC berichtet. Trotz dieser Entwicklung blieb der Free-Cashflow mit minus 5,4 Milliarden US-Dollar negativ und lag unter den Erwartungen. Das zeigt, dass hohe Investitionen und laufende Kosten weiterhin die Liquidität des Unternehmens belasten.
Die verbleibende Leistungsverpflichtung (Remaining Performance Obligation, RPO) - also bereits gebuchte, aber noch nicht realisierte Umsätze - lag bei rund 664 Milliarden US-Dollar. Dieser außergewöhnlich hohe Auftragsbestand deutet auf eine starke Nachfrage nach Oracles Cloud- und Infrastrukturleistungen hin. Reuters hebt hervor, dass dieser Rekordwert die Kursentwicklung nach den Quartalszahlen maßgeblich beeinflusst hat.
Analyse von Goldman Sachs
Goldman Sachs veröffentlichte am 13. September 2026 einen Bericht, in dem Analystin Gabriela Borges die Ergebnisse von Oracle bewertet. Im Mittelpunkt steht das wachsende Infrastrukturgeschäft, das einen wesentlichen Beitrag zum Umsatzwachstum leistet. Borges betont, dass der hohe Auftragsbestand nun sichtbar in den Umsatzzahlen ankommt. Die Analysten sehen darin eine Bestätigung für Oracles strategische Ausrichtung auf Infrastruktur- und Cloud-Dienste.
Die Einschätzung von Goldman Sachs unterscheidet sich von anderen Analystenhäusern, die trotz positiver Umsatzentwicklung in der Vergangenheit vorsichtiger waren. In früheren Analysen wurden Risiken und Unsicherheiten im Cloud-Geschäft betont, auch wenn das Umsatzwachstum bestätigt wurde.
Folgen für Markt und Wettbewerb
Die aktuelle Bewertung von Goldman Sachs zeigt, wie wichtig das Infrastruktursegment für Oracle geworden ist. Während der Free-Cashflow weiterhin negativ bleibt, spricht das starke Umsatzwachstum für eine erfolgreiche Umsetzung der Unternehmensstrategie. Für Wettbewerber im Bereich Unternehmenssoftware und Cloud-Infrastruktur setzt Oracle damit auf Wachstum durch langfristige Aufträge und den Ausbau des Infrastrukturportfolios. Die Entwicklung betrifft auch europäische Unternehmen, die zunehmend auf Cloud- und Infrastrukturangebote internationaler Anbieter angewiesen sind. Die Zahlen von Oracle machen deutlich, dass der Wettbewerb um Marktanteile im Cloud-Segment weiter zunimmt und Investitionen in Infrastruktur entscheidend für die Marktposition sind. Die Einhaltung europäischer Sicherheitsstandards wie der NIS2-Richtlinie und den Vorgaben des BSI wird für Anbieter und Nutzer immer wichtiger, um Compliance und Ausfallsicherheit zu gewährleisten.
Bewertung und Ausblick
Die Anhebung des Kursziels durch Goldman Sachs stützt sich auf die aktuellen Geschäftszahlen und das beschleunigte Umsatzwachstum. Die operative Marge und der hohe Auftragsbestand sprechen für eine stabile Entwicklung im Infrastrukturgeschäft. Der negative Free-Cashflow bleibt jedoch ein Thema und weist auf hohe Investitionen oder laufende Kosten hin. Für Oracle ist die Bewertung ein Signal, dass der eingeschlagene Kurs im Infrastruktursegment von Analysten als tragfähig eingeschätzt wird. Entscheidend bleibt, ob das Unternehmen mittelfristig auch die Profitabilität im Cashflow-Bereich verbessern kann, um die Wachstumsstrategie abzusichern.
Die verbleibende Leistungsverpflichtung (RPO) ist ein wichtiger Indikator für die künftige Umsatzentwicklung von Software- und Cloud-Anbietern. Sie zeigt, wie viele vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze ein Unternehmen in den kommenden Quartalen verbuchen kann. Ein hoher RPO-Wert deutet auf eine solide Auftragslage hin, ersetzt aber keine kurzfristige Liquidität und garantiert keine tatsächlichen Zahlungseingänge. Für Investoren und Marktbeobachter bleibt daher entscheidend, wie effizient Unternehmen wie Oracle diese Verpflichtungen in realen Umsatz und Cashflow umwandeln.