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Oracle steigert Cloud-Umsatz deutlich, Jefferies senkt dennoch Kursziel

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Oracle steigert Cloud-Umsatz deutlich, Jefferies senkt dennoch Kursziel Glocalist Press © glocalist.press
Oracle steigert Cloud-Umsatz deutlich, Jefferies senkt dennoch Kursziel © glocalist.press

Oracle meldet für das vierte Quartal 2025/2026 ein starkes Umsatzplus im Cloud-Geschäft. Trotz positiver Entwicklung reduziert Jefferies das Kursziel. Was hinter der Neubewertung steckt und welche Risiken bleiben

Ein kräftiges Umsatzwachstum im Cloud-Segment reicht nicht aus, um die Erwartungen der Analysten uneingeschränkt zu erfüllen: Die US-Investmentbank Jefferies hat das Kursziel für Oracle gesenkt, obwohl die Einstufung "Buy" bestätigt wurde. Die Entscheidung fällt unmittelbar vor der Veröffentlichung der neuen Quartalsergebnisse und wirft Fragen zur Bewertung und zu den Investitionsrisiken des US-Softwarekonzerns auf.

Starke Zahlen, aber hohe Investitionen

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 erzielte Oracle einen Umsatz von 19,184 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, währungsbereinigt 20 Prozent. Besonders auffällig ist das Wachstum im Cloud-Segment: Hier stieg der Umsatz um 47 Prozent auf 9,913 Milliarden US-Dollar. Das Cloud-Infrastrukturgeschäft, das die Vermietung von Rechenleistung und Speicher umfasst, legte sogar um 93 Prozent auf 5,787 Milliarden US-Dollar zu.

Das operative Ergebnis nach US-GAAP erhöhte sich um 20 Prozent auf 6,133 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge blieb mit 32 Prozent stabil. Das Ergebnis je Aktie (verwässert) stieg von 1,19 auf 1,45 US-Dollar. Allerdings belasteten hohe Investitionen in neue Datenzentren den Free-Cash-Flow erheblich: Dieser lag bei minus 23,686 Milliarden US-Dollar, nach minus 394 Millionen US-Dollar im Vorjahr.

Analystenreaktion und Bewertung

Jefferies-Analyst Brent Thill begründet die Senkung des Kursziels mit den anhaltend hohen Investitionen, die kurzfristig auf die Finanzkennzahlen drücken. Trotz der positiven Entwicklung im Cloud-Geschäft sieht Thill Risiken durch die Kapitalbindung in Infrastruktur und die saisonal schwächere Entwicklung im ersten Quartal 2027. Die Einstufung "Buy" bleibt bestehen, was auf eine grundsätzlich positive Einschätzung der mittelfristigen Perspektiven hindeutet.

Die Neubewertung von Oracle steht exemplarisch für die Unsicherheit, wie stark hohe Investitionen in Rechenzentren kurzfristig die Bilanz belasten dürfen, um langfristiges Wachstum zu ermöglichen. Ähnliche Fragen stellen sich auch bei anderen Anbietern von Cloud- und Datenplattformen, wie ein früherer Bericht zu Elastic zeigt.

Cloud-Geschäft als Wachstumstreiber

Das Cloud-Segment bleibt für Oracle der zentrale Wachstumsmotor. Die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur und Plattformdiensten steigt weiter, was sich in den hohen Zuwachsraten widerspiegelt. Allerdings ist das Geschäft kapitalintensiv: Der Ausbau von Datenzentren erfordert erhebliche Vorleistungen, die sich erst über längere Zeiträume amortisieren. Für Investoren bleibt entscheidend, ob Oracle die Skaleneffekte und Margen im Cloud-Bereich mittelfristig sichern kann.

Die Entwicklung von Oracle verdeutlicht, wie stark die Dynamik im Cloud-Markt von Investitionsentscheidungen und deren Bilanzwirkung abhängt. Während das Umsatzwachstum beeindruckt, bleibt die Frage, wie nachhaltig die Profitabilität angesichts der hohen Ausgaben für Infrastruktur ist. Die Entscheidung von Jefferies, das Kursziel trotz positiver Geschäftszahlen zu senken, signalisiert eine wachsende Skepsis gegenüber kurzfristigen Belastungen durch Investitionen. Für den deutschen und europäischen Markt ist die Entwicklung relevant, da Oracle auch hier als Anbieter von Cloud- und Unternehmenssoftware eine zentrale Rolle spielt und die Investitionsstrategie des US-Konzerns Auswirkungen auf Wettbewerber und Kunden in Europa haben kann.

Der Begriff Free-Cash-Flow bezeichnet den Mittelzufluss eines Unternehmens nach Abzug aller laufenden Kosten und Investitionen. Er gibt an, wie viel Liquidität tatsächlich zur Verfügung steht, um beispielsweise Schulden zu tilgen, Dividenden zu zahlen oder weitere Investitionen zu tätigen. Ein negativer Free-Cash-Flow, wie aktuell bei Oracle, ist in Phasen hoher Investitionen nicht ungewöhnlich, kann aber die kurzfristige finanzielle Flexibilität einschränken und wird von Analysten kritisch bewertet, wenn keine klare Perspektive auf künftige Erträge besteht. Schlagwörter: Oracle, Cloud-Computing, Anbieter von Unternehmenssoftware

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