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CLSA sieht neuen Superzyklus für Cloud durch KI-Anwendungen in China

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

CLSA sieht neuen Superzyklus für Cloud durch KI-Anwendungen in China Glocalist Press © glocalist.press
CLSA sieht neuen Superzyklus für Cloud durch KI-Anwendungen in China © glocalist.press

Die Investmentbank CLSA erwartet einen weltweiten Boom im Cloud-Markt, ausgelöst durch agentische KI aus China. Der Bericht nennt zentrale Trends, Chancen und Risiken.

Im Cloud-Markt könnte eine neue Wachstumsphase starten. Die chinesische Investmentbank CLSA hat am 21. September 2026 einen ausführlichen Bericht zum KI-Markt in China veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht agentische KI. Nach Einschätzung der Analysten wird sie immer mehr zur Basis für Unternehmen. Die Prognose: KI-Anwendungen könnten das weltweite Marktvolumen für Public-Cloud-Dienste bis 2028 auf 2,3 Billionen US-Dollar verdoppeln. Das jährliche Umsatzpotenzial liegt laut CLSA bei über einer Billion US-Dollar. Treiber sind die stärkere Einbindung von KI-Workflows in Firmenabläufe und die wachsende Nachfrage nach flexibler Cloud-Infrastruktur. Auch aktuelle Marktdaten der Destatis-Innovationsstatistik für den Technologiesektor zeigen diesen Trend.

Agentische KI wird zur Infrastruktur

Im Bericht beschreibt CLSA, dass agentische KI - also Systeme, die Aufgaben selbstständig erledigen und Entscheidungen treffen - in China die Testphase verlässt und in den Alltag von Unternehmen einzieht. Damit ändert sich der Fokus: Unternehmen achten nicht mehr nur auf die maximale Leistung einzelner Modelle. Sie suchen nach einem guten Mix aus Leistung, Kosten und Flexibilität bei der Einführung. Die Analysten sehen darin einen wichtigen Schritt für die breite Nutzung in der Industrie. Huawei Cloud hat am 18. September 2026 eine neue Generation von Enterprise-AI-Produkten vorgestellt. Dabei präsentierte das Unternehmen seinen Ansatz für die "Agentic Cloud". Der neue AICS-Dienst startet am 30. September 2026 in China und ab 30. November 2026 weltweit.

CLSA hebt hervor, dass chinesische KI-Modelle ihren Rückstand bei der Leistung schnell aufholen. Gleichzeitig gewinnen sie durch günstige Preise an Marktanteilen. Diese Mischung aus technischer Aufholjagd und wirtschaftlicher Skalierung macht China für internationale Wettbewerber immer wichtiger. Auf der HUAWEI CONNECT 2026 in Shanghai sagte CEO Peter Zhou, dass die Enterprise-Agent-Plattform schon bei über 100 Unternehmenskunden im Einsatz ist. Das zeigt, dass agentische KI-Systeme in der Praxis angekommen sind.

Mehrere Modelle statt nur eines

Ein zentrales Ergebnis des Berichts: Unternehmen werden künftig öfter auf Multi-Modell-Strategien setzen. Das heißt, sie nutzen nicht mehr nur ein einziges KI-Modell für alle Aufgaben. Stattdessen kombinieren sie verschiedene spezialisierte Modelle je nach Bedarf. Laut CLSA macht das KI-Lösungen flexibler und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern.

Die Wettbewerbsdynamik im Bereich agentischer KI wird zunehmend durch die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur und die Skalierbarkeit der Systeme bestimmt - nicht mehr allein durch die Leistungsfähigkeit einzelner Modelle.

Die Analysten betonen, dass der Wettbewerb bei agentischer KI nicht mehr nur über technische Spitzenwerte läuft. Betriebskosten, Integration und Anpassbarkeit werden wichtiger. Für internationale Beobachter ist das ein Zeichen: Der chinesische KI-Markt gewinnt nicht nur technisch, sondern auch strategisch an Gewicht. Ähnliche Entwicklungen gab es auch anderswo, etwa bei der jüngsten Markteinschätzung von Broadcom.

Prognosen und Unsicherheiten

Die Zahlen von CLSA sind ehrgeizig. Bis 2028 soll das globale Marktvolumen für Public-Cloud-Dienste auf 2,3 Billionen US-Dollar steigen. Daraus ergeben sich laut Analysten jährliche Umsatzchancen von über einer Billion US-Dollar, direkt durch KI-Anwendungen. Diese Vorhersagen setzen voraus, dass agentische KI weiter in Unternehmensprozesse einzieht und die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur wächst. Huawei rechnet außerdem damit, dass autonome KI-Agenten bis 2035 mehr als 90 Prozent des weltweiten AI-Token-Traffics erzeugen könnten. Das würde den Bedarf an Rechenleistung und Sicherheitsarchitekturen massiv erhöhen.

Unklar bleibt, wie schnell und umfassend diese Entwicklung tatsächlich kommt. Die Geschwindigkeit, mit der chinesische Anbieter aufholen, ist belegt. Doch Regulierungen, Sicherheit und geopolitische Faktoren könnten das Tempo beeinflussen. Für europäische Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie auf die neue Konkurrenz und die veränderten Kosten reagieren. Die Bundesnetzagentur und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fordern in aktuellen Leitlinien, dass Cloud-Infrastrukturen nach DIN EN ISO/IEC 27001 und branchenspezifischen Sicherheitsstandards zertifiziert werden. So sollen Integrität und Widerstandsfähigkeit kritischer Systeme gesichert werden.

Agentische KI meint Systeme, die Aufgaben selbstständig erledigen, Entscheidungen treffen und mit anderer Software zusammenarbeiten. Im Unterschied zu klassischen KI-Modellen, die meist für einzelne Aufgaben trainiert sind, dienen agentische Systeme als flexible Schnittstelle zwischen Nutzern, Daten und Anwendungen. Sie gelten als Schlüssel für die Automatisierung komplexer Geschäftsprozesse und könnten die Anforderungen an Cloud-Infrastruktur, Datensicherheit und Zusammenarbeit grundlegend verändern.

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