KamelPay hat von der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate Lizenzen für Stored Value Facilities und Retail Payment Services erhalten. Welche regulatorischen und markttechnischen Folgen das für den Zahlungsverkehr im Golf hat, bleibt offen
Das in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Fintech-Unternehmen KamelPay hat von der Zentralbank der VAE (Central Bank of the UAE, CBUAE) die Genehmigung für zwei zentrale Zahlungsdienstlizenzen erhalten. Die Lizenzen für Stored Value Facilities (SVF) und Retail Payment Services (RPS) erlauben es KamelPay, regulierte Zahlungsdienste unter Aufsicht der CBUAE anzubieten. Damit zählt das Unternehmen zu einer begrenzten Zahl von Anbietern, die im Rahmen des aktuellen regulatorischen Rahmens der VAE eigenständig Zahlungsdienste betreiben dürfen.
Regulatorische Einordnung der Lizenzen
Die SVF-Lizenz berechtigt KamelPay, sogenannte Stored Value Instruments - etwa Prepaid-Karten oder digitale Guthabenlösungen - auszugeben und zu verwalten. Die RPS-Lizenz deckt die Bereitstellung von Zahlungsdiensten für Privat- und Geschäftskunden ab. Beide Lizenzen sind Voraussetzung, um Zahlungsabwicklung und Payroll-Services auf eigener Infrastruktur und ohne vollständige Abhängigkeit von Drittanbietern zu betreiben. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Lizenzen die Grundlage für eine Ausweitung des Angebots bilden, insbesondere im Bereich der Lohn- und Geschäftszahlungen.
Marktposition und Zahlen
KamelPay wurde 2021 gegründet und konzentriert sich auf digitale Lohn- und Geschäftszahlungen für Unternehmen aus Branchen wie Bau, Einzelhandel, Immobilien, Logistik, Hotellerie und Finanzdienstleistungen. Nach Unternehmensangaben betreut KamelPay derzeit mehr als 2.000 Firmenkunden, darunter auch staatliche Organisationen, und verarbeitet Zahlungen für über 400.000 Beschäftigte in den VAE. Die Lizenzen ermöglichen es dem Unternehmen, Produkte wie die Payroll-Plattform und die AbsoluteCard für Firmenkunden künftig auf eigener regulatorischer Basis weiterzuentwickeln.
Regulatorischer Kontext und regionale Entwicklung
Die Vergabe der Lizenzen erfolgt vor dem Hintergrund einer verstärkten Regulierung des Zahlungsverkehrs in den Golfstaaten. Die CBUAE hat in den vergangenen Jahren die Anforderungen an Fintech-Anbieter im Zahlungssektor deutlich erhöht, um Kapitalausstattung, Governance und operative Resilienz sicherzustellen. Die Zulassung von KamelPay ist Teil dieser Entwicklung und signalisiert, dass der Markt für digitale Zahlungsdienste zunehmend von regulierten Technologieanbietern geprägt wird. Ein ähnlicher Trend ist auch in anderen Märkten zu beobachten, wie etwa bei der Finanzierung von Startups im Diagnostik- und KI-Bereich, worauf etwa die jüngste Seed-Finanzierung für kausable und die Übernahme von Noscendo durch Bruker hinweist.
Offene Fragen und Bedeutung für Europa
Die Lizenzen für KamelPay betreffen zunächst ausschließlich den Markt der Vereinigten Arabischen Emirate. Für deutsche oder europäische Zahlungsdienstleister ergeben sich daraus keine unmittelbaren regulatorischen Änderungen. Dennoch verdeutlicht der Vorgang, wie sich die regulatorischen Anforderungen an Zahlungsdienstleister international angleichen und wie technologische Anbieter zunehmend in Bereiche vordringen, die traditionell von Banken dominiert wurden. Offen bleibt, inwieweit KamelPay die neuen regulatorischen Freiheiten für die Entwicklung zusätzlicher Produkte oder eine Expansion in andere Märkte nutzen wird. Unabhängige Bewertungen der technischen und operativen Umsetzung liegen bislang nicht vor.
Stored Value Facilities (SVF) sind regulatorische Kategorien für Anbieter, die digitale Guthabenlösungen wie Prepaid-Karten oder Wallets verwalten. Die Lizenzierung solcher Anbieter soll sicherstellen, dass Kundengelder geschützt sind und die Anbieter über ausreichende Kapital- und Sicherheitsstrukturen verfügen. Retail Payment Services (RPS) umfassen die technische und rechtliche Abwicklung von Zahlungen für Endkunden und Unternehmen. In vielen Ländern ist die Vergabe solcher Lizenzen an strenge Anforderungen geknüpft, um die Stabilität und Integrität des Zahlungsverkehrs zu gewährleisten.Schlagwörter: Fintech-Plattformen, Regulierung, Vereinigte Arabische Emirate