Steuerprogramme wie SteuerGPT, Alma und ChatGPT setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, um die Steuererklärung zu vereinfachen. Doch wie weit reicht die Unterstützung tatsächlich und wo bleiben Unsicherheiten bestehen
Die Digitalisierung der Steuererklärung schreitet in Deutschland und Europa weiter voran. In den vergangenen Jahren haben Anbieter von Steuersoftware wie WisoSteuer und die Steuer-Spar-Erklärung der Akademischen Arbeitsgemeinschaft ihre Produkte um Funktionen auf Basis künstlicher Intelligenz erweitert. Im Zentrum steht dabei der Einsatz sogenannter Conversational AI, die es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, steuerliche Fragen in Alltagssprache zu stellen und direkt im Dialog mit der Software zu klären.
Neue Funktionen durch Conversational AI
Die Integration von KI-Technologien in Steuersoftware hat das Nutzererlebnis spürbar verändert. Programme wie SteuerGPT, Alma und ChatGPT bieten mittlerweile die Möglichkeit, Belege automatisiert auszulesen, Beträge zusammenzurechnen und steuerliche Sachverhalte zu erläutern. Nutzerinnen und Nutzer können beispielsweise nachfragen, warum bestimmte Ausgaben absetzbar sind oder welche Nachweise erforderlich sind. Die Antworten erfolgen in verständlicher Sprache und orientieren sich an den aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen.
Allerdings bleibt die Qualität der Antworten abhängig von der Aktualität der zugrundeliegenden Daten und der Leistungsfähigkeit des jeweiligen KI-Modells. Während einfache Sachverhalte meist zuverlässig erklärt werden, stoßen die Systeme bei komplexeren steuerlichen Fragestellungen oder Sonderfällen an ihre Grenzen. Die Anbieter weisen darauf hin, dass die KI-gestützten Funktionen eine individuelle Steuerberatung durch Fachleute nicht ersetzen können.
Marktüberblick und technologische Entwicklung
Der Markt für KI-gestützte Steuersoftware ist in Bewegung. Neben etablierten Anbietern wie WisoSteuer und der Steuer-Spar-Erklärung treten spezialisierte Lösungen wie SteuerGPT und Alma auf, die gezielt auf den Einsatz von Sprachmodellen setzen. Auch ChatGPT von OpenAI wird zunehmend in steuerlichen Kontexten genutzt, etwa zur Beantwortung allgemeiner Fragen oder zur Unterstützung bei der Dateneingabe.
Die technische Basis dieser Systeme sind große Sprachmodelle, die auf umfangreichen Datensätzen trainiert wurden. Sie ermöglichen eine flexible Interaktion, bergen jedoch das Risiko sogenannter Halluzinationen - also fehlerhafter oder unvollständiger Antworten. Die Anbieter arbeiten daran, die Modelle regelmäßig zu aktualisieren und an die jeweils geltenden steuerlichen Vorschriften anzupassen. Dennoch bleibt die Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben letztlich bei den Nutzerinnen und Nutzern.
Grenzen und offene Fragen
Obwohl die Fortschritte bei der Automatisierung von Steuererklärungen deutlich sind, bestehen weiterhin Unsicherheiten. Die KI-Systeme können zwar viele Standardfälle abdecken, doch bei individuellen Besonderheiten oder bei Auslegungsfragen des Steuerrechts ist menschliche Expertise weiterhin gefragt. Zudem ist unklar, wie sich die Haftung bei fehlerhaften Auskünften durch KI-gestützte Systeme in der Praxis entwickeln wird.
Ein weiteres Thema ist die Transparenz der verwendeten Modelle und Datenquellen. Während einige Anbieter offenlegen, auf welchen Daten ihre Systeme basieren, bleibt dies bei anderen unklar. Die Diskussion um die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen gewinnt auch im steuerlichen Kontext an Bedeutung. In verwandten Bereichen, etwa bei der Automatisierung von Arbeitsabläufen durch KI, werden ähnliche Fragen diskutiert - wie etwa bei der Einführung von Aufzeichnungsfunktionen in KI-gestützten Tools, worauf ein aktueller Bericht zur Erweiterung von Claude Cowork verweist.
Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, wie schnell die Anbieter technologische und regulatorische Anforderungen umsetzen können und wie die Nutzerinnen und Nutzer mit den neuen Möglichkeiten umgehen.
Sprachmodelle wie ChatGPT, SteuerGPT oder Alma basieren auf sogenannten Foundation Models, die große Mengen an Textdaten analysieren und daraus Muster ableiten. Diese Modelle werden kontinuierlich weiterentwickelt, um spezifische Anwendungsfälle wie die Steuererklärung abzudecken. Ein zentrales Thema bleibt die sogenannte Halluzination: Sprachmodelle können plausible, aber faktisch falsche Antworten generieren. Für den Einsatz im Steuerbereich bedeutet das, dass die Ergebnisse stets kritisch geprüft werden sollten und eine abschließende Kontrolle durch Fachleute weiterhin notwendig ist.