Kybix bringt eine neue KI-basierte Plattform für Know Your Business auf den Markt. Das Ziel: weniger manuelle Prüfungen und effizientere Datenpflege für Finanzinstitute und Konzerne
Die Überprüfung von Unternehmensidentitäten ist im internationalen Finanzsystem seit Jahren mit viel Handarbeit und zersplitterten Prozessen verbunden. Kybix will das mit einer neuen, KI-gestützten Plattform ändern, die von Euroclear unterstützt wird. Seit dem offiziellen Start am 15. September 2026 ist die Plattform für Kunden verfügbar.
Plattformstart und technischer Ansatz
Kybix versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Know Your Business (KYB) und bündelt öffentliche und private Unternehmensdaten in einer digitalen Umgebung. Die Plattform automatisiert das Anfordern, Liefern, Prüfen und Aktualisieren von Informationen. Sie kombiniert Daten aus Registern, APIs und KI-gestützter Recherche mit vertraulichen Angaben der Unternehmen. Die technische Basis bildet das GlobalWatch-Netzwerk von Euroclear, das laut aktuellen Analysen mehr als 800 institutionelle Kunden und Partner hat. Diese Nutzerbasis könnte den Einstieg in die Kybix-Plattform erleichtern.
Zu den Funktionen gehören sichere Datenaustauschmechanismen, KI-gestützte Fragebögen und Schnittstellen zu Drittanbietern. Damit reagiert Kybix auf das Problem, dass Unternehmen und ihre Kunden oft dieselben Informationen mehrfach einreichen müssen, weil Prozesse fragmentiert sind und KYB-Updates regelmäßig anstehen. Die Automatisierung soll die Compliance-Arbeit verringern und die Einhaltung von Vorgaben, etwa von der BaFin und europäischen Behörden, erleichtern.
Kybix betont, dass trotz Automatisierung die Kontrolle beim Menschen bleibt: Zugriffsrechte werden gezielt vergeben, und sensible Informationen werden weiterhin überprüft. Ziel ist, geprüfte Unternehmensdaten über verschiedene Finanzinstitute und Länder hinweg wiederverwenden zu können. Die Plattform orientiert sich an Prinzipien wie Datensparsamkeit und IT-Sicherheit, wie sie auch im BSI IT-Grundschutz für kritische Infrastrukturen festgelegt sind.
Die zunehmende Komplexität regulatorischer Anforderungen im Bereich Unternehmensidentifikation erfordert innovative, interoperable Lösungen, die sowohl Datenschutz als auch Nachvollziehbarkeit gewährleisten.
Herausforderungen bei KYB-Prozessen
Finanzinstitute und internationale Unternehmen müssen komplexe Eigentümerstrukturen und verschiedene regulatorische Vorgaben im Blick behalten. Die Pflicht, Unternehmensdaten regelmäßig zu aktualisieren, führt zu wiederholten Prüfungen - auch bei bestehenden Kunden. Nach Angaben von Kybix sorgt das für hohe operative Belastungen und erschwert die Einhaltung von Compliance-Regeln. Die Plattform will das ändern, indem sie einen globalen Datenpool für Unternehmensidentitäten anbietet. Informationen werden einmal erhoben und können in vertrauenswürdigen Beziehungen mehrfach genutzt werden.
KI soll helfen, Datenlücken zu erkennen und Aktualisierungen anzustoßen. Ein ähnlicher Ansatz wurde bereits im Bereich Zahlungssicherheit verfolgt, wie frühere Entwicklungen zeigen. Kybix setzt außerdem auf die Anbindung an bestehende Systeme und externe Datenbanken, um Datenqualität und Aktualität zu verbessern.
Funktionen und Ausblick
Zum Start liegt der Fokus auf der Erstellung und Pflege digitaler Unternehmensprofile, die interne und externe Datenquellen einbeziehen. Die Plattform bietet Werkzeuge zur Automatisierung von Informationsanfragen, zur Anbindung externer Datenbanken und zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen. Die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, wie sie in der EU-Geldwäscherichtlinie und im deutschen GwG (Geldwäschegesetz) festgelegt sind, steht dabei im Mittelpunkt.
Kybix plant, die Plattform künftig um Funktionen zur kontinuierlichen Überwachung und Risikobewertung zu erweitern. Das Konzept "perpetual KYB" sieht vor, dass Unternehmensdaten nicht mehr nur in festen Abständen, sondern laufend aktualisiert werden. Die Zusammenarbeit mit Finanzinstituten und internationalen Konzernen soll die Grundlage für eine sichere und effiziente Wiederverwendung von Unternehmensinformationen schaffen. CEO Ingo Ernst hebt hervor, dass Kybix ein "trusted global network for business identity information" aufbauen will, um wiederholte manuelle Prüfungen mithilfe von KI und der Euroclear-Infrastruktur zu reduzieren.
Einordnung und Bewertung
Kybix versucht, die bekannten Schwächen bei Unternehmensidentifikation und Compliance anzugehen. Die technische Integration von KI und bestehenden Netzwerken wie GlobalWatch ist ein Fortschritt, aber wie schnell und umfassend sich der Ansatz durchsetzt, bleibt offen. Ob die Plattform tatsächlich den manuellen Aufwand verringert und bei Finanzinstituten Akzeptanz findet, hängt vor allem von der Datenqualität, der Anbindung an bestehende Systeme und der Einhaltung regulatorischer Vorgaben ab. Aus Sicht der Redaktion ist der Schritt von Kybix ein Signal für mehr Effizienz und Standardisierung im internationalen KYB-Umfeld, auch wenn die Umsetzung noch vor einigen operativen und rechtlichen Hürden steht.
Know Your Business (KYB) beschreibt die Pflicht von Finanzinstituten und Unternehmen, die Identität und Eigentümerstruktur ihrer Geschäftspartner zu prüfen und regelmäßig zu aktualisieren. Im Unterschied zu Know Your Customer (KYC), das sich auf Privatpersonen bezieht, umfasst KYB komplexere Strukturen und größere Datenmengen. Die Einhaltung von KYB-Anforderungen ist wichtig für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, führt aber in der Praxis oft zu hohem Verwaltungsaufwand und wiederholten Datenerhebungen. Digitale Plattformen und KI-gestützte Lösungen sollen diese Prozesse effizienter und sicherer machen.