Lattice Semiconductor und AMI wollen auf dem OCP Global Summit 2026 zeigen, wie offene Steuerungsebenen die Verwaltung und Sicherheit von KI-Infrastrukturen vom Chip bis zum Rack ermöglichen.
Im Oktober 2026 will Lattice Semiconductor auf dem OCP Global Summit in San Jose eine offene Steuerungsebene für KI-Rechenzentren vorstellen. AMI ist mit an Bord. Die beiden Unternehmen setzen auf eine Lösung, die von der Hardware bis zur Verwaltung reicht. Ziel: KI-Systeme sollen sich vom einzelnen Chip bis zum kompletten Rack sicher und interoperabel betreiben lassen.
Geplante Präsentationen und technische Schwerpunkte
Vom 12. bis 15. Oktober 2026 sind mehrere Formate geplant. Am 13. Oktober um 09:58 Uhr halten Ford Tamer (CEO von Lattice Semiconductor) und Sanjoy Maity (SVP und Leiter des Geschäftsbereichs AMI) eine Grundsatzrede. Am Stand A53 - A54 gibt es technische Präsentationen und Live-Demos. Die Themen reichen von sicherer Plattform-Firmware über quantenresistente Sicherheit bis zu modularen Rack-Architekturen und KI-gestütztem Infrastrukturmanagement. Die Demonstrationen greifen die aktuellen Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Plattform-Firmware auf. Auch Aspekte der EN 50600-Reihe für Rechenzentrumsinfrastruktur werden behandelt.
Lattice und AMI wollen zeigen, wie offene Management- und Steuerungslösungen die Verwaltung von KI-Rechenzentren vereinfachen. Gleichzeitig sollen sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Im Mittelpunkt stehen die Integration von Plattform-Firmware, die Verwaltbarkeit der Infrastruktur und die Verbindung verschiedener Komponenten. Die Demos sollen zeigen, wie Unternehmen eine offene, skalierbare Infrastruktur für steigende KI-Workloads aufbauen können. Quantenresistente Sicherheitsmechanismen sind Teil des Konzepts. Sie entsprechen den Vorgaben der BSI-Richtlinie TR-02102-1 für kryptographische Verfahren.
Technologischer Hintergrund und Marktposition
Lattice Semiconductor bietet programmierbare Low-Power-Lösungen und Plattform-Firmware für Rechenzentren, Industrie und Embedded-Systeme. Mit der Übernahme von AMI erweitert Lattice sein Portfolio um siliziumneutrale Firmware- und Infrastruktur-Management-Lösungen. Nach eigenen Angaben entsteht so eine Plattform für das Management und die Steuerung von Cloud- und KI-Infrastrukturen. Die neuen Lösungen richten sich an wachsende KI-Rechenzentren, in denen Sicherheit, Skalierbarkeit und Interoperabilität wichtiger werden. Lattice und AMI stehen auf der Liste der Keynote-Speaker des OCP Global Summit. Dort finden sich auch Arm, Broadcom, Google, HPE, Intel, Meta, Microsoft, Nvidia und Oracle.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, bei der Planung und dem Betrieb von Rechenzentren auf offene, standardisierte Schnittstellen und quantenresistente Sicherheitsmechanismen zu setzen, um die Integrität und Zukunftsfähigkeit kritischer Infrastrukturen zu gewährleisten.
Der Halbleitermarkt bleibt in Bewegung. Qualcomm bringt neue KI-Chips für Endgeräte, wie kürzlich berichtet. Lattice und AMI setzen dagegen auf Verwaltung und Sicherheit der Infrastruktur in Rechenzentren. Sie bedienen damit eine andere, aber zentrale Ebene der KI-Wertschöpfungskette.
Offene Fragen und Einordnung für den europäischen Markt
Bisher beschränkt sich die Ankündigung von Lattice und AMI auf Präsentation und Demo beim OCP Global Summit. Es gibt noch keine Angaben zu Verfügbarkeit, Preisen oder geplanten Partnerschaften für Europa. Unabhängige Bewertungen der Lösungen fehlen ebenfalls. Unternehmen in Deutschland und Europa, die eigene KI-Infrastrukturen betreiben oder aufbauen, müssen abwarten. Noch ist offen, wie gut sich die angekündigten Steuerungsebenen in bestehende Systeme integrieren lassen und welche regulatorischen Vorgaben zu beachten sind. Die Bundesnetzagentur betont im aktuellen Infrastrukturbericht: Interoperabilität und offene Schnittstellen sind Grundvoraussetzungen für die Resilienz digitaler Infrastrukturen in Deutschland. Mehr zu den regulatorischen Rahmenbedingungen steht im Fachbereich Digitale Infrastruktur der Bundesnetzagentur.
Die Diskussion um Interoperabilität und Sicherheit von KI-Infrastrukturen wird schärfer. Regulatorische Anforderungen steigen, Rechenzentren werden komplexer. Lattice und AMI setzen mit ihrer Demo ein Signal für offene Standards und Schnittstellen im internationalen Wettbewerb. Entscheidend bleibt, ob die Lösungen auch außerhalb der Demo überzeugen und von unabhängigen Stellen geprüft werden. Für Europa bleibt die Integration offener, interoperabler Steuerungsebenen ein zentrales Thema. Die technischen und regulatorischen Hürden sind hoch.
Was ist eine offene Steuerungsebene in KI-Infrastrukturen? Sie ist eine Management- und Kontrollschicht, die nicht an proprietäre Hardware oder Software gebunden ist. Sie erlaubt es, verschiedene Komponenten eines Rechenzentrums - von Chips über Server bis zu Racks - interoperabel zu verwalten und zu sichern. Das ist besonders wichtig, wenn Unternehmen Hardware und Software verschiedener Hersteller kombinieren und dabei Sicherheits- und Transparenzvorgaben erfüllen müssen. Solche Steuerungsebenen helfen, Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu verringern. Sie machen KI-Infrastrukturen flexibler und sicherer.