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Oracle warnt vor Verzögerungen beim Rechenzentrum Jupiter

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Oracle warnt vor Verzögerungen beim Rechenzentrum Jupiter Glocalist Press © glocalist.press
Oracle warnt vor Verzögerungen beim Rechenzentrum Jupiter © glocalist.press

Oracle hat für das Großprojekt Jupiter in New Mexico eine Force-Majeure-Mitteilung verschickt. Die Aktie fiel deutlich. Was steckt dahinter und wie steht es um das Projekt?

Oracle hat den Projektentwickler des Rechenzentrums Jupiter in New Mexico offiziell über höhere Gewalt informiert. Die Mitteilung kam überraschend. Sie könnte dazu führen, dass Oracle Zahlungen an den Entwickler verschiebt, falls das Rechenzentrum nicht wie geplant bis 2028 startet. Die Börse reagierte sofort. Im vorbörslichen US-Handel verlor die Oracle-Aktie zeitweise mehr als fünf Prozent. Auch Blue Owl, Hauptinvestor des Projekts, geriet unter Druck.

Warum Oracle auf Force Majeure setzt

Oracle will sich mit der Mitteilung gegen steigende Kosten absichern. Verzögerungen oder unerwartete Probleme beim Bau könnten teuer werden. Das Projekt Jupiter wird von STACK Infrastructure, einer Tochter von Blue Owl Capital, entwickelt. Oracle nennt regulatorische Hürden und lokalen Widerstand als Risiken. Trotzdem hält das Unternehmen am Zeitplan fest. Die Option, Zahlungen zu verschieben, bleibt bestehen, falls das Rechenzentrum nicht bis 2028 fertig wird. Blue Owl hat laut Reuters rund drei Milliarden US-Dollar Eigenkapital investiert. Oracle ist Hauptmieter und trägt die langfristige Verschuldung.

Ein großes Risiko bleibt die Stromversorgung. Der Campus in New Mexico soll etwa 2,45 bis 2,5 Gigawatt liefern. Das ist nötig, um die steigenden Anforderungen von KI-Workloads zu decken. Der hohe Energiebedarf macht das Projekt anfällig für Verzögerungen bei der Netzanbindung und für regulatorische Eingriffe. Die Bundesnetzagentur in Deutschland hebt in aktuellen Veröffentlichungen immer wieder hervor, wie wichtig Netzstabilität und Versorgungssicherheit bei Großprojekten sind. Versorgungssicherheit und Netzausbau sind auch in der EU zentrale Themen für Digitalisierung und Rechenzentren.

Auch andere Unternehmen spüren die Folgen. Die Aktien von Blue Owl und Bloom Energy verloren im US-Handel an Wert. Die Unsicherheit rund um Jupiter trifft nicht nur Oracle, sondern auch Partner und Zulieferer. Reuters berichtet, dass das Projekt trotz Force-Majeure-Mitteilung offiziell im Zeitplan bleibt. Die Märkte reagieren aber empfindlich auf Risiken bei Stromversorgung und Regulierung.

Die Herausforderungen bei der Netzanbindung und die regulatorischen Unsicherheiten bei Großprojekten wie Rechenzentren erfordern eine enge Abstimmung zwischen Betreibern, Investoren und Behörden, um Versorgungssicherheit und Innovationsfähigkeit zu gewährleisten.

Bundesnetzagentur

Folgen für Finanzen und Betrieb

Die Force-Majeure-Mitteilung ist ein rechtliches Mittel. Sie erlaubt es Unternehmen, sich auf unvorhersehbare Ereignisse zu berufen und Verträge vorübergehend anzupassen. Bei Oracle steht die Frage im Raum, ob das Rechenzentrum bis 2028 ans Netz geht. Gelingt das nicht, könnten Zahlungen an den Entwickler verschoben werden. Das hätte direkte Folgen für die Liquiditätsplanung der beteiligten Firmen. Blue Owl erklärte gegenüber Reuters, die Mitteilung ändere nichts an den finanziellen Verpflichtungen. Sie diene nur als Absicherung gegen mögliche Verzögerungen.

Die Börse reagiert sensibel auf Unsicherheiten bei großen Infrastrukturprojekten. Schon in der Vergangenheit führten ähnliche Ankündigungen bei Technologiekonzernen zu starken Kursbewegungen. Ein Beispiel sind die Quartalszahlen von Nvidia. Ob die regulatorischen und lokalen Probleme bei Jupiter wirklich zu einer Verzögerung führen, ist offen. Oracle hält offiziell am Zeitplan fest.

Projektstatus: Was bleibt offen?

Oracle betont, dass Jupiter im Zeitplan liegt. Details zu den regulatorischen Hürden oder zum lokalen Widerstand nennt das Unternehmen nicht. Es bleibt unklar, welche Maßnahmen geplant sind, um Risiken zu senken und den Start 2028 zu sichern. Die Force-Majeure-Mitteilung ist vor allem eine Absicherung gegen unvorhersehbare Entwicklungen. Sie ist keine Ankündigung einer konkreten Verzögerung. Für die weitere Entwicklung werden internationale Standards wie ISO/IEC 22237 für Rechenzentren und Energieeffizienz nach DIN EN 50600 wichtig sein.

Für US-Kunden und internationale Nutzer stellt sich die Frage, wie sich mögliche Verzögerungen auf Cloud- und Rechenzentrumsdienste auswirken. Da das Projekt von einer Blue-Owl-Tochter entwickelt wird, sind auch die Folgen für Finanzierung und Investitionen zu beobachten. Die Märkte zeigen: Unsicherheit bei Großprojekten hat sofort finanzielle Auswirkungen. Der Projektstatus selbst ist aber noch nicht gefährdet.

Der Begriff "höhere Gewalt" (Force Majeure) beschreibt im Vertragsrecht Ereignisse außerhalb des Einflussbereichs der Parteien. Sie machen die Vertragserfüllung unmöglich oder erschweren sie erheblich. Beispiele sind Naturkatastrophen, politische Unruhen oder unerwartete regulatorische Eingriffe. In der Praxis begrenzt eine solche Mitteilung rechtliche und finanzielle Risiken, wenn ein Projekt ins Stocken gerät. Bei Infrastrukturprojekten wie Rechenzentren ist Force Majeure ein gängiges Mittel, um Zeitpläne und Zahlungen flexibel zu halten. Vertragsstrafen oder Schadensersatz werden so nicht sofort fällig.

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