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Mehr als 2.000 europäische KMU nutzen MSCA-Förderung für Forschung

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Mehr als 2.000 europäische KMU nutzen MSCA-Förderung für Forschung Glocalist Press © glocalist.press
Mehr als 2.000 europäische KMU nutzen MSCA-Förderung für Forschung © glocalist.press

Die Marie Skłodowska-Curie Actions der EU haben in den letzten fünf Jahren über 2.000 kleine und mittlere Unternehmen in internationale Forschungsprojekte eingebunden. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus

Die Europäische Kommission meldet, dass in den vergangenen fünf Jahren mehr als 2.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) an Projekten der Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) teilgenommen haben. Das Programm, das seit 1996 besteht, fördert die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ermöglicht Unternehmen den Zugang zu internationalen Forschungsnetzwerken sowie hochqualifizierten Forschenden.

Wachsende Beteiligung von Unternehmen

Nach Angaben der Kommission haben sich im Zeitraum der letzten fünf Jahre insgesamt über 4.300 Unternehmen an MSCA-Projekten beteiligt, davon mehr als die Hälfte KMU. Seit dem Start des EU-Förderprogramms Horizon 2020 im Jahr 2014 wurden über eine Milliarde Euro für die Einbindung von mehr als 8.500 privaten Unternehmen in mehr als 3.000 Projekte bereitgestellt. Die MSCA-Förderung umfasst verschiedene Formate, darunter Doktorandennetzwerke, Postdoktorandenstipendien und Personalaustauschprogramme.

Um Unternehmen den Zugang zu diesen Fördermöglichkeiten zu erleichtern, wurde eine spezielle Informationsplattform eingerichtet. Dort werden unter anderem Wege aufgezeigt, wie KMU gemeinsam mit Hochschulen Anträge für MSCA Staff Exchange stellen können. Diese Programme ermöglichen es, Forschungspersonal grenzüberschreitend und sektorenübergreifend einzusetzen und so Kompetenzen und Erfahrungen auszutauschen.

Förderformate und internationale Zusammenarbeit

Ein weiteres Förderinstrument ist das COFUND-Programm, das Unternehmen bei der Auswahl, Einstellung und Weiterbildung von Forschenden unterstützt und so die administrativen und finanziellen Hürden senken soll. Mit dem Pilotprojekt Choose Europe for Science will die EU zudem die längerfristige Beschäftigung von Postdoktoranden in Unternehmen und Hochschulen fördern. Ziel ist es, die Übernahme von MSCA-Best-Practice-Standards in Forschung und Arbeitsbedingungen zu verbreiten.

Die Doktorandennetzwerke der MSCA setzen auf internationale Konsortien: Für die Teilnahme sind mindestens drei Einrichtungen aus unterschiedlichen Ländern erforderlich. Laut Daten aus den Jahren 2021 bis 2023 kamen auf drei akademische Partner fast zwei Unternehmen aus dem privaten Sektor. Besonders hoch ist die Beteiligung von Unternehmen an Staff Exchange und Doktorandennetzwerken, wo etwa die Hälfte der beteiligten Organisationen aus der Wirtschaft stammt.

Praxisbeispiel und Auswirkungen auf Forschung und Unternehmen

Ein Beispiel für die Umsetzung ist das von BSH Appliances in Spanien koordinierte SERENADE-Projekt. Hier arbeiten Universitäten und Unternehmen gemeinsam an Technologien zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung, etwa durch sensorbasierte Behälter und KI-gestützte Frischeanalysen. Die Doktorandinnen und Doktoranden des Projekts sind an Hochschulen in Belgien, Deutschland und Italien eingeschrieben und verbringen einen Teil ihrer Forschungszeit in den beteiligten Unternehmen. Ziel ist die Entwicklung von zwei Innovationen: nachhaltigen Behältern mit Frischesensoren und einem tragbaren Analysegerät für unverpackte Lebensmittel.

Die internationale Ausrichtung der MSCA-Programme bringt für KMU den Vorteil, Zugang zu spezialisierten Technologien und Know-how zu erhalten. Gleichzeitig fördert sie die Mobilität von Forschenden innerhalb Europas. Viele der Geförderten bleiben nach Abschluss ihrer Projekte in Europa und tragen so zur Stärkung des europäischen Forschungs- und Innovationsökosystems bei. Die Bedeutung von KI-gestützter Forschung und deren Anwendung in der Industrie zeigt sich auch in anderen Bereichen, wie etwa bei der Entwicklung von Bildanalyseverfahren für klinische Studien, über die Glocalist Press bereits im Zusammenhang mit Qureight berichtet hat (Beitrag zur KI-Bildanalyse in klinischen Studien).

Offene Fragen und Perspektiven

Obwohl die Zahlen eine wachsende Beteiligung von KMU an europäischen Forschungsprojekten zeigen, bleibt offen, wie nachhaltig diese Kooperationen im Unternehmensalltag wirken. Die tatsächlichen Auswirkungen auf Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Beschäftigung lassen sich bislang nur begrenzt messen. Zudem ist unklar, in welchem Umfang die gewonnenen Erkenntnisse in marktfähige Produkte oder Dienstleistungen überführt werden. Die Europäische Kommission sieht in der stärkeren Einbindung von Unternehmen einen wichtigen Schritt, um den Forschungstransfer in Europa zu beschleunigen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Die MSCA-Förderung ist Teil der europäischen Strategie, Forschung und Innovation enger mit den Bedürfnissen der Wirtschaft zu verzahnen. Für Unternehmen in Deutschland und im übrigen Europa bieten sich dadurch neue Möglichkeiten, internationale Talente zu gewinnen und anwendungsorientierte Forschung voranzutreiben. Die weitere Entwicklung hängt jedoch davon ab, wie effektiv die Programme auf die spezifischen Herausforderungen von KMU eingehen und wie gut die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Praxis gelingt.

Die Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) sind ein EU-Förderprogramm, das seit 1996 die Mobilität und Karriereentwicklung von Forschenden unterstützt. Im Fokus stehen internationale und sektorübergreifende Kooperationen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Die Programme sind Teil des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation und sollen den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Für Unternehmen bieten die MSCA verschiedene Förderformate, die von der Finanzierung einzelner Forschungsstellen bis zur Unterstützung ganzer Netzwerke reichen. Die Teilnahme ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, etwa die Einbindung von Partnern aus mehreren Ländern und die Einhaltung von Qualitätsstandards in der Forschungsausbildung.

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