Das britische Start-up Metal Morph hat eine Vorfinanzierung von 700.000 Pfund erhalten, um seine Technologie zur Rückgewinnung industrieller Ressourcen aus Abwasser weiterzuentwickeln. Was das für die Kreislaufwirtschaft bedeutet
Das britische Unternehmen Metal Morph hat eine Vorfinanzierungsrunde in Höhe von 700.000 Pfund abgeschlossen. Ziel ist die Weiterentwicklung einer Technologie, die industrielle Ressourcen aus Wasser- und Abwasserbehandlungsprozessen zurückgewinnt. Die Finanzierung wurde von Sustainable Ventures und Green Angel Ventures gemeinsam angeführt, beteiligt waren zudem Aqcelerator und Found Capital. Die Ankündigung erfolgte im Juni 2026.
Technologie zur Rückgewinnung von Chemikalien
Metal Morph entwickelt eine Infrastruktur-as-a-Service-Lösung, die darauf abzielt, Wertstoffe wie Aluminium- und Eisenverbindungen aus kommunalem und industriellem Abwasser zu extrahieren. Nach Angaben des Unternehmens werden diese Chemikalien bislang häufig entsorgt oder auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt. Die Rückgewinnung soll eine Wiederverwendung in Wasseraufbereitungsprozessen ermöglichen und so die Abhängigkeit von Primärrohstoffen verringern.
Die Technologie befindet sich noch in der Entwicklung. Metal Morph plant, das Verfahren künftig auch auf die Rückgewinnung von Metallen aus industriellen Abwässern und Rückständen aus dem Bergbau auszuweiten. Angaben zur industriellen Skalierung oder zu bestehenden Lieferverträgen liegen bislang nicht vor.
Ergebnisse aus Pilotversuchen
Nach Unternehmensangaben wurden mehr als 50 Praxistests an drei Trinkwasseraufbereitungsanlagen durchgeführt. Dabei sei es gelungen, bis zu 90 Prozent der eingesetzten Behandlungsmittel mit einer Reinheit von 95 Prozent zurückzugewinnen. Zudem berichtet Metal Morph von einer Reduktion der betrieblichen Kosten im Bereich der Koagulation um 26 Prozent sowie einer Verringerung der mit dem Einkauf von Koagulantien verbundenen Emissionen um 89 Prozent. Unabhängige Überprüfungen dieser Werte liegen bislang nicht vor.
Das Unternehmen arbeitet aktuell mit sechs britischen Wasserversorgern zusammen, die gemeinsam rund 56 Prozent des britischen Marktes abdecken. Darüber hinaus hat Metal Morph einen Zuschuss von 100.000 Pfund von der britischen Wasseraufsicht Ofwat erhalten. Weitere 450.000 Pfund könnten bei Erreichen definierter Meilensteine folgen.
Finanzierung und weitere Pläne
Die Mittel aus der aktuellen Finanzierungsrunde sollen laut Metal Morph in die Weiterentwicklung der Technologie, die Durchführung von Pilotprojekten und die Validierung mit Industriepartnern fließen. Zudem prüft das Unternehmen Möglichkeiten für Demonstrationsprojekte in europäischen Märkten, darunter Estland. Gespräche mit dem belgischen Wasserversorger Aquafin laufen nach Unternehmensangaben bereits.
Ein Zeitplan für eine mögliche Markteinführung oder eine Ausweitung auf den deutschen oder europäischen Markt wurde bislang nicht veröffentlicht. Auch zur regulatorischen Einordnung und zu den Anforderungen an die Wasserqualität in anderen Ländern gibt es noch keine detaillierten Angaben.
Kreislaufwirtschaft in der Wasserbehandlung
Die Rückgewinnung von Chemikalien aus Abwasser gilt als ein Ansatz der Kreislaufwirtschaft, bei dem Wertstoffe im Wirtschaftskreislauf gehalten werden. Ziel ist es, Primärrohstoffe zu ersetzen, Kosten zu senken und Emissionen zu reduzieren. In der Wasserwirtschaft sind solche Verfahren bislang vor allem im Pilotstadium. Die tatsächliche Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit hängen von technischen, regulatorischen und marktspezifischen Faktoren ab. Für eine breite Einführung sind unabhängige Validierungen und eine Anpassung an regionale Anforderungen entscheidend.
Die Finanzierung von Metal Morph zeigt, dass Investoren in Europa zunehmend auf Technologien zur Ressourcenschonung und Emissionsminderung im Infrastrukturbereich setzen. Ob und wie schnell sich solche Lösungen im industriellen Maßstab durchsetzen, bleibt angesichts der frühen Entwicklungsphase offen.
Der Begriff Kreislaufwirtschaft beschreibt ein Wirtschaftsmodell, bei dem Rohstoffe und Produkte möglichst lange im Umlauf gehalten und Abfälle minimiert werden. In der Wasserwirtschaft bedeutet dies, dass eingesetzte Chemikalien oder Metalle nach ihrer Nutzung zurückgewonnen und erneut verwendet werden. Dies kann die Abhängigkeit von Primärrohstoffen verringern, Kosten senken und Emissionen reduzieren. Die Umsetzung erfordert jedoch angepasste Technologien, regulatorische Klarheit und wirtschaftliche Anreize.