Nordex gewinnt mehrere Großaufträge für Windkraftanlagen und stellt eine neue Turbine vor. Was heißt das für die Bewertung und den Kurs der Aktie?
Am 29. September 2026 meldete Nordex einen neuen Auftrag: 42 Megawatt für das Windparkprojekt "Lambacher Höh" in Rheinland-Pfalz. Auftraggeber ist Navaris, eine Plattform für erneuerbare Energien aus der Qualitas Energy Gruppe. Das Projekt umfasst vier Turbinen vom Typ N163/6.X und zwei Anlagen der neuen Generation N175/6.X. Für alle gilt ein 20-jähriger Servicevertrag. Die erste Turbine soll im Januar 2028 ans Netz gehen. Die Fertigstellung des gesamten Parks ist für Juli 2028 geplant. Nordex und Navaris arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Bereits im März 2026 gab es einen Auftrag über 56 Megawatt.
Nur einen Tag später, am 30. September 2026, folgten weitere Aufträge aus Frankreich, Portugal und Spanien. Insgesamt geht es um 175 Megawatt. Der Vertrag umfasst 34 Windenergieanlagen: acht N175/6.X, vier N163/6.X, vier N149/4.X, neun N133/4.8 und neun N131/3.6. Diese Mischung passt zu unterschiedlichen Standorten. Die Auslieferung und Inbetriebnahme ist für 2027 bis 2028 geplant. Auch hier gibt es langfristige Serviceverträge. Wartung und Betrieb bleiben ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells von Nordex.
Parallel dazu hat Nordex die Delta4000-Plattform erweitert. Neu ist die Turbine N193/7.X. Sie ist für Standorte mit niedrigen bis mittleren Windgeschwindigkeiten gedacht. Laut Nordex soll sie bis zu 14 Prozent mehr Energie liefern. Die Serienproduktion startet 2029. Die Entwicklung folgt den Vorgaben der europäischen Energiepolitik und den Anforderungen der Bundesnetzagentur für Netzstabilität und Einspeisung. Unabhängige technische Bewertungen gibt es dazu noch nicht.
Nordex hat offiziell bestätigt, dass die neue Turbine N193/7.X auf der Delta4000-Plattform für Standorte mit niedrigen und mittleren Windgeschwindigkeiten entwickelt wurde und einen erwarteten Produktionszuwachs von bis zu 14 Prozent bietet. Der Serienstart ist für 2029 geplant.
Marktentwicklung und Bewertung
Seit Anfang Juli bewegt sich die Nordex-Aktie in einer engen Spanne zwischen 36 und 42 Euro. Trotz neuer Aufträge und Produktankündigungen bleibt der Kurs stabil. Das aktuelle Forward-KGV liegt bei 16. Das gilt als fairer Wert. Für 2026 erwartet Nordex ein Wachstum von 16 Prozent. Im Jahr 2027 soll das Wachstum laut Prognose auf 8 Prozent sinken. Angaben zur Marge macht das Unternehmen nicht. Es sieht aber weiteres Potenzial.
Auch andere Windkraftunternehmen stehen vor ähnlichen Problemen. Wie berichtet wurde, reichen selbst große Aufträge oft nicht für einen nachhaltigen Kursanstieg, wenn strukturelle Unsicherheiten bleiben. Das ist kein Einzelfall.
Unternehmensprofil und internationale Präsenz
Nordex SE hat ihren Sitz in Hamburg. Das Unternehmen entwickelt und baut Onshore-Windkraftanlagen. Es plant und errichtet auch komplette Windparks. Die Hauptproduktion steht in Rostock. Weitere Werke gibt es in Deutschland, Brasilien, Indien, Mexiko und Polen. Nach eigenen Angaben hat Nordex weltweit Anlagen mit rund 51 Gigawatt Gesamtleistung in über 40 Ländern installiert. Nordex ist im MDAX und TecDAX gelistet. Die Börsenbewertung liegt bei etwa 9,4 Milliarden Euro.
Die neuen Aufträge aus mehreren europäischen Ländern zeigen die internationale Ausrichtung. Noch ist offen, wie sich die Produktinnovationen und Serviceverträge auf die Erträge auswirken. Es gibt keine konkreten Angaben zu Margenverbesserungen oder neuen Marktanteilen. Die Regeln für den Ausbau erneuerbarer Energien setzt in Deutschland die Bundesnetzagentur fest und entwickelt sie weiter.
Perspektiven für den Aktienkurs
Nordex wächst operativ und bringt neue Produkte. Doch der Kurs bleibt ruhig. Die Bewertung passt zu den Prognosen und zum Marktumfeld. Für Anlegerinnen und Anleger gibt es wenig Risiko nach oben oder unten. Der Seitwärtstrend dürfte anhalten. Das ändert sich erst, wenn Nordex die Marge klar steigert oder den adressierbaren Markt deutlich ausweitet.
Forward-KGV meint das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne, meist für das nächste Geschäftsjahr. Es hilft, Aktien zu vergleichen. Ein Wert von 16 gilt derzeit als moderat. Das zeigt: Die Erwartungen an das Gewinnwachstum sind im Kurs schon eingepreist. Für Investierende ist das Forward-KGV ein Maßstab, um Chancen und Risiken einer Aktie im Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen zu bewerten.