Das Auswärtige Amt hat OVHcloud ohne Ausschreibung als Cloud-Anbieter beauftragt. Welche Kriterien entscheidend waren und wie sich der Wettbewerb um öffentliche IT-Aufträge in Deutschland entwickelt, bleibt umstritten
Das Auswärtige Amt hat im Frühjahr 2026 den französischen Cloud-Anbieter OVHcloud im Rahmen einer Direktvergabe mit der Bereitstellung von Cloud-Diensten beauftragt. Nach Angaben des Ministeriums erfüllte OVHcloud als einziger Anbieter alle geforderten Kriterien, darunter einen Hauptsitz innerhalb der Europäischen Union sowie eigene Rechenzentren in mehreren Weltregionen. Die genaue Vertragssumme wurde nicht veröffentlicht. Die Entscheidung erfolgte ohne öffentliche Ausschreibung, was in der deutschen IT-Branche für Aufmerksamkeit sorgt.
Kriterien für die Auswahl von OVHcloud
Die Offenlegung der Vergabeunterlagen zeigt, dass das Auswärtige Amt besonderen Wert auf Datenresidenz innerhalb der EU und die Kontrolle über die Infrastruktur legte. OVHcloud betreibt eigene Rechenzentren nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika und Asien. Nach Angaben des Ministeriums war kein anderer Anbieter in der Lage, die geforderten Bedingungen vollständig zu erfüllen. Die Details der technischen Anforderungen und der Vertragslaufzeit wurden bislang nicht veröffentlicht.
Wettbewerb um öffentliche IT-Aufträge
Der Markt für Cloud-Infrastruktur im öffentlichen Sektor ist in Deutschland stark umkämpft. Neben internationalen Konzernen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud versuchen auch europäische Anbieter, ihre Position auszubauen. Die Direktvergabe an OVHcloud wird von Branchenbeobachtern als Signal gewertet, dass europäische Anbieter bei sensiblen Behördenaufträgen zunehmend berücksichtigt werden. Allerdings bleibt offen, wie nachhaltig dieser Trend ist und ob weitere Behörden ähnliche Vergaben planen.
Europäische Anbieter im internationalen Kontext
Die Entscheidung des Auswärtigen Amts steht im Kontext einer wachsenden Debatte über digitale Souveränität und die Rolle europäischer Anbieter im internationalen Wettbewerb. Während OVHcloud in Frankreich als Marktführer gilt, ist der Anteil europäischer Cloud-Anbieter am Gesamtmarkt weiterhin begrenzt. Initiativen zur Stärkung europäischer Technologieunternehmen, wie sie auch im Raumfahrtsektor durch internationale Kooperationen verfolgt werden - etwa durch Programme, die französischen Start-ups Zugang zu globalen Aufträgen verschaffen, wie eine aktuelle Initiative im Raumfahrtbereich -, zeigen die Herausforderungen und Chancen für europäische Anbieter auf.
Cloud-Infrastruktur bezeichnet die Bereitstellung von IT-Ressourcen wie Speicher, Rechenleistung und Netzwerkkapazität über das Internet. Für Behörden und Unternehmen ist dabei entscheidend, wo die Daten gespeichert werden und wer Zugriff auf die Infrastruktur hat. Die Frage der Datenresidenz und der Kontrolle über die technischen Systeme ist insbesondere im öffentlichen Sektor ein zentrales Kriterium bei der Auswahl von Cloud-Anbietern. Europäische Anbieter werben mit der Einhaltung europäischer Datenschutzstandards und der Unabhängigkeit von außereuropäischen Rechtsräumen.