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Revolut öffnet Private-Markets-Fonds für deutsche Privatanleger

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Revolut öffnet Private-Markets-Fonds für deutsche Privatanleger Glocalist Press © glocalist.press
Revolut öffnet Private-Markets-Fonds für deutsche Privatanleger © glocalist.press

Revolut ermöglicht erstmals deutschen Nutzerinnen und Nutzern Investitionen in Private-Markets-Fonds ab einem Euro. Welche Chancen und Risiken die neue Anlageoption tatsächlich birgt, bleibt umstritten

Die britische Neobank Revolut hat angekündigt, ihren deutschen Kundinnen und Kunden ab sofort den Zugang zu Private-Markets-Fonds zu ermöglichen. Damit können erstmals auch Privatanlegerinnen und Privatanleger in Deutschland direkt über die Revolut-App in Fonds investieren, die bislang institutionellen Investoren vorbehalten waren. Das Angebot umfasst Produkte der Vermögensverwalter Apollo, Hamilton Lane und Partners Group, die zusammen ein verwaltetes Vermögen von mehr als 2,2 Billionen US-Dollar angeben. Die Fonds sind als sogenannte ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) strukturiert und investieren in Private Equity, Infrastrukturprojekte und private Kreditfonds.

Regulatorische Öffnung durch ELTIF-2.0

Bis 2024 war der Zugang zu Private-Markets-Fonds für Privatanlegerinnen und Privatanleger in der EU stark eingeschränkt. Die Mindestanlagesummen lagen meist bei 10.000 Euro, zudem durften Investitionen in diese Anlageklasse nur einen begrenzten Anteil am Gesamtvermögen ausmachen. Mit der überarbeiteten ELTIF-Verordnung (ELTIF-2.0) hat die Europäische Union die Regeln gelockert und damit den Weg für breitere Anlegergruppen geöffnet. Die neuen Vorgaben erlauben es nun, bereits ab einem Euro in entsprechende Fonds zu investieren. Dennoch bleibt die Anlageklasse komplex und mit spezifischen Risiken verbunden.

Chancen und Risiken für Anleger

Private-Markets-Fonds gelten als potenziell renditestark, sind jedoch mit langen Kapitalbindungsfristen verbunden. Das investierte Geld ist in der Regel für sieben bis zwölf Jahre gebunden. Vorzeitige Rückgaben sind nur zu bestimmten Zeitpunkten möglich und können mit Abschlägen oder Einschränkungen verbunden sein. Revolut hebt hervor, dass für die angebotenen Fonds vierteljährliche Rückgabefenster vorgesehen sind. Dennoch bleibt die Liquidität begrenzt und Rücknahmen können je nach Marktlage ausgesetzt werden. Die Managementgebühren liegen laut Revolut zwischen 1,65 und 2,35 Prozent pro Jahr, hinzu kommt eine erfolgsabhängige Vergütung von zehn bis 15 Prozent, sofern bestimmte Renditeziele erreicht werden. Im Vergleich zu börsengehandelten Fonds (ETFs) sind die Kosten damit deutlich höher, während die Transparenz der Wertentwicklung geringer ausfällt.

Markttrends und Wettbewerb

Mit dem neuen Angebot folgt Revolut einem Trend, der bereits von anderen Fintech-Plattformen wie Trade Republic und Scalable Capital aufgegriffen wurde. Beide Unternehmen bieten ebenfalls Zugang zu Private-Markets-Fonds, wobei Trade Republic unter anderem mit Apollo und EQT kooperiert und Scalable Capital mit BlackRock zusammenarbeitet. Für die Fondsanbieter ist der Zugang zu Privatanlegerinnen und Privatanlegern angesichts rückläufiger Mittelzuflüsse aus dem traditionellen Kundensegment von Interesse. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg haben einige Investmentgesellschaften wie Apollo und Ares zuletzt Rücknahmen eingeschränkt, während Partners Group im vergangenen Monat Auszahlungen aus einem größeren Fonds begrenzt hat. Die Entwicklung zeigt, dass die Liquiditätssteuerung in diesem Marktsegment weiterhin eine Herausforderung bleibt.

Kontrolle und Einordnung

Revolut betont, dass ein spezialisiertes Team die Auswahl und Überwachung der angebotenen Fonds übernimmt. Bewertet werden unter anderem die Anlagestrategie, die bisherige Wertentwicklung und die operative Stabilität des Fondsmanagements. Die Plattform richtet sich mit dem Angebot ausdrücklich an erfahrene Anlegerinnen und Anleger, die bereit sind, Kapital langfristig zu binden und die spezifischen Risiken illiquider Anlagen zu tragen. Die tatsächliche Attraktivität der neuen Zugangsmöglichkeiten hängt jedoch von der weiteren Entwicklung der Märkte und der regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Im Kontext der zunehmenden Digitalisierung von Finanzdienstleistungen bleibt offen, wie sich die Öffnung der Private Markets für Privatanlegerinnen und Privatanleger langfristig auf die Struktur des europäischen Kapitalmarkts auswirkt. Ein Beispiel für die Dynamik im Bereich digitaler Finanzprodukte bietet auch die Einführung neuer Funktionen bei anderen Plattformen, wie etwa die Erweiterung von Claude Cowork um Workflow-Aufzeichnungen, wie hier berichtet.

Private-Markets-Fonds investieren in nicht börsennotierte Unternehmen, Infrastrukturprojekte oder private Kreditvergabe und unterscheiden sich damit grundlegend von klassischen Aktien- oder Rentenfonds. Die Anlageklasse ist durch geringe Liquidität, lange Bindungsfristen und eingeschränkte Transparenz gekennzeichnet. ELTIFs wurden von der EU geschaffen, um langfristige Investitionen in die Realwirtschaft zu fördern und institutionellen wie privaten Anlegern einen regulierten Zugang zu ermöglichen. Die jüngsten regulatorischen Anpassungen sollen die Attraktivität dieser Fonds erhöhen, bringen jedoch weiterhin komplexe Anforderungen und Risiken mit sich, die eine sorgfältige Prüfung durch Anlegerinnen und Anleger erfordern.

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