• 4 Minuten Lesezeit
  • Veröffentlicht

Solinide erhält 4 Millionen Euro für Photonik-Chips in KI-Rechenzentren

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Solinide erhält 4 Millionen Euro für Photonik-Chips in KI-Rechenzentren Glocalist Press © glocalist.press
Solinide erhält 4 Millionen Euro für Photonik-Chips in KI-Rechenzentren © glocalist.press

Das schwedische Unternehmen Solinide Photonics sammelt 4 Millionen Euro ein, um seine Siliziumnitrid-Photonikchips für KI-Rechenzentren zur Marktreife zu bringen. Welche technischen und wirtschaftlichen Fragen bleiben offen

Das schwedische Deeptech-Unternehmen Solinide Photonics hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 4 Millionen Euro abgeschlossen. Ziel ist es, die eigene Siliziumnitrid-basierte Photonikchip-Technologie für den Einsatz in KI-Rechenzentren zu kommerzialisieren und die Voraussetzungen für eine skalierbare Fertigung in Europa zu schaffen. Die Finanzierungsrunde wurde von Navigare Ventures und PSV Hafnium angeführt, beteiligt waren zudem Chalmers Ventures, Turbine Capital, Norrsken Evolve und der Almi Greentech Fund. Solinide ist eine Ausgründung der Chalmers University of Technology in Göteborg.

Technologie für optische Datenverbindungen

Solinide entwickelt Photonikchips und sogenannte Mikrocomb-Technologien, die für optische Interconnects in Rechenzentren konzipiert sind. Diese Komponenten adressieren das Problem, dass der Datenverkehr zwischen Prozessoren und anderen Hardwarekomponenten in KI-Infrastrukturen rasant wächst, während der Energieverbrauch möglichst nicht proportional steigen soll. Herkömmliche optische Systeme setzen meist auf mehrere einzelne Laserquellen, was zu erhöhtem Strombedarf, höheren Kosten und größerem Platzbedarf führt.

Die von Solinide entwickelte Lösung ersetzt mehrere Laser durch einen einzigen Chip, der gleichzeitig zahlreiche präzise Lichtwellenlängen erzeugen kann. Dadurch lassen sich pro Glasfaser mehr Daten übertragen, während Energieverbrauch und Systemkosten sinken. Nach Unternehmensangaben wurde die Mikrocomb-Technologie bereits in einem rackmontierten System demonstriert und erfüllt die Leistungsanforderungen für Datenverbindungen in Rechenzentren.

Finanzierung und nächste Schritte

Mit dem frischen Kapital plant Solinide, das eigene Ingenieur- und Vertriebsteam auszubauen, die hausinterne Prototypenfertigung zu stärken und die Technologie für die Serienproduktion in Europa vorzubereiten. Zudem sollen strategische Partnerschaften mit Industrieunternehmen vertieft werden, um die Markteinführung zu beschleunigen. Die Investoren sehen in der Technologie Potenzial für Anwendungen nicht nur in KI-Rechenzentren, sondern auch in Telekommunikationsnetzen und anderen Bereichen mit hohem Bedarf an optischer Datenübertragung.

Die Finanzierung erfolgt in einem Umfeld, in dem europäische und internationale Investoren verstärkt auf Hardwarelösungen für KI-Infrastruktur setzen. Ähnliche Finanzierungsrunden, etwa für dezentrale KI-Netzwerke wie bei Vangrid, zeigen, dass der Markt für spezialisierte Hardware und optische Technologien weiter wächst. Die tatsächliche Marktdurchdringung hängt jedoch von der industriellen Skalierbarkeit und der Integration in bestehende Rechenzentrumsarchitekturen ab.

Offene Fragen und europäische Perspektive

Obwohl Solinide nach eigenen Angaben die technische Machbarkeit demonstriert hat, bleibt offen, wie schnell und in welchem Umfang die Technologie in kommerziellen Rechenzentren eingesetzt werden kann. Wichtige Faktoren sind die Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb, die Kompatibilität mit bestehenden Systemen und die Kostenstruktur bei industrieller Fertigung. Für den europäischen Markt ist zudem relevant, ob die Produktion tatsächlich in Europa angesiedelt werden kann und wie sich die Lieferkette für Photonikkomponenten entwickelt.

Die Entwicklung von Photonikchips für KI-Infrastrukturen steht beispielhaft für den Versuch europäischer Unternehmen, sich im globalen Wettbewerb um energieeffiziente Rechenzentren zu positionieren. Die nächsten Monate dürften zeigen, ob Solinide den Schritt von der Demonstration zur breiten Markteinführung schafft und welche Rolle europäische Fertigungskapazitäten dabei spielen.

Photonikchips sind integrierte Schaltkreise, die Licht statt elektrischer Signale zur Datenübertragung nutzen. Sie ermöglichen besonders schnelle und energieeffiziente Verbindungen, etwa zwischen Prozessoren in Rechenzentren. Mikrocomb-Technologien erzeugen auf einem Chip viele verschiedene Lichtwellenlängen gleichzeitig, was die Datenrate pro Glasfaser deutlich erhöht. Die industrielle Fertigung solcher Chips gilt als technisch anspruchsvoll, da höchste Präzision und Reinheit erforderlich sind. Für den europäischen Technologiesektor ist die Entwicklung eigener Photonik- und Halbleiterkapazitäten ein strategisches Ziel, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferanten zu verringern.

Ähnliche Artikel