Nach dem größten Börsengang der Geschichte verliert die SpaceX-Aktie massiv an Wert. Technische Rückschläge, hohe Investitionen und Unsicherheiten über die Profitabilität belasten das Unternehmen
SpaceX hat mit seinem Börsengang im Juni 2026 einen historischen Meilenstein gesetzt und rund 85,7 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital aufgenommen. Die Bewertung des US-amerikanischen Raumfahrt- und Satellitenunternehmens erreichte kurzzeitig Werte, die mit den größten Technologiekonzernen der Welt vergleichbar waren. Doch nur wenige Wochen nach dem Börsendebüt ist die Euphorie verflogen: Die Aktie notiert inzwischen deutlich unter dem Ausgabepreis und hat einen erheblichen Teil ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt.
Marktentwicklung und Kursverluste
Der Ausgabepreis der SpaceX-Aktie lag zum Börsenstart am 12. Juni 2026 bei 135 US-Dollar. Bereits kurz nach Handelsbeginn stieg der Kurs auf ein Allzeithoch von 225,64 US-Dollar. Inzwischen ist der Kurs jedoch auf ein Rekordtief von 115,26 US-Dollar gefallen. Damit liegt die Aktie rund 48 Prozent unter ihrem Höchststand. Nach Berechnungen von Marktanalysten wurden durch den Kursverfall mehr als eine Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Viele Privatanlegerinnen und Privatanleger, die zu höheren Kursen eingestiegen sind, verzeichnen aktuell deutliche Verluste.
Die jüngsten Kursrückgänge fielen zeitlich mit einem gescheiterten Testflug der Starship-Rakete zusammen. Der Start musste wenige Sekunden vor dem geplanten Abheben aufgrund technischer Probleme abgebrochen werden. Das Starship-Programm gilt als zentrales Zukunftsprojekt von SpaceX und ist sowohl für die NASA als auch für die langfristigen Marspläne des Unternehmens von Bedeutung. Nach Unternehmensangaben wurden bislang mehr als 15 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung investiert.
Investitionsdruck und Finanzierung
SpaceX steht nach dem Börsengang unter erheblichem Investitionsdruck. Bereits eine Woche nach dem IPO nahm das Unternehmen über eine Unternehmensanleihe weitere 25 Milliarden US-Dollar auf, um einen kurzfristigen Brückenkredit abzulösen. Die Anleihe ist in fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen fünf und 30 Jahren gestaffelt. Die hohen Risikoprämien, die für die Anleihe verlangt werden, spiegeln die Unsicherheit über die künftige Ertragskraft des Unternehmens wider. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass SpaceX erst ab 2030 profitabel arbeiten könnte. Bis dahin wird ein weiterer hoher Kapitalbedarf erwartet, insbesondere für den Ausbau der KI-Sparte und die Entwicklung wiederverwendbarer Raketen.
Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte SpaceX einen Umsatz von knapp 19 Milliarden US-Dollar, wies jedoch einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden US-Dollar aus. Die Bewertung vor dem Börsengang wurde von unabhängigen Analysehäusern auf rund 780 Milliarden US-Dollar geschätzt. Hauptumsatzträger ist derzeit der Satelliten-Internetdienst Starlink. Ein erheblicher Teil der Investitionen fließt jedoch in das KI-Segment, das unter anderem den Chatbot Grok und die Plattform X umfasst.
Strukturelle Risiken und Marktdynamik
Die Kursentwicklung von SpaceX folgt einem Muster, das bei großen Neuemissionen häufiger zu beobachten ist: Nach einer kurzen Phase der Überbewertung kommt es oft zu deutlichen Korrekturen. Fonds, die den Nasdaq-100 oder andere große Indizes abbilden, mussten die Aktie nach deren Aufnahme automatisch kaufen. Ein nachhaltiger Kursschub blieb jedoch aus. Auch Shortseller haben die Aktie ins Visier genommen: Nach Schätzungen von S3 Partners sind derzeit rund 32 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes leerverkauft.
Eine weitere Belastungsprobe steht im August bevor, wenn erste Lock-up-Fristen für Altaktionäre auslaufen und zusätzliche Aktien in den Handel kommen. Insgesamt könnten dann rund 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 116 Milliarden US-Dollar auf den Markt gelangen. Die Mehrheit der Anteile von Elon Musk und weiteren Insidern bleibt jedoch bis mindestens 2027 gesperrt. Die Veröffentlichung der Quartalszahlen Anfang August wird von Marktbeobachtern mit Spannung erwartet, da sie Hinweise auf die Entwicklung der Profitabilität liefern könnte.
Offene Fragen und Fusionsspekulationen
Zuletzt haben Spekulationen über eine mögliche Fusion von SpaceX mit Tesla für zusätzliche Unsicherheit gesorgt. Beide Unternehmen arbeiten in einzelnen Projekten bereits zusammen, etwa bei der Nutzung von Starlink oder im Bereich KI. Elon Musk hat einen Zusammenschluss bislang nicht bestätigt, aber auch nicht ausgeschlossen. Sollte es zu einer Fusion kommen, wäre dies mit erheblichen Auswirkungen auf die Unternehmensstruktur und die Stimmrechtsverhältnisse verbunden. Musk kontrolliert bei SpaceX durch spezielle Stimmrechtsaktien rund 85 Prozent der Stimmen und hält zentrale Führungspositionen.
Die mittelfristige Entwicklung der SpaceX-Aktie bleibt angesichts der hohen Investitionen, der technischen Herausforderungen und der Unsicherheiten über die künftige Profitabilität offen. Für den deutschen und europäischen Raum ist SpaceX vor allem als Anbieter von Satelliteninternet und als Treiber der internationalen Raumfahrt von Bedeutung. Die weitere Entwicklung des Unternehmens wird auch für die europäische Technologie- und Raumfahrtindustrie aufmerksam verfolgt.
Ein Börsengang (IPO) bezeichnet die erstmalige öffentliche Notierung eines Unternehmens an einer Börse. Dabei werden Anteile des Unternehmens in Form von Aktien an Investoren verkauft, um Kapital für Wachstum, Forschung oder andere strategische Ziele zu beschaffen. Der Börsengang ist mit umfangreichen regulatorischen Anforderungen verbunden und führt zu einer erhöhten Transparenzpflicht. Nach dem IPO unterliegt der Aktienkurs den Schwankungen des Kapitalmarkts, die von Unternehmenszahlen, Markttrends und externen Ereignissen beeinflusst werden können.