SMRK VC stellt mit Startup Due Dil ein KI-Tool vor, das die Due Diligence bei Start-up-Investitionen automatisiert. Wie funktioniert das System, welche Risiken bleiben und was bedeutet das für Investoren und Gründer
Die ukrainische Wagniskapitalgesellschaft SMRK VC hat die Einführung von Startup Due Dil bekannt gegeben, einer webbasierten Anwendung, die den Due-Diligence-Prozess bei Start-up-Investitionen mithilfe künstlicher Intelligenz automatisiert. Das Tool wurde von Vlad Tislenko, Partner bei SMRK VC, entwickelt und soll die zeitaufwändige Informationsbeschaffung, -prüfung und -strukturierung für Investoren deutlich beschleunigen.
Automatisierung der Informationsprüfung
Startup Due Dil entstand ursprünglich als internes Werkzeug, um die Bewertung potenzieller Beteiligungen effizienter zu gestalten. Nach Angaben von SMRK VC war der Entwicklungsaufwand mit unter 1.000 Euro vergleichsweise gering. Ziel ist es, die Analyse von Pitch-Decks und weiteren Unterlagen zu standardisieren und in etwa zehn Minuten einen strukturierten Bericht zu liefern. Die Plattform richtet sich vor allem an Venture-Capital- und Private-Equity-Firmen, die technologieorientierte Start-ups prüfen.
Die Anwendung nutzt ein System aus zehn spezialisierten KI-Agenten, die jeweils für unterschiedliche Analysebereiche zuständig sind: Team, Markt, Wettbewerber, Technologie, Produkt, Traktion, Geschäftsmodell, regulatorische Aspekte, Eigentümerstruktur und rechtliche Fragen. Ein sogenannter Oracle-Agent koordiniert die Arbeit der Spezialisten, prüft die Vollständigkeit der Ergebnisse und kann einzelne Analysen bei Bedarf erneut anstoßen.
Funktionsweise und Grenzen des Systems
Für eine erste Analyse genügt das Hochladen eines Pitch-Decks. Optional können weitere Dokumente wie Finanzberichte, Cap Tables oder rechtliche Unterlagen ergänzt werden. Die KI vergleicht die Angaben der Gründer mit öffentlich verfügbaren Informationen und kennzeichnet Risiken, Unstimmigkeiten oder bestätigte Stärken in einem Ampelsystem. Die Berichte enthalten Quellennachweise und sollen Investoren helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Nach Angaben des Entwicklers zeigt sich in der Praxis, dass insbesondere die von Gründern angegebenen Marktgrößen häufig nicht verifizierbar sind. Das System wird daher laufend weiterentwickelt, um auf neue Muster und Rückmeldungen von Investoren zu reagieren. Dennoch bleibt das Risiko bestehen, dass die KI falsche oder unvollständige Informationen liefert. Die Entwickler betonen, dass Startup Due Dil nicht den menschlichen Investitionsentscheid ersetzt, sondern als Ergänzung zur Risikominimierung dient.
Datenschutz und technische Infrastruktur
Die Verarbeitung der Daten erfolgt über externe KI-Modelle, aktuell über die OpenAI API. Die Architektur ist jedoch auch für andere Anbieter wie Anthropic ausgelegt. Nach Angaben von SMRK VC werden die hochgeladenen Dokumente temporär verarbeitet, wobei OpenAI API-Eingaben und -Ausgaben bis zu 30 Tage gespeichert werden können. Die Plattform sieht vor, dass Kundendaten nicht für das Training der Modelle verwendet werden. Entwickler und Administratoren haben keinen Zugriff auf die Inhalte der Arbeitsbereiche oder die Berichte der Nutzer.
Datensicherheit und Vertraulichkeit sind zentrale Anforderungen, da im Due-Diligence-Prozess regelmäßig sensible Finanz-, Eigentums- und Rechtsinformationen verarbeitet werden. Die Plattform verzichtet auf die Anzeige privater Inhalte in administrativen Dashboards und beschränkt den Zugriff auf Support-Logs, um Nutzeranfragen zu bearbeiten.
Marktrelevanz und Perspektiven für Investoren
Die Einführung von Startup Due Dil verdeutlicht den Trend zur Automatisierung von Routineaufgaben im Wagniskapitalmarkt. Während die Plattform den Zeitaufwand für die Erstprüfung deutlich reduziert, bleibt die persönliche Interaktion mit Gründern und Referenzpersonen weiterhin ein zentraler Bestandteil der Investitionsentscheidung. Die Anwendung wird derzeit von SMRK VC im eigenen Portfolio eingesetzt und von weiteren Investoren getestet.
Auch Start-ups können das Tool nutzen, um vor einer Finanzierungsrunde ihre Unterlagen auf typische Schwachstellen zu prüfen. Die zunehmende Verbreitung von KI-gestützter Due Diligence könnte langfristig dazu führen, dass Gründer ihre Pitch-Decks und Datenräume stärker an die Anforderungen automatisierter Analysesysteme anpassen. Ein ähnlicher Trend zur Automatisierung von Analyseprozessen zeigt sich auch in anderen Technologiebereichen, wie etwa bei der Auswertung von Edge-AI-Infrastrukturen im Einzelhandel, worauf ein aktueller Bericht zu Edgify verweist.
Ob sich KI-basierte Due-Diligence-Systeme als Standard etablieren, hängt maßgeblich von ihrer Zuverlässigkeit, Transparenz und der Akzeptanz bei Investoren ab. Die Entwickler von Startup Due Dil betonen, dass die finale Investitionsentscheidung weiterhin menschliche Erfahrung und persönliche Gespräche erfordert.
Der Begriff Due Diligence bezeichnet die sorgfältige Prüfung und Bewertung eines Unternehmens vor einer Investition oder Übernahme. Im Wagniskapitalmarkt umfasst dies die Analyse von Geschäftsmodell, Marktpotenzial, Team, Finanzen, rechtlichen Risiken und weiteren Faktoren. Ziel ist es, Risiken zu identifizieren und die Entscheidungsgrundlage für Investoren zu verbessern. Mit dem Einsatz von KI-Systemen wie Startup Due Dil werden Teile dieses Prozesses automatisiert, die Verantwortung für die finale Bewertung bleibt jedoch beim Menschen.