Steve Eisman, bekannt durch seine Rolle in der Finanzkrise, hat Anteile an Alphabet verkauft und sieht im KI-Sektor Risiken. Was das für Tech-Aktien und den Markt bedeutet, bleibt umstritten
Der US-Investor Steve Eisman, der durch seine Rolle während der Finanzkrise 2007/08 internationale Bekanntheit erlangte, hat sein Engagement im Technologiesektor zuletzt deutlich reduziert. Eisman, der wie Michael Burry durch Short-Positionen auf den US-Immobilienmarkt bekannt wurde, äußerte sich in einem Interview mit CNBC besorgt über die Entwicklung im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Nach eigenen Angaben hat er seine langjährigen Anteile am Technologiekonzern Alphabet verkauft und damit einen Strategiewechsel vollzogen.
Veränderte Einschätzung des KI-Marktes
Bis Ende Mai 2026 hatte Eisman den KI-Boom noch als tragfähige Wachstumsstory bewertet. Insbesondere die Umsatzsteigerungen bei Nvidia und die milliardenschweren Investitionen großer Hyperscaler wie Alphabet, Amazon und Meta galten ihm als Beleg für die anhaltende Dynamik im Sektor. Während Michael Burry bereits frühzeitig vor einer Überbewertung von Nvidia warnte, hielt Eisman zunächst an seiner positiven Einschätzung fest. Nun jedoch sieht er die Gefahr, dass die Erwartungen an die wirtschaftliche Verwertung von KI-Technologien zu hoch angesetzt sein könnten.
Marktreaktionen und Kursverluste bei Tech-Aktien
Die jüngsten Äußerungen Eismans wurden von Marktteilnehmern als Signal für eine mögliche Abkühlung im Technologiesektor interpretiert. Am 27. Juli 2026 verzeichneten mehrere KI- und Chipwerte deutliche Kursverluste: Die Aktie von Nvidia fiel um rund 4,5 Prozent, ASML verlor 5,8 Prozent und AMD 5,5 Prozent. Im Gegensatz dazu konnte Alphabet mit einem Kursplus von etwa 2,5 Prozent erneut einen Marktwert von über vier Billionen US-Dollar erreichen. Die Umschichtung von Kapital aus KI- und Chipwerten führte laut CNBC zu deutlichen Kursgewinnen bei Krypto-Aktien wie Bitmine Immersion, Strategy und Coinbase. Der Kryptomarkt insgesamt blieb jedoch weitgehend stabil, mit nur geringen Zuwächsen laut Coinmarketcap.
Risiken und Unsicherheiten im KI-Sektor
Eisman betonte, dass viele Investorinnen und Investoren die Risiken unterschätzen könnten, die mit dem aktuellen KI-Boom verbunden sind. Insbesondere die Frage, ob die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur und -Anwendungen tatsächlich die erwarteten Renditen erzielen, bleibt offen. In der Vergangenheit hatte Eisman die großen US-Technologiekonzerne für ihre Innovationskraft gelobt, sieht nun aber die Gefahr, dass die Markterwartungen zu ambitioniert sein könnten. Auch andere Marktbeobachter verweisen darauf, dass die Bewertung vieler KI-Unternehmen stark von zukünftigen Wachstumsprognosen abhängt, deren Realisierung unsicher ist.
Vergleich mit anderen KI-Entwicklungen
Die aktuelle Skepsis gegenüber KI-Investments steht im Kontrast zu anderen Entwicklungen im Sektor. So setzen Unternehmen wie Anthropic weiterhin auf die Erweiterung ihrer KI-Plattformen, etwa durch neue Funktionen zur Prozessaufzeichnung. Ein Beispiel dafür ist die Einführung der Funktion "Record a skill" bei Claude Cowork, die laut Glocalist Press neue Möglichkeiten für den Unternehmenseinsatz von KI eröffnet. Die unterschiedlichen Strategien und Bewertungen im Markt zeigen, wie heterogen die Einschätzungen zur Zukunft der KI-Technologien derzeit sind.
Der Begriff "Hyperscaler" bezeichnet große Cloud- und Plattformanbieter wie Alphabet, Amazon oder Meta, die durch massive Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur die technologische Entwicklung maßgeblich prägen. Diese Unternehmen verfügen über die Ressourcen, um neue KI-Anwendungen im industriellen Maßstab zu entwickeln und zu betreiben. Ihre Investitionsentscheidungen beeinflussen nicht nur die Bewertung von KI-Unternehmen, sondern auch die Entwicklung von Hardware, Software und Dienstleistungen im gesamten Technologiesektor.