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Studie: Deutsche Reisende setzen zunehmend auf KI bei Urlaubsplanung

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Studie: Deutsche Reisende setzen zunehmend auf KI bei Urlaubsplanung Glocalist Press © glocalist.press
Studie: Deutsche Reisende setzen zunehmend auf KI bei Urlaubsplanung © glocalist.press

Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt: Künstliche Intelligenz wird bei der Wahl von Reisezielen und Unterkünften für viele Deutsche relevant. Welche Anwendungen bereits genutzt werden und wo Unsicherheiten bleiben, analysiert Glocalist Press

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der privaten Reiseplanung nimmt in Deutschland spürbar zu. Nach einer im August 2026 veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Personen ab 16 Jahren, darunter 930 aktive Urlaubsreisende, greifen bereits 24 Prozent der Befragten auf KI-basierte Vorschläge für Reiseziele zurück. Weitere 41 Prozent können sich vorstellen, solche digitalen Assistenten künftig einzusetzen. Damit zeigt sich eine wachsende Offenheit für KI-gestützte Entscheidungsunterstützung im Freizeitbereich.

Ergebnisse der Bitkom-Umfrage im Detail

Die Erhebung von Bitkom liefert erstmals belastbare Zahlen zur Akzeptanz von KI-Anwendungen im deutschen Reisemarkt. Demnach sind insgesamt 65 Prozent der befragten Urlauberinnen und Urlauber offen für KI-gestützte Empfehlungen bei der Wahl des Reiseziels. Bei der Suche nach Unterkünften haben 19 Prozent bereits KI-Anwendungen genutzt, während 44 Prozent eine künftige Nutzung in Betracht ziehen. Für die Buchung von Flug- oder Bahntickets fällt die Bereitschaft geringer aus: 19 Prozent haben entsprechende KI-Tools bereits eingesetzt, 22 Prozent zeigen sich offen für eine spätere Nutzung. Die Zahlen deuten darauf hin, dass KI insbesondere in der frühen Planungsphase an Bedeutung gewinnt, während bei konkreten Buchungsentscheidungen noch Zurückhaltung besteht.

Auch bei der Organisation des Reisealltags zeigt sich ein differenziertes Bild: 25 Prozent der Befragten haben bereits eine Packliste mithilfe von KI erstellt oder können sich dies vorstellen. Für das eigentliche Packen des Koffers liegt die Bereitschaft mit 6 Prozent tatsächlicher Nutzung und 19 Prozent potenzieller Nutzung deutlich niedriger. Besonders hoch ist das Interesse an aktuellen Informationen zum Reiseziel, etwa zu Reisehinweisen, Impfungen oder kulturellen Besonderheiten: 5 Prozent haben KI hierfür bereits genutzt, 46 Prozent können sich eine Nutzung vorstellen.

Technologische und gesellschaftliche Einordnung

Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln einen Trend wider, der sich auch in anderen Lebensbereichen beobachten lässt: Die Akzeptanz von KI-Anwendungen steigt, sobald diese konkrete Vorteile im Alltag bieten. Im Kontext der Reiseplanung bedeutet dies, dass KI-Systeme vor allem dann genutzt werden, wenn sie helfen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu bündeln und personalisierte Empfehlungen zu geben. Die technische Grundlage bilden meist Sprachmodelle oder Empfehlungssysteme, die auf Nutzerpräferenzen, Budgetvorgaben und Reisedaten zugreifen. Die tatsächliche Qualität der Vorschläge hängt jedoch von der Datenbasis, der Aktualität der Informationen und der Transparenz der Algorithmen ab. Bislang liegen keine unabhängigen Studien zur Effektivität der eingesetzten Systeme im deutschen Reisemarkt vor.

Gesellschaftlich relevant ist die Frage, inwieweit KI-basierte Empfehlungen bestehende Informationsasymmetrien abbauen oder neue Abhängigkeiten schaffen. Während digitale Assistenten die Recherche vereinfachen können, bleibt unklar, wie stark kommerzielle Interessen, etwa durch gezielte Platzierung von Angeboten, die Vorschläge beeinflussen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist zudem oft nicht transparent, auf welchen Daten die Empfehlungen beruhen und wie personenbezogene Informationen verarbeitet werden.

Offene Fragen und regulatorische Aspekte

Die zunehmende Nutzung von KI in der Reiseplanung wirft auch Fragen zum Datenschutz und zur Regulierung auf. Zwar unterliegen Anbieter von KI-Anwendungen in Deutschland und der EU bereits bestehenden Datenschutzvorgaben, etwa der DSGVO. Dennoch bleibt offen, wie Anbieter die Einhaltung dieser Vorgaben in komplexen Empfehlungssystemen technisch und organisatorisch sicherstellen. Insbesondere bei der Verarbeitung sensibler Reisedaten und Präferenzen ist die Transparenz der Datenflüsse entscheidend. Bislang gibt es keine spezifischen gesetzlichen Vorgaben, die den Einsatz von KI in der Reisebranche gesondert regeln. Die Europäische Union arbeitet jedoch an einer umfassenden KI-Regulierung, die auch Empfehlungssysteme und personalisierte Dienste betreffen könnte.

Ein weiteres offenes Feld ist die Frage nach der Haftung für fehlerhafte oder irreführende Empfehlungen. Während klassische Reisebüros für Beratungsfehler haftbar gemacht werden können, ist die Rechtslage bei KI-basierten Vorschlägen bislang nicht abschließend geklärt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt daher Unsicherheit, inwieweit sie sich auf die Zuverlässigkeit der digitalen Assistenten verlassen können.

Marktpotenzial und wirtschaftliche Folgen

Für Unternehmen der Reisebranche eröffnet die wachsende Akzeptanz von KI-Anwendungen neue Marktchancen. Digitale Plattformen und Anbieter von Empfehlungssystemen können ihre Dienste gezielt auf die Bedürfnisse einer technikaffinen Kundengruppe zuschneiden. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck, da klassische Anbieter ohne KI-Kompetenz Gefahr laufen, Marktanteile zu verlieren. Die Integration von KI in bestehende Buchungs- und Informationssysteme erfordert jedoch Investitionen in Technologie, Datenmanagement und Datenschutz. Für kleinere Anbieter könnten die technischen und regulatorischen Anforderungen eine Hürde darstellen.

Langfristig könnte die Verbreitung von KI-gestützten Reiseassistenten dazu führen, dass sich die Wertschöpfungsketten im Reisemarkt verschieben. Plattformen, die über hochwertige Daten und leistungsfähige Algorithmen verfügen, könnten eine stärkere Rolle bei der Steuerung von Nachfrage und Angebot einnehmen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt entscheidend, wie transparent und nachvollziehbar die Empfehlungen gestaltet sind und ob sie tatsächlich zu besseren Entscheidungen führen.

Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet Systeme, die in der Lage sind, Aufgaben zu übernehmen, die bislang menschliche Intelligenz erforderten. Im Kontext der Reiseplanung kommen vor allem Sprachmodelle und Empfehlungssysteme zum Einsatz, die große Mengen an Daten analysieren und daraus personalisierte Vorschläge ableiten. Die Qualität solcher Systeme hängt maßgeblich von der Datenbasis, der Aktualität der Informationen und der Transparenz der Algorithmen ab. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es wichtig, die Funktionsweise und mögliche Einschränkungen dieser Technologien zu kennen, um informierte Entscheidungen treffen zu können.

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