Ein US-Berufungsgericht hat das Verbot für den KI-Einkaufsassistenten von Perplexity auf Amazon aufgehoben. Die Entscheidung könnte Auswirkungen auf den Einsatz von KI-Agenten auf Online-Plattformen haben
Ein US-Berufungsgericht in San Francisco hat am 4. Juni 2026 ein zuvor verhängtes Verbot gegen den KI-Einkaufsassistenten des Unternehmens Perplexity aufgehoben. Damit darf der von künstlicher Intelligenz gesteuerte Assistent voraussichtlich wieder auf der Plattform von Amazon eingesetzt werden. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass nicht Perplexity selbst, sondern die Nutzerinnen und Nutzer der KI-Agenten auf die Amazon-Plattform zugreifen. Nach Einschätzung des Gerichts liegt somit kein unbefugter Zugriff im Sinne des US-Gesetzes zur Computerkriminalität vor.
Hintergrund des Rechtsstreits
Amazon hatte Perplexity vorgeworfen, mit dem Einsatz seines KI-Agenten gegen das US-amerikanische Gesetz zur Computerkriminalität (Computer Fraud and Abuse Act) zu verstoßen. Konkret ging es um die Frage, ob automatisierte KI-Systeme im Auftrag von Nutzerinnen und Nutzern auf Online-Plattformen wie Amazon zugreifen dürfen. Das nun aufgehobene Verbot war eine vorläufige gerichtliche Anordnung, die Perplexity den Zugang zu Amazon untersagte, bis eine endgültige Entscheidung vorliegt.
Relevanz für KI-Agenten und Plattformen
Die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts ist die erste ihrer Art in den USA, die sich explizit mit dem Einsatz von KI-Agenten auf großen Online-Plattformen befasst. Sie könnte als Präzedenzfall für ähnliche Verfahren dienen und hat potenziell weitreichende Folgen für Anbieter von KI-Werkzeugen, die Aufgaben wie das automatisierte Einkaufen oder Surfen im Internet übernehmen. Die rechtliche Bewertung, ob der Zugriff durch KI-Agenten als unbefugt gilt, ist für die weitere Entwicklung des Marktes für agentische KI-Systeme von zentraler Bedeutung.
Reaktionen der beteiligten Unternehmen
Amazon hat nach der Entscheidung mitgeteilt, dass das Unternehmen mit dem Urteil nicht einverstanden ist, aber weiterhin zuversichtlich in das weitere Verfahren blickt und mögliche nächste Schritte prüft. Perplexity betonte, man werde sich weiterhin für das Recht der Nutzerinnen und Nutzer einsetzen, die KI ihrer Wahl zu verwenden. Ob und wie Amazon auf technischer oder rechtlicher Ebene auf das Urteil reagieren wird, bleibt offen.
Die genaue Zahl der betroffenen Nutzerinnen und Nutzer oder das Ausmaß der bisherigen Nutzung des Perplexity-Assistenten auf Amazon wurde bislang nicht veröffentlicht. Auch ist unklar, ob weitere Plattformen ähnliche rechtliche Schritte gegen KI-Agenten planen oder bereits eingeleitet haben.
Agentische KI-Systeme sind Softwarelösungen, die eigenständig im Auftrag von Menschen Aufgaben im Internet ausführen können, etwa das Suchen, Vergleichen oder Einkaufen. Sie unterscheiden sich von klassischen Automatisierungslösungen durch ihre Fähigkeit, komplexe Abläufe zu steuern und auf wechselnde Anforderungen zu reagieren. Die rechtliche Einordnung solcher Systeme ist international noch nicht abschließend geklärt und wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen.