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Again übernimmt Genomatica und erweitert KI-gestützte Bioproduktion

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Again übernimmt Genomatica und erweitert KI-gestützte Bioproduktion Glocalist Press © glocalist.press
Again übernimmt Genomatica und erweitert KI-gestützte Bioproduktion © glocalist.press

Das Technologieunternehmen Again hat die Übernahme von Genomatica bekannt gegeben. Ziel ist die Verbindung von KI-gestützter Moleküldesign-Plattform und industrieller Biotechnologie. Die finanziellen Details bleiben offen

Das Technologieunternehmen Again hat die Übernahme des US-amerikanischen Biotechnologieunternehmens Genomatica (Geno) angekündigt. Die Transaktion wurde offiziell bestätigt, konkrete finanzielle Details wurden jedoch nicht veröffentlicht. Mit dem Zusammenschluss will Again seine Kompetenzen in der Entwicklung und Skalierung biotechnologischer Produktionsprozesse ausbauen und die eigene KI-gestützte Plattform um zusätzliche Daten und Patente erweitern.

Strategische Ziele der Übernahme

Again entwickelt Produktionswege, die verschiedene Rohstoffe für die Herstellung industrieller Produkte nutzbar machen. Durch die Integration von Genomatica erhält das Unternehmen Zugang zu einer umfangreichen Plattform für KI-gestützte Moleküldesigns, einem breiten Patentportfolio sowie experimentellen und strukturellen Forschungsdaten. Nach Angaben von Again soll dies die Entwicklung neuer Produktionspfade beschleunigen und die Modellierung von biotechnologischen Prozessen verbessern.

Genomatica ist auf die Entwicklung biotechnologischer Verfahren zur Herstellung von Chemikalien und Materialien aus erneuerbaren Rohstoffen spezialisiert. Die bisherigen Aktivitäten von Again konzentrierten sich auf feedstock-unabhängige Technologien und industrielle Skalierung. Durch die Übernahme entsteht ein Unternehmen, das den gesamten Prozess von der Entdeckung neuer Stoffwechselwege bis zur industriellen Produktion abdecken will.

Technologische und wirtschaftliche Einordnung

Im Zentrum der Übernahme steht die Zusammenführung von Genomaticas KI- und Datenplattform mit den industriellen Produktionskapazitäten von Again. Die Plattform von Genomatica umfasst laut Unternehmensangaben Daten aus experimenteller Forschung, Strukturanalysen, Prozessentwicklung und Ergebnissen aus der Skalierung. Again plant, diese Ressourcen in die eigene Infrastruktur zu integrieren, um die Entwicklungszyklen für neue Produkte zu verkürzen und die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Kommerzialisierung biotechnologischer Verfahren zu erhöhen.

Die Unternehmen sehen in der Kombination von KI-gestützter Entdeckung und industrieller Umsetzung einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die entweder nur auf Forschung oder nur auf Produktion spezialisiert sind. Unabhängige Bewertungen der technologischen Leistungsfähigkeit oder der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der neuen Plattform liegen bislang nicht vor. Auch bleibt offen, wie schnell die Integration der Systeme erfolgen kann und welche konkreten Produkte oder Märkte zuerst adressiert werden.

Kommerzielle Modelle und offene Fragen

Again plant, die erweiterte Plattform über verschiedene Geschäftsmodelle zu vermarkten. Dazu zählen die Lizenzierung der Technologie, die gemeinsame Entwicklung von Produktionswegen mit Industriepartnern sowie die eigene Herstellung von Produkten in bestehenden und geplanten Anlagen. Angaben zu bestehenden Kunden, laufenden Projekten oder geplanten Investitionen wurden im Rahmen der Übernahme nicht veröffentlicht.

Die Übernahme erfolgt in einem Marktumfeld, in dem die industrielle Biotechnologie und der Einsatz von KI in der Prozessentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für den deutschen und europäischen Markt bleibt abzuwarten, ob und in welchem Umfang die neuen Technologien und Produktionskapazitäten auch hier verfügbar gemacht werden. Angaben zu Standorten, Beschäftigten oder geplanten Investitionen in Europa wurden bislang nicht gemacht.

Die Übernahme von Genomatica durch Again verdeutlicht die wachsende Bedeutung von KI-gestützten Plattformen in der industriellen Biotechnologie. Während die Unternehmen auf Synergien zwischen Moleküldesign, Datenanalyse und industrieller Umsetzung setzen, bleibt die tatsächliche Leistungsfähigkeit der kombinierten Plattform vorerst eine offene Frage. Für den europäischen Markt ist insbesondere relevant, ob die neuen Technologien und Produktionskapazitäten auch in Deutschland oder der EU etabliert werden.

Im Kontext industrieller Biotechnologie bezeichnet der Begriff "Bioprozess-Engineering" die Entwicklung, Optimierung und Skalierung biologischer Produktionsverfahren für industrielle Anwendungen. Dabei werden mikrobiologische, chemische und ingenieurwissenschaftliche Methoden kombiniert, um aus unterschiedlichen Rohstoffen - etwa Zucker, Pflanzenölen oder Abfallstoffen - Chemikalien, Materialien oder Kraftstoffe herzustellen. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in diesem Bereich zielt darauf ab, neue Stoffwechselwege schneller zu identifizieren, Prozesse effizienter zu gestalten und die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Übertragung vom Labor in die industrielle Produktion zu erhöhen.

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