Apple hat im Rahmen neuer EU-Vorgaben erstmals detaillierte Zahlen zu Gewinn und Steuerzahlungen in Deutschland und Irland veröffentlicht. Die Angaben werfen ein neues Licht auf die Steuerpraxis des US-Konzerns in Europa
Apple hat im Zuge verschärfter Transparenzanforderungen der Europäischen Union erstmals länderspezifische Angaben zu Gewinn und Steuerzahlungen in Europa veröffentlicht. Der US-Technologiekonzern veröffentlichte einen Steuerbericht für das am 30. September 2025 beendete Geschäftsjahr, der detaillierte Einblicke in die finanzielle Situation der deutschen Tochtergesellschaften sowie anderer europäischer Standorte bietet. Die Veröffentlichung folgt auf neue EU-Regeln, die multinationale Unternehmen zu einer stärkeren Offenlegung ihrer Steuerpraktiken verpflichten.
Steuerbericht zeigt Zahlen für Deutschland
Für Deutschland weist der Bericht einen Vorsteuergewinn von rund 209 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 178 Millionen Euro) aus. Darauf entfielen Ertragsteuern in Höhe von 153,5 Millionen US-Dollar (131,2 Millionen Euro). Der Gesamtumsatz der deutschen Apple-Gesellschaften lag im genannten Zeitraum bei 2,72 Milliarden US-Dollar (2,33 Milliarden Euro). Apple beschäftigte in Deutschland zum Stichtag 4.089 Mitarbeitende, darunter mehr als 2.000 Ingenieurinnen und Ingenieure am European Silicon Design Center in München, das als größter Entwicklungsstandort des Unternehmens in Europa gilt.
Irland bleibt zentraler Standort für Apple in Europa
Besonders auffällig ist die Höhe der tatsächlich gezahlten Steuern in Irland: Für das Geschäftsjahr 2025 meldet Apple dort eine Steuerzahlung von 17,08 Milliarden US-Dollar (14,60 Milliarden Euro). Diese außergewöhnlich hohe Summe steht laut Unternehmensangaben im Zusammenhang mit der Auflösung eines Treuhandkontos, das im Zuge der Beihilfe-Entscheidung der Europäischen Kommission und eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs eingerichtet worden war. Irland bleibt damit ein zentraler Standort für die europäischen Aktivitäten von Apple, insbesondere im Hinblick auf Steuerfragen und die Konzernstruktur.
Hintergrund der Offenlegung und regulatorische Einordnung
Die Veröffentlichung der länderspezifischen Steuerdaten erfolgt vor dem Hintergrund neuer EU-Vorschriften, die auf eine stärkere Steuertransparenz multinationaler Unternehmen abzielen. Ziel ist es, die Steuerpraktiken großer Konzerne nachvollziehbarer zu machen und aggressive Steuervermeidung einzudämmen. Die aktuellen Zahlen von Apple bieten erstmals einen detaillierten Einblick in die Verteilung von Gewinnen und Steuerzahlungen innerhalb der EU. Unabhängige Überprüfungen der Angaben liegen bislang nicht vor. Es bleibt offen, wie sich die neuen Transparenzregeln langfristig auf das Steuerverhalten internationaler Technologiekonzerne auswirken werden.
Die länderspezifische Offenlegung von Steuerdaten ist Teil der sogenannten Country-by-Country-Reporting-Pflicht, die für große multinationale Unternehmen in der EU seit 2024 gilt. Ziel dieser Regelung ist es, Steuerstrukturen transparenter zu machen und die öffentliche Kontrolle über die Steuerpraxis internationaler Konzerne zu stärken. Die Angaben ermöglichen es, Unterschiede in der Besteuerung zwischen einzelnen Mitgliedstaaten sichtbar zu machen und dienen als Grundlage für politische und regulatorische Debatten über Steuerwettbewerb und Steuergerechtigkeit in Europa.