• 4 Minuten Lesezeit
  • Veröffentlicht

Brasiliens Zentralbank verschärft Pix-Sicherheitsregeln für neue Geräte

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Brasiliens Zentralbank verschärft Pix-Sicherheitsregeln für neue Geräte Glocalist Press © glocalist.press
Brasiliens Zentralbank verschärft Pix-Sicherheitsregeln für neue Geräte © glocalist.press

Die Zentralbank Brasiliens führt neue Sicherheitsmaßnahmen für das Bezahlsystem Pix ein. Transfers von unbekannten Geräten werden limitiert, Banken dürfen verdächtige Zahlungen vorübergehend sperren. Was das für Nutzer und Institute bedeutet

Die Zentralbank Brasiliens hat neue Sicherheitsvorgaben für das landesweit verbreitete Echtzeit-Bezahlsystem Pix veröffentlicht. Ziel ist es, das Risiko von Betrugsfällen und unbefugtem Zugriff auf Nutzerkonten weiter zu reduzieren. Die Maßnahmen betreffen insbesondere Transaktionen, die von bislang nicht registrierten Endgeräten ausgehen, sowie den Umgang mit verdächtigen Zahlungsvorgängen.

Beschränkungen für nicht registrierte Geräte

Nach den aktualisierten Regeln dürfen Nutzer, die sich erstmals von einem neuen, noch nicht bei ihrer Bank hinterlegten Gerät anmelden, nur eingeschränkt Geld über Pix transferieren. Pro Transaktion gilt ein Limit von umgerechnet etwa 40 US-Dollar (200 brasilianische Real), der Tageshöchstbetrag liegt bei rund 201 US-Dollar (1.000 Real). Erst nach einer formellen Gerätevalidierung durch das jeweilige Finanzinstitut werden die üblichen Überweisungslimits wieder freigeschaltet. Die Zentralbank begründet diese Maßnahme mit dem Ziel, sicherzustellen, dass der Zugriff tatsächlich durch den rechtmäßigen Kontoinhaber erfolgt. Die Einschränkung wird automatisch aktiviert, sobald das System ein abweichendes Nutzungsverhalten erkennt.

72-Stunden-Sperre bei verdächtigen Zahlungen

Zusätzlich erhalten Banken und Zahlungsdienstleister wie Nubank, Itaú Unibanco und Caixa Econômica Federal die Möglichkeit, eingehende Pix-Überweisungen für bis zu 72 Stunden zu blockieren, wenn ein Betrugsverdacht besteht. Während dieser Zeit bleibt das Geld zwar auf dem Empfängerkonto sichtbar, kann aber nicht verwendet werden. Die Institute prüfen in diesem Zeitraum intern, ob tatsächlich ein Betrugsfall vorliegt. Wird der Vorgang als unbedenklich eingestuft, erfolgt die Freigabe der Mittel. Bei bestätigtem Betrug wird der Betrag an den Absender zurücküberwiesen. Die Zentralbank sieht darin einen weiteren Schritt, um Banken stärker in die Verantwortung für die Echtzeitüberwachung von Zahlungsströmen zu nehmen.

Bestehende Nachtlimits und Hintergrund

Unverändert bleibt das bereits zuvor eingeführte nächtliche Überweisungslimit für Privatpersonen: Zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr dürfen maximal 1.000 Real (etwa 201 US-Dollar) pro Nacht transferiert werden. Diese Regelung wurde eingeführt, um das Risiko von Überfällen und Erpressungen in den Nachtstunden zu senken. Nutzer können eine Erhöhung dieses Limits beantragen, die Entscheidung liegt jedoch nach wie vor im Ermessen der jeweiligen Bank und erfolgt erst nach einer Risikoprüfung.

Wachstum von Pix und Herausforderungen für die Sicherheit

Pix wurde im November 2020 eingeführt und hat sich seitdem zu einem der meistgenutzten Echtzeit-Zahlungssysteme weltweit entwickelt. Nach Angaben der Zentralbank werden jährlich Milliarden von Transaktionen über die Plattform abgewickelt. Mit dem starken Wachstum ist jedoch auch die Zahl der Betrugsfälle gestiegen, insbesondere durch Social-Engineering-Angriffe und unbefugte Kontoübernahmen. Die aktuellen Maßnahmen sind Teil einer schrittweisen Verschärfung der Sicherheitsarchitektur, ohne den Komfort für reguläre Nutzer auf bekannten Geräten wesentlich einzuschränken. Für Banken und Zahlungsdienstleister steigen damit die Anforderungen an die Überwachung und Prävention von Betrugsfällen weiter an.

Pix ist ein von der brasilianischen Zentralbank entwickeltes Echtzeit-Zahlungssystem, das Überweisungen zwischen Banken, Zahlungsdienstleistern und Endkunden rund um die Uhr ermöglicht. Im Unterschied zu klassischen Überweisungen werden Transaktionen in Sekunden ausgeführt. Die hohe Geschwindigkeit und Verfügbarkeit erhöhen jedoch auch die Anforderungen an die Betrugsprävention, da verdächtige Zahlungen kaum noch gestoppt werden können, sobald sie einmal ausgelöst wurden. Die neuen Sicherheitsmechanismen sollen dieses Risiko gezielt adressieren.Schlagwörter: Fintech, Cybersicherheit, Brasilien

Ähnliche Artikel