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Claroty-Bericht: Sicherheitslücken in Rechenzentren gefährden Betrieb

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Claroty-Bericht: Sicherheitslücken in Rechenzentren gefährden Betrieb Glocalist Press © glocalist.press
Claroty-Bericht: Sicherheitslücken in Rechenzentren gefährden Betrieb © glocalist.press

Ein neuer Bericht von Claroty zeigt, dass jedes fünfte cyber-physische System in Rechenzentren gravierende Schwachstellen aufweist. Welche Risiken das für Betreiber und Infrastruktur bedeutet, bleibt umstritten

Die Sicherheit von Rechenzentren steht erneut im Fokus: Laut einem aktuellen Bericht des IT-Sicherheitsunternehmens Claroty weisen rund 20 Prozent der cyber-physischen Systeme (CPS) in großen Rechenzentren erhebliche Schwachstellen auf. Diese Systeme, zu denen unter anderem Gebäudeautomationslösungen, unterbrechungsfreie Stromversorgungen und Klimatisierungseinheiten zählen, sind demnach häufig nur unzureichend gegen interne und externe Angriffe geschützt.

Analyse von über 750.000 Komponenten

Für den Bericht "State of CPS Security: Data Center Exposures" hat Claroty nach eigenen Angaben mehr als 750.000 CPS-Komponenten in weltweit führenden Rechenzentren untersucht. Die Analyse umfasst sowohl klassische Infrastruktur wie Generatoren und Stromversorgungen als auch moderne Managementsysteme für Gebäude und IT. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele dieser Komponenten potenziell über nur einen Angriffspfad kompromittiert werden könnten, was Angreifern den Zugang zu kritischen Bereichen der Rechenzentrumsinfrastruktur ermöglichen würde.

Die Untersuchung hebt hervor, dass insbesondere ältere oder nicht mehr patchbare Systeme ein erhöhtes Risiko darstellen. In vielen Fällen fehlt eine konsequente Segmentierung der Netzwerke, sodass sich Angreifer nach einem ersten Zugriff lateral im System bewegen könnten. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen einer erfolgreichen Attacke auf Rechenzentren werden angesichts der zunehmenden Bedeutung von KI-Anwendungen und digitaler Infrastruktur als erheblich eingeschätzt.

Empfohlene Schutzmaßnahmen und Herausforderungen

Claroty empfiehlt Betreibern von Rechenzentren, ein kontinuierliches Exposure Management einzuführen, um interne Angriffspfade frühzeitig zu erkennen. Zudem wird der Einsatz von Zero-Trust-Netzwerksegmentierung als zentrale Maßnahme genannt, um die Ausbreitung von Angriffen zu begrenzen. Die Härtung von Gebäude-Managementsystemen, insbesondere zur Isolierung nicht mehr aktualisierbarer Altsysteme, gilt als weiterer wichtiger Schritt. Ergänzend rät Claroty zu protokollbasierten Bedrohungserkennungslösungen, um verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu identifizieren.

Die Umsetzung dieser Empfehlungen ist jedoch mit technischen und organisatorischen Herausforderungen verbunden. Viele Rechenzentren betreiben eine heterogene Infrastruktur mit Komponenten unterschiedlicher Hersteller und Generationen. Die Integration neuer Sicherheitslösungen in bestehende Systeme erfordert daher sorgfältige Planung und kann mit erheblichen Investitionen verbunden sein. Auch regulatorische Vorgaben, etwa aus der NIS-2-Richtlinie der EU, erhöhen den Handlungsdruck auf Betreiber.

Relevanz für Deutschland und Europa

Die Ergebnisse des Claroty-Berichts sind auch für den deutschen und europäischen Markt von Bedeutung. Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Wirtschaft und sind für zahlreiche kritische Dienste unverzichtbar. Angesichts der wachsenden Abhängigkeit von Cloud-Infrastrukturen und KI-Anwendungen steigt die Anfälligkeit für gezielte Angriffe. Die Diskussion um die Sicherheit digitaler Infrastrukturen ist daher nicht auf einzelne Anbieter beschränkt, sondern betrifft die gesamte Wertschöpfungskette.

Im Kontext der zunehmenden Digitalisierung und der Debatte um Resilienz digitaler Systeme verweisen Branchenbeobachter auf die Notwendigkeit, Sicherheitslücken frühzeitig zu adressieren. Auch andere Entwicklungen im Technologiesektor, wie etwa die jüngst gemeldete Finanzierung des Heidelberger KI-Startups kausable, das sich auf Diagnostiklösungen spezialisiert, zeigen die wachsende Bedeutung von IT-Sicherheit und Infrastruktur für den Standort Europa. Ein Überblick zu dieser Entwicklung findet sich unter anderem in diesem Beitrag zur aktuellen Finanzierung im Diagnostikmarkt.

Die Frage, wie Betreiber von Rechenzentren mit den identifizierten Risiken umgehen und welche Investitionen tatsächlich in die Absicherung fließen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Sicherheit cyber-physischer Systeme zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für die digitale Infrastruktur geworden ist.

Cyber-physische Systeme (CPS) verbinden physische Prozesse mit digitalen Steuerungen und Netzwerken. In Rechenzentren steuern sie etwa Energieversorgung, Klimatisierung oder Zutrittskontrolle. Ihre Sicherheit ist entscheidend, da Schwachstellen nicht nur IT-Systeme, sondern auch physische Infrastruktur gefährden können. Die Komplexität und Heterogenität dieser Systeme erschweren die Absicherung, insbesondere wenn ältere Komponenten nicht mehr mit aktuellen Sicherheitsupdates versorgt werden können. Eine konsequente Segmentierung und Überwachung der Netzwerke gilt daher als zentrale Voraussetzung für den Schutz moderner Rechenzentren.

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