Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft zeigt: 75 Prozent der Wahlberechtigten sprechen sich für den Erhalt oder Ausbau der Solarförderung aus. Was bedeutet das für die laufende EEG-Novelle?
Im Bundestag wächst der Druck: Die laufenden Beratungen zur EEG-Novelle 2027 geraten durch neue Umfragedaten in Bewegung. 75 Prozent der Wahlberechtigten wollen die Förderung von Solardächern erhalten oder sogar ausbauen. Das ergab eine repräsentative YouGov-Erhebung im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft, veröffentlicht am 9. Oktober 2026.
Nur 13 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Kürzung aus. Die Zustimmung zieht sich quer durch die Parteienlandschaft. Bei CDU/CSU-Anhängern liegt sie bei 74 Prozent, bei der SPD bei 77 Prozent. Bündnis 90/Die Grünen erreichen 90 Prozent, die Linke 83 Prozent. Selbst unter AfD-Wählern lehnen 63 Prozent Kürzungen ab.
Die Veröffentlichung der Umfrage fällt mitten in die entscheidende Phase der Gesetzesberatungen. Im Wirtschaftsausschuss des Bundestags fanden am 5. Oktober 2026 zwei öffentliche Anhörungen statt. Experten machten dort klar, dass der aktuelle Entwurf zur EEG-Novelle 2027 noch erhebliche Lücken aufweist. Eine endgültige Entscheidung steht aus. Parallel laufen Debatten über Änderungen an Verordnungen zu erneuerbaren Energien und am Marktstammdatenregister. Das geht aus offiziellen Bundestagsunterlagen hervor.
Solarförderung bleibt ein zentrales Werkzeug der deutschen Energiepolitik. Sie soll den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und die Abhängigkeit von Importen verringern. Angesichts steigender Energiepreise und der Klimakrise stellt sich die Frage, ob Kürzungen bei einer der günstigsten heimischen Energiequellen politisch durchsetzbar sind. Die Umfragewerte liefern ein klares Signal aus der Bevölkerung. Ein wichtiger Grund für die geplanten Gesetzesänderungen: Die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission für die EEG-Förderung läuft am 31. Dezember 2026 aus. Damit müssen die Fördermechanismen an EU-Vorgaben und Wettbewerbsrecht angepasst werden.
Der Entwurf des EEG 2027 sieht eine grundlegende Umstellung der Förderarchitektur vor: Die Abschaffung des festen Einspeisetarifs für neue Anlagen, die verpflichtende Direktvermarktung auch für private Betreiber, die Einführung von Differenzverträgen (CfD) sowie eine Anpassung der Ausschreibungsvolumina.
Die Debatte um die Solarförderung läuft parallel zu milliardenschweren Investitionen in Windkraft und Speichertechnologien. In der Lausitz entstehen laut einem früheren Bericht Großprojekte. Die EEG-Novelle sieht für neue Photovoltaikanlagen unter 25 kW bis Ende 2028 weiterhin eine feste Vergütung vor. Allerdings wird die Förderdauer von 20 auf 3 Jahre verkürzt und der Vergütungssatz von rund 8 auf etwa 5,2 Cent pro kWh gesenkt. Für private Haushalte und kleine Unternehmen könnte das die Wirtschaftlichkeit neuer Solaranlagen spürbar verschlechtern.
Die Umfrage liefert keine absoluten Zahlen zu installierten Solardachkapazitäten oder zum Fördervolumen. Sie zeigt aber, wie groß die gesellschaftliche Akzeptanz für eine Fortsetzung oder Ausweitung der Förderung ist. Der Bundesverband Solarwirtschaft betont, dass jede zusätzliche Solaranlage die Abhängigkeit von teuren Energieimporten senkt und Stromkosten drückt. Branchenvertreter werten die Umfrage als Signal an den Bundestag, die Förderung nicht zu beschneiden. Fachleute warnen, dass die Abschaffung des festen Einspeisetarifs und die verpflichtende Direktvermarktung für kleine PV-Anlagen die Nachfrage um bis zu 50 Prozent einbrechen lassen könnten. Das würde die Ausbauziele für erneuerbare Energien und Klimaschutz gefährden.
Wie weit die Politik die dokumentierte Mehrheitsmeinung in Gesetzestext gießt, bleibt offen. Die Umfrage liefert eine belastbare Grundlage, lässt aber viele Details der künftigen Förderbedingungen ungeklärt. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht laufend technische und regulatorische Vorgaben zur Netzstabilität und zum Ausbau erneuerbarer Energien. Diese Vorgaben bestimmen maßgeblich die Ausgestaltung der neuen Fördermechanismen. Weitere Informationen zu aktuellen regulatorischen Entwicklungen stehen in den Fachthemen der Bundesnetzagentur.
Die hohe Zustimmung zur Solarförderung spiegelt einen breiten gesellschaftlichen Konsens in einer Phase politischer Unsicherheit. Die Zahlen zeigen, dass die Bevölkerung technologieoffen bleibt und klare Erwartungen an die Energiepolitik hat. Für Unternehmen im Solarsektor bleibt die regulatorische Unsicherheit ein Risiko, solange die Gesetzgebung nicht abgeschlossen ist. Die politische Debatte um die Solarförderung wird damit zum Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der deutschen Energie- und Klimapolitik.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland. Es legt fest, wie Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und anderen Quellen vergütet wird und welche Fördermechanismen gelten. Die Novellierung des EEG erfolgt regelmäßig, um die Rahmenbedingungen an technologische Entwicklungen, Marktpreise und Klimaziele anzupassen. Die aktuelle EEG-Novelle 2027 steht im Zeichen der Debatte um Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und gesellschaftliche Akzeptanz. Änderungen an der Solarförderung wirken sich direkt auf Investitionsentscheidungen und die Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien aus.