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Energy Vault kauft US-Batteriespeicherprojekte und sichert sich frisches Kapital

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Energy Vault kauft US-Batteriespeicherprojekte und sichert sich frisches Kapital Glocalist Press © glocalist.press
Energy Vault kauft US-Batteriespeicherprojekte und sichert sich frisches Kapital © glocalist.press

Energy Vault übernimmt ein großes Batteriespeicher-Portfolio in den USA und erhält neue Kreditlinien. Doch regulatorische Unsicherheiten drücken auf den Aktienkurs. Was steckt hinter dem Expansionskurs und den aktuellen Risiken?

Energy Vault hat am 10. September 2026 ein umfangreiches US-Portfolio für Batteriespeicherprojekte von Goshe Energy Storage, LLC übernommen. Die Nachricht kam in einer Phase, in der die Branche auf neue US-Vorgaben für ausländische Komponenten im Stromnetz blickt. Währenddessen verlor die Aktie zur Wochenmitte 7,4 Prozent und fiel auf 3,19 Euro. Das Unternehmen äußerte sich nicht zu den Gründen für den Kursrutsch. Im Hintergrund laufen Diskussionen über eine US-Verordnung, die den Einsatz ausländischer Technik im Netz einschränken könnte. Diese Unsicherheit begleitet die wachsende Projektpipeline und erschwert die Planung.

Übernahme und Ausbau der Projektbasis

Mit der Übernahme von Goshe Energy Storage wächst die Plattform von Energy Vault um mehr als 2,3 Gigawatt an US-BESS-Projekten (Battery Energy Storage Systems). Davon sind 350 Megawatt bereits "ready to build". Energy Vault baut damit seine Stellung im US-Markt für Energiespeicher aus. Diese Systeme sind wichtig, um erneuerbare Energien ins Netz zu bringen und die Netzstabilität zu sichern. Bei solchen Großprojekten müssen internationale Normen wie DIN EN 62933 für stationäre Batteriespeicher eingehalten werden. Auch Cybersecurity-Anforderungen nach dem BSI IT-Grundschutz-Kompendium spielen eine Rolle.

Um die neuen Projekte zu finanzieren, hat Energy Vault am 23. September 2026 die Kreditlinie für Entwicklung, Bau und Betrieb auf bis zu 40 Millionen US-Dollar erhöht. Die Vereinbarung mit S2G Investments und weiteren Kreditgebern sieht eine vorrangig besicherte Kreditfazilität vor. Das frische Kapital soll gezielt in die Umsetzung der neuen Projekte fließen. Gerade angesichts der regulatorischen Unsicherheiten ist die Finanzierung ein entscheidender Hebel für die Realisierung der Pipeline.

Seit 2026 gelten in den USA verschärfte FEOC/PFE-Regeln (Foreign Entity of Concern/Prohibited Foreign Entity). Neue Speicherprojekte, die ab 2026 starten, müssen mindestens 55 Prozent ihrer Ausgaben auf nicht verbotene Herkunftsländer verteilen. 2027 steigt der Anteil auf 60 Prozent, ab 2028 auf 65 Prozent. Für Batteriezellen und -module gilt ab 2026 sogar ein Mindestanteil von 60 Prozent. Die Einhaltung muss durch Lieferantenzertifikate unter Strafandrohung bestätigt werden. Diese Vorgaben bestimmen, welche Komponenten und Lieferanten in Frage kommen, und erhöhen den bürokratischen Aufwand für internationale Entwickler.

Die FEOC-Regeln verlangen ab 2026, dass mindestens 55 Prozent der Kosten für Energiespeicherprojekte aus nicht verbotenen Herkunftsländern stammen. Für Batteriezellen und -module liegt der Schwellenwert sogar bei 60 Prozent und steigt jährlich weiter an.

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Der Kursverlust von 7,4 Prozent bei Energy Vault spiegelt diese Unsicherheiten wider. Ein konkretes operatives Ereignis wurde nicht gemeldet. Die Entwicklung erinnert an Fälle wie bei SolarEdge, wo laut Berichten regulatorische und finanzielle Faktoren für starke Schwankungen sorgten.

Neue Infrastruktur für Rechenzentren

Energy Vault investiert parallel zum Batteriespeicherausbau auch in Energieinfrastruktur für Rechenzentren. Am 23. September erhielt die 2G Energy AG einen Großauftrag über 275 Megawatt. Die bestellte Technik soll US-Rechenzentren für KI-Anwendungen mit Strom versorgen. Der Partner setzt dabei auf Lösungen für vorentwickelte, mit Strom erschlossene Standorte, die als "Powered Land" und "Powered Shell" vermarktet werden.

Die Verbindung von Batteriespeichern und Rechenzentrumsinfrastruktur zeigt, wie wichtig flexible Energiesysteme für datenintensive Anwendungen werden. Im zweiten Quartal 2026 wurden in den USA laut Marktdaten 19 GWh an neuen Speichersystemen installiert - das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der utility-scale-Bereich erreichte 4,7 GW und 17,6 GWh, was aber einen leichten Rückgang der installierten Leistung im Jahresvergleich bedeutet. Der Ausbau wird vor allem durch Investitionen in Rechenzentren und die steigende Nachfrage nach virtuellen Kraftwerken angetrieben. Branchenanalysen sehen hier eine Pipeline von rund 19 GW. Für weiteres Wachstum sind jedoch zusätzliche Anpassungen durch Netzbetreiber und Marktaufsicht nötig. Einen Überblick zu den regulatorischen Rahmenbedingungen und aktuellen Marktdaten bietet die Bundesnetzagentur Übersicht zu Batteriespeichern.

Die aktuellen Schritte von Energy Vault machen deutlich, wie eng technologische Expansion, regulatorische Vorgaben und Kapitalzugang im internationalen Energiemarkt zusammenhängen. Die Übernahme des US-Portfolios und die neuen Kreditlinien stärken die Position des Unternehmens im Speicher- und Infrastruktursektor. Doch die Unsicherheit über künftige Regeln bleibt ein zentrales Risiko. Für den deutschen und europäischen Markt zeigt sich: Verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, wenn es um Investitionen in Speichertechnologien und Rechenzentrumsinfrastruktur geht. Unternehmen in diesem Umfeld müssen technisches Know-how, Anpassungsfähigkeit an neue Regeln und solide Finanzierung vorweisen.

Batteriespeicher sind ein Schlüssel für die Integration erneuerbarer Energien und die Versorgungssicherheit moderner Stromnetze. Die Speicherkapazität, gemessen in Megawatt oder Gigawatt, gibt an, wie viel Leistung ein System aufnehmen oder abgeben kann. Für Rechenzentren, besonders im Bereich künstlicher Intelligenz, sind leistungsfähige Speicher nötig, um Lastspitzen abzufangen und eine stabile Stromversorgung zu sichern. Wie Komponenten regulatorisch behandelt und Projekte finanziert werden, bestimmt Tempo und Umfang des Ausbaus.

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