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Enerparc prüft Verkauf: Über 100 Interessenten für Solarportfolio

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Enerparc prüft Verkauf: Über 100 Interessenten für Solarportfolio Glocalist Press © glocalist.press
Enerparc prüft Verkauf: Über 100 Interessenten für Solarportfolio © glocalist.press

Mehr als 100 Investoren wollen bei der insolventen Enerparc AG einsteigen. Erste Angebote liegen vor. Was bedeutet das für Projekte und Beschäftigte?

Die Liste der Interessenten für die insolvente Enerparc AG ist lang. Über 100 potenzielle Käufer haben sich gemeldet. Der Verkaufsprozess läuft auf Hochtouren. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters gibt es bereits erste Angebote. Weitere werden in den nächsten Wochen erwartet. Anfang Dezember soll eine Entscheidung fallen. Dann könnte ein Großteil des Unternehmens und der Arbeitsplätze verkauft werden.

Verkaufsprozess und Zeitplan

Rothschild & Co steuert den M&A-Prozess. Ab Mitte Oktober wird entschieden, mit welchen Interessenten weiterverhandelt wird. Im Mittelpunkt steht der Verkauf von Solarpark-Portfolios, der Projektpipeline und Anteilen an Tochterfirmen wie Sunnic Lighthouse und Enerparc Service. Auch die Beschäftigten sollen Teil der Transaktion sein. Weitere Solarparks könnten erst im ersten Quartal 2027 verkauft werden.

Nach Informationen aus dem Umfeld interessieren sich sowohl Energieversorger als auch Finanzinvestoren für die Projekte. Ein Einstieg über eine Kapitalerhöhung in die bestehende Aktiengesellschaft gilt als unwahrscheinlich. Der Verkauf läuft auf einen Asset Deal hinaus. Dabei wechseln einzelne Projektgesellschaften und Beteiligungen den Besitzer. Die Strukturen sind teils sehr komplex. Deshalb läuft der Verkauf in mehreren Stufen ab. Laut aktuellen Branchenberichten gehören zur Enerparc-Gruppe rund 492 verbundene Gesellschaften. Etwa 90 Projekte sind im Bau. Das Gesamtportfolio umfasst 3,8 Gigawatt installierte Leistung.

Finanzlage und Auswirkungen auf Gläubiger

Die Enerparc-Gruppe hat Verbindlichkeiten von rund 3,3 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 2,2 Milliarden Euro auf Projektfinanzierungen. Diese Kredite sind meist direkt an die jeweiligen Solarparks gebunden und werden aus deren Einnahmen bedient. Bei einem Verkauf gehen diese Finanzierungen in der Regel mit den Projekten auf den Käufer über. Für andere Gläubiger, vor allem bei Mezzanine-Finanzierungen und Avalgebern, drohen Verluste. Wie hoch die Ausfälle am Ende sind, ist noch offen.

Nach offiziellen Angaben wurde der Verkauf von Enerparc bereits eingeleitet: Die M&A-Prozedur läuft über Rothschild & Co, und der erste Abschluss eines Teilverkaufs ist für Dezember 2026 anvisiert.

Handelsblatt

Um den laufenden Betrieb bis zum Einstieg eines neuen Investors zu sichern, wird ein Massedarlehen vorbereitet. Der Betrag liegt im unteren achtstelligen Bereich. Diese Zwischenfinanzierung soll kurzfristig abgeschlossen werden. Sie überbrückt die Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und Vollzug der Transaktion. Das kann mehrere Wochen dauern.

Stabilisierung der Tochtergesellschaften

Nach dem Insolvenzantrag stand die Tochter Sunnic Lighthouse im Fokus. Die Bürgschaften der Muttergesellschaft fielen weg. Jetzt übernehmen Banken die Sicherheiten, damit Sunnic ihre Verträge mit externen Partnern absichern kann. Die Finanzierung laufender Bauprojekte ist noch nicht endgültig geklärt. Besonders 14 bis 15 Anlagen, die bei Insolvenzeröffnung fast fertig waren, stehen weiter im Mittelpunkt der Gespräche. Investoren zeigen auch an diesen Projekten großes Interesse.

Enerparc meldete Anfang September Insolvenz an. Grund war eine gescheiterte Finanzierung für Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern. Im Juni 2026 platzte eine Finanzierung über rund 200 Millionen Euro für mehrere PV- und BESS-Projekte. Das war der Auslöser der Krise. Enerparc betreibt Anlagen mit 3,8 Gigawatt Leistung. Weitere 1,5 Gigawatt waren beim Insolvenzantrag im Bau. Im Bereich Batteriespeicher laufen 150 Megawattstunden, 160 Megawattstunden sind in Planung. Knapp 380 Beschäftigte sind direkt betroffen. Bei den Töchtern Pvwerk und Sonnentiefbau kommen 84 dazu. Der Insolvenzgeldzeitraum läuft bis 30. November. Das Verfahren könnte frühestens am 1. Dezember eröffnet werden.

Marktdynamik und Perspektiven

Die große Zahl an Interessenten zeigt, wie gefragt Solarprojekte und Infrastruktur in Deutschland sind. Auch unter schwierigen Bedingungen. Die komplexen Strukturen und die Unsicherheit für Gläubiger machen aber deutlich: Selbst große Player im Markt für erneuerbare Energien sind nicht vor Risiken sicher. Die geplante Transaktion im Dezember könnte ein Präzedenzfall für ähnliche Restrukturierungen werden. Die Bundesnetzagentur hebt in ihren aktuellen Veröffentlichungen die Bedeutung von Investitionssicherheit und klaren Regeln für den deutschen Solarmarkt hervor. Mehr zu den regulatorischen Rahmenbedingungen steht in den aktuellen Leitlinien der Bundesnetzagentur.

Auch international bleibt das Interesse an deutschen Solarportfolios hoch. Andere Transaktionen im Sektor zeigen das. So wurde kürzlich berichtet, dass große Energieunternehmen gezielt Solarparks in wichtigen Märkten übernehmen. Für Enerparc ist entscheidend, ob der geplante Asset Deal gelingt und wie die Integration der Beschäftigten läuft. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Insolvenzverwaltung die Balance zwischen Gläubigern, Investoren und laufendem Geschäft halten kann. Es ist ein echter Stresstest für den deutschen Solarmarkt.

Ein Asset Deal bedeutet, dass einzelne Vermögenswerte wie Projekte, Anlagen oder Beteiligungen verkauft werden. Anders als beim Share Deal, bei dem Anteile an der Gesellschaft übertragen werden, bleiben beim Asset Deal rechtliche und finanzielle Altlasten meist beim alten Unternehmen. Für Käufer ist das oft ein Vorteil beim Risikomanagement. Gläubiger des Altunternehmens müssen dagegen mit höheren Ausfällen rechnen. Asset Deals sind im Bereich erneuerbare Energien üblich. Sie erlauben gezielte Übernahmen von Projekten und Infrastruktur, ohne das ganze Unternehmen samt aller Verpflichtungen zu übernehmen.

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