Eine neue Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft rechnet vor: Ein Pachtdeckel für Windkraft könnte das EEG-Fördervolumen bis 2045 massiv senken. Wie solide sind die Zahlen - und was bedeutet das für die Energiewende?
Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) erstmals durchgerechnet, wie stark ein Pachtdeckel für Windkraftanlagen den Bundeshaushalt entlasten könnte. Bis zu 37 Milliarden Euro weniger Förderkosten für erneuerbare Energien stehen im Raum. Das ist eine Ansage.
Die Modellrechnung zeigt, wie viel Geld der Staat sparen könnte, wenn die Pachtzahlungen an Flächeneigentümer begrenzt werden. Bisher gibt es keine solche Grenze. Das könnte sich bald ändern.
Studie zur Pachtbegrenzung im Fokus
Im Mittelpunkt steht ein Vorschlag aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Die Pacht für Windräder soll per Gesetz gedeckelt werden. Laut Regierungsentwurf zur EEG-Reform 2027 gilt der Deckel für neue Windprojekte, die ab dem 1. Januar 2028 an Ausschreibungen teilnehmen. Der Bundesrat hat sich am 25. September 2026 dagegen gestellt. Der VKU ist klar dafür.
Die FfE hat verschiedene Pachtsätze verglichen. Im Fokus steht der geplante Wert von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes. Zum Vergleich: Auch Sätze von fünf, zehn und zwanzig Prozent wurden durchgerechnet. Das Ergebnis: Schon der Unterschied zwischen 3,5 und 5 Prozent bringt bis 2045 ein Einsparpotenzial von drei Milliarden Euro. Bei 20 Prozent Pacht wären es sogar bis zu 37 Milliarden Euro.
Die geplante Begrenzung betrifft nicht nur die Standfläche der Windenergieanlage. Auch Nebenflächen im Umkreis von 2.500 Metern, Bau- und Schutzstreifen zählen dazu. Die Bemessungsgrundlage für die Pacht wird damit deutlich größer. Das ist vor allem für Flächeneigentümer und Projektentwickler wichtig. Der Deckel liegt bei 3,5 % des Produkts aus jährlichem Standortertrag und dem "anzulegenden Wert". Er gilt für das Inbetriebnahmejahr und die folgenden 19 Jahre. Also für 20 Jahre insgesamt.
Bislang gab es bundesweit keine gesetzliche Begrenzung der Windkraftpachten. Das führte zu großen Unterschieden je nach Region. Es war ein Dauerstreit zwischen Ministerium, kommunalen Unternehmen und Eigentümerverbänden. Die FfE-Studie basiert auf Modellrechnungen und Annahmen zum Windkraftausbau und zur EEG-Förderung bis 2045. Auftraggeber ist der VKU, der sich seit Jahren für eine Deckelung einsetzt. Die Ergebnisse wurden laut Handelsblatt veröffentlicht.
VKU-Generaldirektor Ingbert Liebing betonte: "Jeder Euro, der nicht in die Pacht fließt, entlastet den Bundeshaushalt und die Steuerzahler, ohne die Ausbauziele der Windenergie zu gefährden."
Finanzielle Auswirkungen und politische Debatte
Die geplante Begrenzung soll die Kosten der EEG-Förderung senken. Das entlastet Bundeshaushalt und Steuerzahler. Nach Einschätzung des VKU fließen aktuell große Summen aus der EEG-Förderung an Flächeneigentümer. Für den Ausbau der Windenergie sei das nicht zwingend nötig. Die Studie argumentiert: Jeder Euro, der nicht in die Pacht geht, spart direkt Geld. Die Ausbauziele bleiben erreichbar.
Die politische Debatte um die Pachtdeckelung ist Teil einer größeren Diskussion. Es geht um die Effizienz und Zielgenauigkeit der Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland. Einige fordern eine faire Verteilung der Fördermittel. Andere warnen, dass zu niedrige Pachten die Flächenbereitstellung und Akzeptanz neuer Projekte gefährden könnten. Das BMWK betont, dass erneuerbare Energien inzwischen gereift sind. Sie sollen sich stärker am Markt orientieren. Auch andere Reformen, etwa zur Begrenzung der Netzkosten, werden so begründet. Details zu den aktuellen EEG-Ausschreibungsbedingungen und regulatorischen Vorgaben stehen auf der Bundesnetzagentur-Website.
Vergleich mit anderen Energiemarktmechanismen
Die Frage nach dem effizienten Einsatz von Fördermitteln ist nicht neu. Auch bei Batteriespeichern stehen Kostenstrukturen und die Verteilung von Fördergeldern im Fokus. Wie bei der Windkraft-Pachtdebatte zeigt sich: Politische Anreize und wirtschaftliche Interessen gehen oft auseinander. Das wurde schon in einem früheren Bericht zu Batteriespeichern deutlich.
Die aktuelle Studie liefert einen weiteren Baustein für die Diskussion um die Energiewende. Sie macht sichtbar, welche finanziellen Hebel durch Regulierung tatsächlich wirken - und wo die Grenzen liegen.
Bewertung und Ausblick
Die Modellrechnungen der FfE zeigen: Ein gesetzlicher Pachtdeckel könnte dem Bundeshaushalt Milliarden sparen. Ob das in der Praxis klappt, hängt von der Ausgestaltung der Regelung und der Reaktion der Marktteilnehmer ab. Die Studie bietet eine solide Grundlage für die politische Debatte. Sie ersetzt aber keine unabhängige Überprüfung der Annahmen und Nebenwirkungen.
Wer die Kosten der Energiewende langfristig tragfähig halten will, muss die Verteilungswirkungen der Förderstrukturen kritisch prüfen. Die vorgeschlagene Pachtbegrenzung ist ein Beispiel, wie gezielte Regulierung finanzielle Spielräume schaffen kann. Die Ausbauziele für erneuerbare Energien bleiben dabei grundsätzlich erreichbar.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist das zentrale Förderinstrument für Wind-, Solar- und andere erneuerbare Energien in Deutschland. Es regelt die Vergütung für eingespeisten Strom und die Finanzierung über Umlagen und den Bundeshaushalt. Die Höhe der Pachtzahlungen für Windflächen beeinflusst die Gesamtkosten der Förderung. Ein gesetzlicher Deckel könnte die Effizienz des Systems steigern. Entscheidend bleibt aber die Akzeptanz bei Flächeneigentümern und Projektentwicklern.