Die Europäische Zentralbank startet eine Machbarkeitsstudie zur technischen Verbindung von TIPS und Pix. Was bedeutet das für Zahlungen zwischen Europa und Brasilien?
Am 24. September 2026 gab die Europäische Zentralbank (EZB) grünes Licht für eine Machbarkeitsstudie. Es geht um die mögliche Verbindung von TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) mit Brasiliens Sofortzahlungsplattform Pix. Die EZB will prüfen, wie Zahlungen zwischen Europa und Brasilien schneller und einfacher laufen könnten. Die Voruntersuchung läuft laut Branchenberichten von Juni 2025 bis September 2026.
Warum die Verbindung jetzt geprüft wird
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Eurozone und Brasilien wachsen. Die brasilianische Zentralbank sieht das Projekt als Antwort auf die starken Handels- und Kapitalströme zwischen beiden Regionen. TIPS ist das Rückgrat für Echtzeitüberweisungen im Euroraum. Es läuft rund um die Uhr, das ganze Jahr. Pix hat sich in Brasilien als Standard für schnelle Zahlungen durchgesetzt. Beide Systeme nutzen den ISO 20022-Standard. Das macht eine technische Verbindung grundsätzlich einfacher.
Die geplante Verknüpfung soll vor allem Zahlungen über Ländergrenzen hinweg vereinfachen. Bisher bremsen unterschiedliche Standards und Regeln den Zahlungsverkehr. Die EZB prüft deshalb nicht nur die Technik, sondern auch die regulatorischen und operativen Hürden. Dazu gehören Interoperabilität, Einhaltung internationaler Standards wie ISO 20022 und die Sicherheit der Transaktionen. Die Initiative reiht sich ein in weltweite Projekte, die Zahlungssysteme über Grenzen hinweg verbinden wollen. Auch andere Anbieter arbeiten an ähnlichen Lösungen, etwa bei neuen Zahlungsdiensten im E-Commerce.
Die Machbarkeitsstudie führen Expertenteams der beiden Zentralbanken durch. Laut EZB und Reuters ist ein Pilotprojekt frühestens ab 2028 denkbar. Die brasilianische Zentralbank hält sich mit Details zurück. Die EZB bestätigt aber, dass die Voruntersuchungen laufen.
Die Initiative zur Verknüpfung von TIPS und Pix befindet sich in der frühesten Phase unter mehreren internationalen Projekten der EZB zur Interoperabilität von Instant-Payment-Systemen. Für Pix wurde ein Pre-Investigation-Zeitraum von Juni 2025 bis September 2026 festgelegt.
Für die Integration von TIPS und Pix braucht es eine genaue Analyse der Systemarchitekturen. Beide Plattformen setzen auf unterschiedliche technische Grundlagen und sind in verschiedene regulatorische Rahmen eingebettet. Schnittstellen müssen so gebaut werden, dass Transaktionen sicher und schnell laufen. Die Compliance-Anforderungen dürfen dabei nicht ausgehebelt werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fordern in ihren Leitlinien, dass grenzüberschreitende Zahlungssysteme strenge Vorgaben beim Datenschutz (DSGVO) und bei der IT-Sicherheit (BSI IT-Grundschutz, ISO/IEC 27001) erfüllen.
Ein weiteres zentrales Thema: Datenschutz und Geldwäscheprävention. Europäische und brasilianische Behörden müssen Lösungen finden, die zu ihren Gesetzen passen. Die EZB will diese Punkte in die laufende Prüfung einbeziehen. Die Bundesnetzagentur hebt in ihrer aktuellen Marktanalyse die Bedeutung einheitlicher Standards für die Interoperabilität digitaler Infrastrukturen hervor.
Was sich für den Zahlungsverkehr ändern könnte
Gelingt die Verbindung, könnten Zahlungen zwischen Europa und Brasilien deutlich schneller laufen. Firmen und Privatleute könnten Geld fast in Echtzeit senden. Teure oder langsame Zwischenstationen würden entfallen. Das wäre vor allem für Handel und internationale Dienstleister ein Vorteil. Erfahrungen mit ähnlichen Projekten, etwa der geplanten TIPS-Anbindung an das indische UPI-System, zeigen aber: Solche Vorhaben brauchen oft Jahre.
Ob und wann die Integration wirklich klappt, ist offen. Die technischen und regulatorischen Hürden sind hoch. Bei ähnlichen Projekten dauerte die Umsetzung meist länger als gedacht. Die EZB hat bisher keine Details zu Starttermin oder Partnern genannt. Laut EZB-Mitteilung ist das Projekt Teil einer größeren Strategie für internationale Echtzeit-Zahlungen.
Die geplante Verbindung von TIPS und Pix steht für den Trend, nationale Zahlungssysteme global zu vernetzen. Die Vorteile für grenzüberschreitende Zahlungen sind klar. Doch die Ankündigung der EZB zeigt auch: Es gibt noch viele technische und regulatorische Hürden. Erst wenn die Machbarkeitsstudie Ergebnisse liefert, lässt sich sagen, ob und wann die Lösung in den Alltag kommt. Für Europa bleibt das Projekt ein Testlauf für die internationale Vernetzung von Echtzeit-Zahlungssystemen.
Systeme wie TIPS und Pix machen es möglich, Geld in Sekunden rund um die Uhr zu überweisen. TIPS ist das Rückgrat für Echtzeitüberweisungen im Euroraum. Pix ist das brasilianische Gegenstück mit großer Reichweite. Damit solche Systeme grenzüberschreitend funktionieren, braucht es mehr als Technik. Es braucht abgestimmte Regeln und gemeinsame Sicherheitsstandards.