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Guardian Labs entwickelt KI-Schutz vor Telefonbetrug mit lokaler Analyse

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Guardian Labs entwickelt KI-Schutz vor Telefonbetrug mit lokaler Analyse Glocalist Press © glocalist.press
Guardian Labs entwickelt KI-Schutz vor Telefonbetrug mit lokaler Analyse © glocalist.press

Guardian Labs aus Portugal setzt auf KI, um Telefonbetrug zu erkennen, bevor Anrufe oder Nachrichten Nutzerinnen und Nutzer erreichen. Die Lösung arbeitet lokal auf dem Gerät und kooperiert mit Behörden und Banken

Telefonbetrug bleibt ein wachsendes Problem in Europa. Das portugiesische Unternehmen Guardian Labs hat eine KI-basierte Lösung entwickelt, die betrügerische Anrufe und Nachrichten identifiziert, bevor sie Nutzerinnen und Nutzer erreichen. Die Technologie entstand aus einem persönlichen Vorfall im familiären Umfeld der Gründerin und wurde zunächst als Prototyp auf einem Hackathon vorgestellt. Inzwischen arbeitet Guardian Labs mit der portugiesischen Polizei, mehreren Universitäten und Banken zusammen, um die Erkennung von Betrugsversuchen zu verbessern.

Technische Umsetzung und Funktionsweise

Das zentrale Produkt von Guardian Labs, Guardião, fungiert als KI-Schutzschicht zwischen eingehenden Anrufen oder Nachrichten und dem Endgerät. Die Besonderheit: Die Analyse erfolgt vollständig lokal auf dem Smartphone, sodass keine sensiblen Inhalte an externe Server übertragen werden. Für SMS prüft das System vor der Benachrichtigung auf typische Merkmale wie Phishing-Links, Spoofing oder manipulative Muster. Bei Anrufen kann Guardião bereits vor dem Klingeln anhand bekannter Betrugsdaten und typischer Taktiken wie künstlicher Dringlichkeit oder Aufforderungen zu Banktransaktionen eingreifen.

Wird ein Betrugsversuch erkannt, blockiert die App den Kontakt und informiert die Nutzerin oder den Nutzer per Benachrichtigung. Im Dashboard der App lassen sich blockierte Kontakte und die jeweilige Risikoeinschätzung nachvollziehen. Nach Angaben des Unternehmens war die lokale Ausführung der KI-Modelle erst durch jüngste Fortschritte bei kompakten Modellen möglich. Die portugiesische Polizei stellt Guardian Labs zudem anonymisierte Betrugsdaten zur Verfügung, um die Modelle kontinuierlich zu verbessern.

Regionale Unterschiede und Anpassung der Modelle

Guardian Labs betont, dass Betrugsmuster je nach Land stark variieren. In Portugal sind beispielsweise Betrugsmaschen verbreitet, bei denen sich Täter als Familienangehörige ausgeben oder angebliche Zahlungsaufforderungen im Namen von Behörden versenden. Die KI-Modelle werden daher länderspezifisch trainiert und mit lokalen Daten angereichert. Das Unternehmen sieht Potenzial, durch die Kombination von Daten aus verschiedenen Märkten grenzüberschreitende Betrugskampagnen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Nach Unternehmensangaben verursachen einzelne Betrugswellen in Portugal jährlich Schäden im Millionenbereich. Die Zusammenarbeit mit Banken und Telekommunikationsanbietern soll dazu beitragen, betrügerische Konten schneller zu identifizieren und Transaktionen zu verhindern, bevor finanzielle Verluste entstehen.

Fehlerquoten, Datenschutz und Geschäftsmodell

Ein zentrales Thema bei der Entwicklung von Guardião ist die Balance zwischen der Vermeidung von Fehlalarmen (False Positives) und der zuverlässigen Erkennung echter Betrugsversuche. Guardian Labs gibt an, die Modelle kontinuierlich mit neuen Daten zu trainieren, um die Genauigkeit zu erhöhen. Nutzerinnen und Nutzer können blockierte Nachrichten und Anrufe jederzeit im Dashboard einsehen und gegebenenfalls freigeben. Die lokale Verarbeitung der Daten soll den Datenschutz stärken, da keine Inhalte an externe Server gesendet werden.

Das Geschäftsmodell von Guardian Labs sieht vor, die App für Privatpersonen kostenlos anzubieten. Einnahmen sollen durch B2B-Partnerschaften mit Banken, Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen generiert werden, die von der Reduktion betrugsbedingter Kosten profitieren. Pilotprojekte mit internationalen Partnern befinden sich laut Unternehmen in der Umsetzung.

Wachstum, Kooperationen und Ausblick

Seit dem Gewinn eines Hackathons in Deutschland Anfang 2025 hat Guardian Labs nach eigenen Angaben eine wachsende Nutzerbasis aufgebaut und mediale Aufmerksamkeit in Portugal erhalten. Das Team besteht aktuell aus drei Personen, darunter die Gründerin und ihr Bruder als technischer Leiter. Frühphasige Investitionen wurden bereits eingeworben. Perspektivisch prüft das Unternehmen, die KI-Lösung auch in Messenger-Plattformen wie WhatsApp oder Instagram zu integrieren, um Betrugsversuche kanalübergreifend zu erkennen.

Die Entwicklung von Guardian Labs zeigt, wie KI-basierte Sicherheitslösungen zunehmend lokal auf Endgeräten umgesetzt werden, um Datenschutz und Reaktionsgeschwindigkeit zu verbessern. Die Wirksamkeit der Systeme hängt jedoch maßgeblich von der Qualität und Aktualität der zugrundeliegenden Daten sowie der Zusammenarbeit mit Behörden und Unternehmen ab.

Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet in diesem Zusammenhang Systeme, die in der Lage sind, Muster in Daten zu erkennen und daraus Entscheidungen abzuleiten. Im Bereich der Cybersicherheit werden zunehmend kompakte KI-Modelle eingesetzt, die direkt auf Endgeräten laufen. Dies ermöglicht eine schnelle Analyse ohne Übertragung sensibler Daten an externe Server und stärkt den Datenschutz. Die Qualität solcher Modelle hängt jedoch von der Verfügbarkeit und Aktualität der Trainingsdaten ab.Schlagwörter: Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz, Plattformen & Software

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