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Klarna und Zilch führen neue kostenpflichtige Mitgliedschaften in Europa ein

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Klarna und Zilch führen neue kostenpflichtige Mitgliedschaften in Europa ein Glocalist Press © glocalist.press
Klarna und Zilch führen neue kostenpflichtige Mitgliedschaften in Europa ein © glocalist.press

Klarna und Zilch starten erstmals kostenpflichtige Mitgliedschaftsmodelle mit neuen Vorteilen. Was die Angebote für den europäischen Zahlungsmarkt bedeuten und welche Unsicherheiten bleiben, analysiert Glocalist Press

Die europäischen Zahlungsdienstleister Klarna aus Schweden und Zilch aus Großbritannien haben am 3. Juni 2026 offiziell neue kostenpflichtige Mitgliedschaftsmodelle angekündigt. Beide Unternehmen positionieren sich damit stärker im Wettbewerb mit etablierten Kreditkartenanbietern und erweitern ihr Angebot über klassische Zahlungsdienste hinaus. Die neuen Modelle sollen in den kommenden Wochen schrittweise in mehreren europäischen Märkten eingeführt werden. Die Ankündigungen stammen aus den offiziellen Unternehmensmitteilungen; unabhängige Marktdaten zu ersten Nutzerzahlen oder Umsätzen liegen bislang nicht vor.

Details zu den neuen Mitgliedschaftsmodellen

Klarna, bislang vor allem als Anbieter von "Buy Now, Pay Later"-Lösungen bekannt, hat sein Mitgliedschaftsangebot grundlegend überarbeitet. Das Unternehmen bietet künftig vier kostenpflichtige Pakete an, die monatlich zwischen 4,99 Euro ("Klarna Everywhere") und 44,99 Euro ("Klarna Max") kosten. Nach Unternehmensangaben entfallen bei allen Paketen bisherige Gebühren, zudem werden Cashback auf sämtliche Einkäufe sowie zusätzliche Vorteile und Abonnements integriert. Das teuerste Paket, Klarna Max, umfasst laut Klarna 23 verschiedene Abonnements, darunter Dienste wie NordVPN und The New York Times, sowie eine Premiumkarte aus Metall. Die Flexibilität der monatlichen Kündbarkeit wird als Vorteil gegenüber klassischen Kreditkarten hervorgehoben, die meist eine jährliche Bindung voraussetzen.

Markteintritt von Zilch mit eigenen Mitgliedschaften

Zilch, ein in London ansässiger Anbieter von Kredit- und Debitlösungen, führt erstmals kostenpflichtige Mitgliedschaften ein. Das Unternehmen meldet über fünf Millionen registrierte Kundinnen und Kunden. Die neuen Pakete heißen "Zilch Extra" (2,99 Pfund pro Monat) und "Zilch Plus" (3,99 Pfund pro Monat). Beide Modelle bieten laut Zilch verschiedene Belohnungen, darunter höhere Cashback-Raten auf Debitkartenzahlungen, Zugang zu einer physischen Zilch-Karte sowie eine offene Bankeneinkommensprüfung. Die genauen Konditionen und die Verfügbarkeit in einzelnen Ländern wurden bislang nicht im Detail veröffentlicht.

Wettbewerb und Einordnung im europäischen Zahlungsmarkt

Mit den neuen Mitgliedschaftsmodellen reagieren Klarna und Zilch auf den zunehmenden Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr. Während klassische Kreditkartenanbieter wie American Express weiterhin auf Jahresgebühren und exklusive Vorteile setzen, versuchen die Fintechs, mit flexibleren und digital ausgerichteten Angeboten neue Kundengruppen zu gewinnen. Klarna hebt hervor, dass das Max-Paket mit 44,99 Euro pro Monat günstiger sei als das AmEx Platinum-Angebot, das in Europa rund 760 Euro pro Jahr kostet. Ob die neuen Modelle tatsächlich zu einer stärkeren Kundenbindung führen und wie viele Nutzerinnen und Nutzer bereit sind, für zusätzliche Vorteile monatlich zu zahlen, bleibt abzuwarten. Unabhängige Vergleiche der angebotenen Leistungen und tatsächlichen Mehrwerte liegen bislang nicht vor.

Offene Fragen und regulatorische Aspekte

Die Einführung kostenpflichtiger Mitgliedschaften im Zahlungssektor wirft auch Fragen zur Transparenz, zum Datenschutz und zur Einhaltung regulatorischer Vorgaben auf. Insbesondere die Integration von Drittanbieter-Abonnements und die Nutzung von Open-Banking-Daten erfordern klare rechtliche Rahmenbedingungen. Bislang haben weder Klarna noch Zilch detaillierte Angaben zu den Datenschutzpraktiken oder zur Datenverarbeitung im Rahmen der neuen Modelle veröffentlicht. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt zudem unklar, wie sich die neuen Angebote im Vergleich zu bestehenden Kreditkarten und anderen Zahlungsdiensten langfristig bewähren werden. Die tatsächliche Akzeptanz und Marktdurchdringung der neuen Mitgliedschaften wird sich erst mit belastbaren Nutzungszahlen und unabhängigen Analysen bewerten lassen.

Mitgliedschaftsmodelle im Zahlungsverkehr sind Abonnementangebote, bei denen Nutzerinnen und Nutzer gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr Zugang zu bestimmten Vorteilen, Rabatten oder Zusatzleistungen erhalten. Im Unterschied zu klassischen Kreditkartenmodellen, die meist an eine Jahresgebühr und längere Vertragslaufzeiten gebunden sind, setzen Fintechs wie Klarna und Zilch auf flexible, monatlich kündbare Pakete. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Modelle hängt maßgeblich davon ab, ob die angebotenen Zusatzleistungen für eine ausreichend große Zahl von Kundinnen und Kunden tatsächlich einen Mehrwert bieten und wie hoch die Wechselbereitschaft im fragmentierten europäischen Zahlungsmarkt ist.

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