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Logistikbranche setzt auf Digitalisierung gegen Energiepreise und Personalmangel

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Logistikbranche setzt auf Digitalisierung gegen Energiepreise und Personalmangel Glocalist Press © glocalist.press
Logistikbranche setzt auf Digitalisierung gegen Energiepreise und Personalmangel © glocalist.press

Deutschlands Logistikunternehmen setzen auf Digitalisierung und KI, um steigende Energiepreise und fehlende Fachkräfte abzufedern. Eine neue Bitkom-Studie liefert erstmals konkrete Zahlen zu Chancen und Hindernissen.

Steigende Energiepreise und der Mangel an qualifiziertem Personal setzen Deutschlands Logistikunternehmen unter Druck. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie, die zur IAA Transportation 2026 veröffentlicht wurde, sehen 91 Prozent der befragten Unternehmen in der Digitalisierung eine strategische Antwort auf diese Herausforderungen. Künstliche Intelligenz ist bereits in etwa jedem zweiten Betrieb im Einsatz, doch der Wandel bleibt anspruchsvoll.

Digitale Technologien als Reaktion auf Engpässe

Die Studie basiert auf einer Befragung von 502 Logistikunternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten. Nahezu alle Unternehmen (100 Prozent) nennen die hohen Energiepreise als größte Herausforderung. Es folgen der Fachkräftemangel (87 Prozent), Lieferkettenunterbrechungen (71 Prozent), Bürokratie (59 Prozent) sowie geopolitische und internationale Konflikte (54 Prozent). Jüngste Störungen wie Niedrigwasser am Rhein oder Blockaden auf Handelswegen haben die Anfälligkeit der Lieferketten erneut gezeigt.

Digitale Technologien und KI sollen helfen, diese Risiken abzufedern. 66 Prozent der Unternehmen erwarten durch digitale Anwendungen mehr Transparenz in den Lieferketten, 64 Prozent einen besseren Service für Endkunden. Auch Umweltaspekte spielen eine Rolle: 60 Prozent rechnen mit weniger Umweltbelastung durch optimierte Prozesse. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom nutzen bereits 61 Prozent Cloud-Computing, 54 Prozent IoT- und Sensortechnologien, 47 Prozent Warehouse-Management-Systeme, 46 Prozent digitale Marktplätze und 39 Prozent Big Data und Analytics.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erhöhen den Druck zusätzlich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Energiepreise im August 2026 um 10,5 Prozent über dem Vorjahr, was die Inflation auf 2,9 Prozent trieb. Gleichzeitig stieg der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex im selben Monat um 0,6 Prozent gegenüber Juli, ein Hinweis auf eine leichte Belebung des Straßengüterverkehrs. Diese Entwicklungen machen deutlich, wie wichtig Effizienzgewinne durch Digitalisierung sind. Weitere Details finden sich im aktuellen Destatis-Bericht.

Die Digitalisierung der Logistik ist kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Branche angesichts steigender Energiepreise und Fachkräftemangel zu sichern.Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung 10.09.2026

Die Umsetzung digitaler Lösungen bleibt jedoch schwierig. 73 Prozent der Unternehmen sehen fehlende Digitalkompetenzen und Fachkräfte als zentrales Hindernis. IT- und Datensicherheit bereiten 58 Prozent Sorgen, 57 Prozent geben an, im Tagesgeschäft zu wenig Zeit für Digitalisierungsprojekte zu haben. Finanzielle Engpässe nennen 48 Prozent, sie stehen aber nicht an erster Stelle.

Der Personalmangel betrifft fast alle Bereiche: 64 Prozent der Unternehmen suchen Zustellerinnen und Zusteller, 55 Prozent Fahrerinnen und Fahrer, 53 Prozent Disponentinnen und Disponenten. Auch IT-Fachkräfte (49 Prozent) und Lagerpersonal (48 Prozent) fehlen. Nur 4 Prozent der befragten Unternehmen berichten aktuell von keinem Fachkräftemangel. Die Bitkom-Studie zeigt außerdem, dass 40 Prozent der Unternehmen zwischen 5 und unter 10 Prozent ihres Jahresumsatzes in Digitalisierung investieren, weitere 21 Prozent sogar 10 Prozent oder mehr.

Veränderte Personalbedarfe durch Digitalisierung

Die Studie erwartet, dass sich der Personalbedarf in der Logistik bis 2035 deutlich verschiebt. Während 47 Prozent der Unternehmen bei IT-Fachkräften einen steigenden Bedarf sehen, rechnen bei klassischen Fahrer- und Lagerjobs mehr Unternehmen mit einem Rückgang. Digitale Technologien sollen helfen, das vorhandene Personal gezielter einzusetzen und Abläufe flexibler zu steuern. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der deutschen Industrie ist das auch eine Reaktion auf die zuletzt schwache Industrieproduktion: Im Juli 2026 verzeichnete das verarbeitende Gewerbe laut Reuters einen unerwarteten Rückgang, was die Bedeutung effizienter und widerstandsfähiger Lieferketten weiter erhöht.

Viele Unternehmen schätzen ihren eigenen Digitalisierungsgrad optimistisch ein: 49 Prozent sehen sich als Vorreiter, 7 Prozent sogar als führend. Im internationalen Vergleich bleibt die Einschätzung zurückhaltender - kein Unternehmen sieht Deutschland an der Weltspitze, 18 Prozent ordnen die Branche in der Spitzengruppe ein, 51 Prozent im Mittelfeld.

Bewertung und internationale Perspektive

Die Bitkom-Studie liefert erstmals belastbare Zahlen zur digitalen Transformation der deutschen Logistik. Sie zeigt, dass die Branche Digitalisierung nicht mehr als Option, sondern als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität betrachtet. Die größten Hindernisse liegen weniger im fehlenden Kapital als in Know-how, Sicherheit und Zeit. Die Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit einer wachsenden Zahl von Initiativen, die auf Automatisierung und KI setzen - ein Trend, der auch in anderen Branchen sichtbar ist, etwa bei der Einführung autonomer Fahrdienste im Mobilitätsbereich.

Die Zahlen der Bitkom-Studie zeigen, dass die Digitalisierung der Logistik in Deutschland vorankommt, aber noch nicht an der internationalen Spitze steht. Die Branche muss nicht nur technologische Lösungen umsetzen, sondern auch die Qualifikation der Beschäftigten und die Sicherheit der Systeme stärken. Wer den Wandel verschleppt, riskiert, im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in der Technik als darin, Kompetenzen und Prozesse konsequent weiterzuentwickeln.

Digitalisierung bedeutet die Umstellung analoger Prozesse auf digitale Technologien. In der Logistik umfasst das zum Beispiel die Automatisierung von Warenströmen, den Einsatz von KI zur Routenoptimierung und die Vernetzung von Lieferketten. Digitale Anwendungen ermöglichen eine bessere Steuerung, Transparenz und Effizienz, erfordern aber Investitionen in Infrastruktur, IT-Sicherheit und Weiterbildung. Der Erfolg der digitalen Transformation hängt davon ab, wie konsequent Unternehmen diese Veränderungen umsetzen und welche Rahmenbedingungen Politik und Wirtschaft schaffen.

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