Laut einer aktuellen BITKOM-Umfrage hat jedes fünfte betroffene Unternehmen in Deutschland bereits Lösegeld nach einem Ransomware-Angriff gezahlt. Die tatsächlichen Kosten und Risiken bleiben schwer kalkulierbar.
Sechsstellige Lösegeldforderungen sind für deutsche Unternehmen nach Ransomware-Angriffen inzwischen keine Seltenheit mehr. Nach Angaben des Digitalverbands BITKOM hat bereits jedes fünfte betroffene Unternehmen in Deutschland mindestens einmal Lösegeld an Cyberkriminelle gezahlt. Die geforderten Summen reichen von 10.000 bis über eine Million Euro. Selbst nach Zahlung bleibt unklar, ob die Daten tatsächlich entschlüsselt werden oder ob sie nicht doch veröffentlicht werden.
Ergebnisse der BITKOM-Umfrage
Die BITKOM-Studie basiert auf den Angaben von 1.000 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. 45 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz ab einer Million Euro meldeten im vergangenen Jahr einen Ransomware-Angriff. 25 Prozent der Befragten berichten von konkreten Schäden, während 20 Prozent zwar attackiert wurden, aber keine unmittelbaren Folgen erlitten. 20 Prozent der betroffenen Unternehmen haben bereits Lösegeld gezahlt, 66 Prozent lehnten eine Zahlung ab. 14 Prozent machten keine Angaben zu ihrem Verhalten.
Die Höhe der gezahlten Beträge variiert: 37 Prozent der Zahlenden überwiesen zwischen 10.000 und 100.000 Euro, 24 Prozent zwischen 100.000 und 500.000 Euro. Sechs Prozent zahlten zwischen 500.000 und einer Million Euro, vier Prozent sogar eine Million Euro oder mehr. Ein Viertel der Unternehmen wollte die genaue Summe nicht offenlegen.
Im Vergleich zu 2025 ist die Zahl der betroffenen Unternehmen rückläufig. Damals meldeten 58 Prozent einen Ransomware-Vorfall, davon 34 Prozent mit Schaden. Im Jahr 2026 sank dieser Wert auf 45 Prozent. BITKOM führt das auf bessere technische Schutzmaßnahmen und eine höhere Sensibilisierung der IT-Verantwortlichen zurück. Das Risiko bleibt jedoch hoch, da Angreifer ihre Methoden weiterentwickeln und gezielt Schwachstellen in Unternehmensnetzwerken ausnutzen. Laut einer Analyse von Bitkom und dem Bundesamt für Verfassungsschutz belief sich der wirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe, Industriespionage und Sabotage im Jahr 2026 auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro. Digitale Angriffe machten 76 Prozent dieser Summe aus.
Auch international zeigt sich die Bedrohung: Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) konnten 46 Prozent der betroffenen Unternehmen mindestens eine Attacke auf Akteure in Russland oder China zurückführen. Das unterstreicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und EU-weiter Cybersecurity-Standards wie der NIS2-Richtlinie.
Die Zahlung von Lösegeld garantiert nicht die Wiederherstellung oder Löschung gestohlener Daten. Unternehmen sollten stattdessen auf Prävention, Notfallpläne und die Einhaltung von IT-Sicherheitsstandards wie dem IT-Grundschutz des BSI setzen.Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Behörde für Cybersicherheit
Die Zahlung eines Lösegelds garantiert weder die vollständige Wiederherstellung der Daten noch den Schutz vor einer Veröffentlichung sensibler Informationen. BITKOM-Präsident Ralf Wintergerst weist darauf hin, dass jede Zahlung kriminelle Strukturen finanziert und weitere Angriffe wahrscheinlicher macht. Unternehmen stehen damit vor der Entscheidung, ob sie für eine schnelle Wiederherstellung des Betriebs zahlen - ohne langfristige Sicherheit zu gewinnen.
Auch nach einer Zahlung bleibt offen, ob die Täter tatsächlich alle Kopien der gestohlenen Daten löschen oder sie weiterverkaufen. Die Unsicherheit über die Integrität der eigenen Systeme und mögliche Imageschäden durch Datenlecks bleibt bestehen. Unternehmen, die sich gegen eine Zahlung entscheiden, müssen mit längeren Ausfallzeiten und dem Verlust wichtiger Daten rechnen, wenn keine aktuellen Backups und Notfallpläne vorhanden sind.
Technische und organisatorische Gegenmaßnahmen
Die Umfrage zeigt, dass Investitionen in IT-Sicherheit und Notfallmanagement Wirkung zeigen. Viele Unternehmen setzen inzwischen auf regelmäßige Backups, segmentierte Netzwerke und Schulungen für Mitarbeitende, um das Risiko erfolgreicher Angriffe zu senken. Die Bedrohungslage bleibt jedoch dynamisch: Angreifer passen ihre Taktiken an und nutzen gezielt Schwachstellen in Software und im Verhalten der Mitarbeitenden aus. Das BSI empfiehlt, sich an den Vorgaben des IT-Grundschutz-Kompendiums (BSI-Standard 200-2) zu orientieren und regelmäßige Audits durchzuführen. Weitere Informationen zu aktuellen Bedrohungslagen und Schutzmaßnahmen stellt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bereit.
Die Entwicklung ähnelt anderen Bereichen der Unternehmensdigitalisierung, in denen neue Technologien auch neue Risiken mit sich bringen. Wie bei der Einführung agentischer KI-Systeme, über die Glocalist Press bereits berichtete, müssen Unternehmen ihre Schutzkonzepte regelmäßig anpassen und regulatorische Anforderungen im Blick behalten.
Folgen für Unternehmen und Märkte
Die wirtschaftlichen Folgen von Ransomware-Angriffen gehen über die direkten Kosten hinaus. Neben Lösegeldzahlungen drohen Produktionsausfälle, Vertrauensverluste bei Kunden und Partnern sowie rechtliche Konsequenzen bei Datenschutzverletzungen. Besonders für mittelständische Unternehmen kann ein erfolgreicher Angriff existenzbedrohend sein, wenn keine ausreichenden Reserven oder Notfallpläne vorhanden sind. Der Ransomware-Angriff auf Berliner Behörden im September 2026 mit einer Forderung von 30 Bitcoin zeigt, dass auch öffentliche Einrichtungen betroffen sind und koordinierte Krisenreaktionen notwendig werden, wie etwa im Reuters-Bericht dokumentiert.
Die Zahlen der BITKOM-Umfrage zeigen, dass Prävention und schnelle Reaktionsfähigkeit entscheidend sind. Unternehmen, die auf professionelle IT-Sicherheitsstrukturen und regelmäßige Schulungen setzen, können das Risiko schwerer Schäden deutlich senken. Gleichzeitig bleibt offen, wie sich die Bedrohungslage weiterentwickelt und ob neue regulatorische Vorgaben auf europäischer Ebene zusätzliche Anforderungen bringen werden. Die Bereitschaft, Lösegeld zu zahlen, spiegelt die anhaltende Unsicherheit im Umgang mit digitalen Erpressungen wider - und zeigt, dass technische und organisatorische Resilienz weiter an Bedeutung gewinnt.
Ransomware ist eine Form von Schadsoftware, die Daten auf IT-Systemen verschlüsselt und erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder freigibt - sofern die Täter ihr Versprechen einhalten. Die Angriffe erfolgen meist über Phishing-E-Mails, unsichere Fernzugänge oder ausgenutzte Softwarelücken. Unternehmen sind besonders gefährdet, da sie oft über sensible Daten und komplexe Infrastrukturen verfügen. Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen zählen regelmäßige Backups, segmentierte Netzwerke, aktuelle Sicherheitsupdates und ein strukturiertes Notfallmanagement. Die rechtliche Bewertung von Lösegeldzahlungen ist in Deutschland umstritten, da sie kriminelle Aktivitäten fördern können und keine Garantie für die Wiederherstellung der Daten bieten.