LPKF Laser & Electronics SE berichtet für das erste Halbjahr 2026 von deutlichen Umsatzrückgängen, insbesondere im Solarsegment, sieht aber Fortschritte im Transformationsprogramm und bestätigt die Jahresprognose
LPKF Laser & Electronics SE hat am 23. Juli 2026 ihren Halbjahresbericht veröffentlicht und darin einen deutlichen Umsatzrückgang für das erste Halbjahr bestätigt. Das Unternehmen mit Sitz in Garbsen sieht sich weiterhin mit einem schwierigen makroökonomischen und geopolitischen Umfeld konfrontiert. Besonders das Geschäft im Solarsegment blieb hinter den Erwartungen zurück, während andere Bereiche wie Advanced Packaging und die interne Transformation vorangetrieben wurden.
Umsatzentwicklung und Segmentanalyse
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte LPKF einen Umsatz von 36,5 Millionen Euro, was einem Rückgang von 38,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der Rückgang ist vor allem auf das schwache Solarsegment zurückzuführen, das unter Investitionszurückhaltung und dem ausstehenden Technologiewechsel zu Perowskit-Zellen leidet. Im zweiten Quartal sank der Umsatz auf 19,3 Millionen Euro, nach 33,8 Millionen Euro im Vorjahr. Der Auftragsbestand lag zum 30. Juni mit 34,7 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau, während der Auftragseingang mit 19,9 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert blieb.
Das operative Ergebnis (EBIT) verschlechterte sich im ersten Halbjahr auf minus 14,1 Millionen Euro, nach minus 1,7 Millionen Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBIT, das um Restrukturierungs- und Abfindungskosten sowie Effekte aus Aktienoptionen bereinigt ist, lag bei minus 10,4 Millionen Euro. Die Differenz zwischen EBIT und bereinigtem EBIT resultiert im Wesentlichen aus den laufenden Restrukturierungsmaßnahmen.
Fortschritte im Transformationsprogramm North Star
LPKF berichtet, dass das unternehmensweite Transformationsprogramm North Star im ersten Halbjahr wichtige Meilensteine erreicht habe. Dazu zählen der Abschluss der ersten Welle von Personalreduzierungen und die Konkretisierung der künftigen Organisations- und Prozessstruktur. Ziel ist es, Verantwortlichkeiten klarer zuzuordnen und Entscheidungsbefugnisse näher an das jeweilige Fachwissen zu bringen. Die identifizierten Effizienzpotenziale wurden in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen in einen strukturierten Prozess überführt, der Informations-, Beratungs- und Verhandlungsphasen umfasst.
Nach Unternehmensangaben soll North Star die Kostenbasis senken, die Widerstandsfähigkeit erhöhen und die Innovationskraft sichern. Für das laufende Jahr rechnet LPKF mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungskosten in Höhe von rund drei bis vier Prozent des Umsatzes.
Technologische Entwicklung und Marktausblick
Im Bereich Advanced Packaging konnte LPKF die LIDE-Technologie (Laser Induced Deep Etching) weiter etablieren. Die Technologie wird bei führenden Halbleiterkunden eingesetzt und gilt als Schlüssel für die präzise Glasbearbeitung. Das Unternehmen hat den adressierbaren Markt für Advanced Packaging auf Basis externer Studien und eigener Analysen neu bewertet und schätzt das Marktpotenzial bis 2030 auf rund 1,7 Milliarden Euro - deutlich mehr als bisher angenommen.
Im zweiten Quartal erhielt LPKF Aufträge für LIDE-Systeme von einem Spezialglashersteller und von der Penn State University. Darüber hinaus erweitert das Unternehmen sein Angebot um weitere Prozessschritte wie das Singulieren glasbasierter Packages und das laserbasierte Bonden von Multilayer Glass Stacks. Parallel arbeitet LPKF an der Integration von Co-Packaged Optics auf Glas-Substraten.
Ausblick und offene Fragen
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet LPKF einen Konzernumsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBIT-Marge zwischen minus drei und plus 4,5 Prozent. Die Prognose bleibt trotz der Unsicherheiten im Solarsegment und der angespannten geopolitischen Lage bestehen. Das Unternehmen sieht mittelfristig insbesondere im Halbleitermarkt und im Bereich Advanced Packaging Wachstumspotenzial. Im Segment Solar bleibt die Entwicklung jedoch abhängig vom Tempo des Technologiewechsels zu Perowskit-Zellen. Im Segment Welding werden strukturelle Anpassungen umgesetzt, um die Profitabilität zu verbessern.
Offen bleibt, wie schnell sich die Investitionsbereitschaft im Solarsektor erholt und ob die erwarteten Wachstumsimpulse in den anderen Segmenten tatsächlich eintreten. Die weitere Entwicklung der globalen Lieferketten und die Auswirkungen geopolitischer Risiken bleiben zentrale Unsicherheitsfaktoren für das Unternehmen.
Das bereinigte EBIT ist eine Kennzahl, die das operative Ergebnis um Sondereffekte wie Restrukturierungs- und Abfindungskosten sowie Veränderungen aus Aktienoptionen bereinigt. Diese Größe soll die operative Ertragskraft eines Unternehmens unabhängig von einmaligen oder außergewöhnlichen Belastungen abbilden. Gerade bei Unternehmen in Transformationsphasen wird das bereinigte EBIT häufig als ergänzende Steuerungsgröße genutzt, um die wirtschaftliche Entwicklung transparenter darzustellen.