• 4 Minuten Lesezeit
  • Veröffentlicht

LPKF senkt Prognose nach Auftragsverzögerungen deutlich

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

LPKF senkt Prognose nach Auftragsverzögerungen deutlich Glocalist Press © glocalist.press
LPKF senkt Prognose nach Auftragsverzögerungen deutlich © glocalist.press

LPKF erwartet für 2026 weniger Umsatz und eine schwächere Marge. Verzögerte Großaufträge im Solar- und Halbleiterbereich zwingen das Unternehmen zur Korrektur.

Am 30. September 2026 meldete LPKF eine deutliche Senkung der Jahresprognose. Die Aktie sackte fast 13 Prozent ab. Der Grund: Wichtige Aufträge im Solar- und Halbleitergeschäft kommen später als geplant. Die Erwartungen für Umsatz und Rendite sind damit nicht mehr zu halten. Besonders ein großer Solarauftrag verschiebt sich. Auch im Advanced-Packaging-Geschäft für Halbleiter verzögern sich Bestellungen. Das trifft LPKF hart.

Die neue Umsatzprognose für 2026 liegt jetzt bei 93 bis 100 Millionen Euro. Vorher hatte LPKF noch mit 105 bis 120 Millionen Euro gerechnet. Das Minus ist deutlich. Unabhängige Marktbeobachter bestätigen die neue Prognose. Sie passt zu aktuellen Branchentrends. Lieferketten und Projektumsetzungen geraten immer stärker unter Druck. Globale Unsicherheiten machen sich bemerkbar.

Auch die Profitabilität leidet. Die Marge auf das bereinigte EBIT wird jetzt mit minus 7,0 bis minus 2,5 Prozent angegeben. Zuvor lag die Spanne zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Ein positives operatives Ergebnis rückt damit in weite Ferne. LPKF rechnet zudem mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungskosten. Für 2026 erwartet das Unternehmen rund 3 bis 4 Prozent des Umsatzes an Kosten im Rahmen des Transformationsprogramms "North Star".

Effizienzprogramm stößt an Grenzen

Das laufende Effizienz- und Kostenprogramm bringt laut LPKF zwar Fortschritte. Die Kostenreduktion liegt über Plan. Trotzdem reicht das nicht aus. Die Einsparungen können die schwache Geschäftsentwicklung nicht auffangen. Die strukturellen Probleme im Halbleiter-Packaging und die Abhängigkeit von einzelnen Großaufträgen werden jetzt sichtbar. LPKF sieht aktuell keine Chance, die Verzögerungen durch Wachstum in anderen Bereichen auszugleichen.

Die neue Umsatzspanne liegt bei 93 bis 100 Mio. Euro statt zuvor 105 bis 120 Mio. Euro; die bereinigte EBIT-Marge wird nun auf -7,0 % bis -2,5 % geschätzt statt zuvor -3,0 % bis +4,5 %.

EQS-Adhoc

Solche Unsicherheiten bei Großaufträgen gibt es auch in anderen Branchen. Ein früherer Bericht zu T1 Energy zeigt das deutlich. Die Bundesnetzagentur betont in ihren Veröffentlichungen immer wieder, wie wichtig stabile Lieferketten und Investitionen in digitale Infrastruktur sind. Nur so bleibt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Technologieunternehmen erhalten. Mehr zu den regulatorischen Rahmenbedingungen steht in den aktuellen Fachthemen der Bundesnetzagentur.

Marktreaktion und Perspektiven

Die Börse reagierte sofort. Der Kursverlust von fast 13 Prozent zeigt das verlorene Vertrauen in die kurzfristige Ertragskraft. Ein unabhängiger Bericht nennt für den Tag einen Rückgang um 8,9 Prozent. Das zeigt, wie sensibel der Kapitalmarkt auf Prognoseänderungen im Technologiesektor reagiert. LPKF hofft, dass die verschobenen Aufträge mittelfristig doch noch kommen. Neue Zeitpläne oder Kompensationen für die Verzögerungen nennt das Unternehmen aber nicht.

Die Prognosekorrektur macht klar, wie abhängig spezialisierte Technologieunternehmen von einzelnen Großprojekten sind. Ohne breitere Kundenbasis bleibt das Risiko weiterer Schwankungen hoch. Auch ehrgeizige Effizienzprogramme stoßen an ihre Grenzen, wenn der Markt nicht mitspielt. Das ist jetzt deutlich geworden.

Im Halbleiter- und Solarsektor zählt die Fähigkeit zur genauen Planung von Aufträgen und Umsätzen. Das ist ein echter Wettbewerbsfaktor. Firmen wie LPKF müssen ihre Geschäftsmodelle widerstandsfähiger gegen Verzögerungen machen. Die aktuelle Prognosekorrektur zeigt: Operative Exzellenz allein reicht nicht, wenn die Marktbedingungen instabil bleiben. Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit werden wichtiger. Das betonen auch aktuelle Entwicklungen in der deutschen und europäischen Industriepolitik, etwa im Rahmen der Industriepolitik des BMWK.

Advanced Packaging steht für neue Verfahren, mit denen Halbleiterchips verbunden und integriert werden. Diese Technik ist für moderne Elektronik und Hochleistungsanwendungen nötig. Sie ermöglicht es, mehrere Chips platzsparend und leistungsfähig in einem Gehäuse zu kombinieren. Verzögerungen in diesem Bereich treffen nicht nur einzelne Firmen. Ganze Wertschöpfungsketten in der Elektronikindustrie sind betroffen. Für Anbieter wie LPKF heißt das: Technologische und marktseitige Risiken hängen eng zusammen. Flexibilität wird zur Überlebensfrage.

Ähnliche Artikel