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Mittelständische Unternehmen wollen mit KI echten Mehrwert schaffen

Nil Enri Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Enri

Mittelständische Unternehmen wollen mit KI echten Mehrwert schaffen Glocalist Press © glocalist.press
Mittelständische Unternehmen wollen mit KI echten Mehrwert schaffen © glocalist.press

Viele Mittelständler investieren in KI. Doch der Weg von Pilotprojekten zu echtem wirtschaftlichem Nutzen bleibt schwierig. Was entscheidet über Erfolg?

In vielen mittelständischen Unternehmen läuft KI längst im Test. Große Konzerne bauen eigene Teams auf. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor anderen Hürden. Sie kaufen neue Tools, probieren Funktionen aus. Doch echte Wertschöpfung bleibt oft aus. Ohne Hilfe von außen geht es selten weiter.

Herausforderungen bei der Umsetzung

KMU berichten von steigenden Softwarekosten. Sie müssen mehr für Sicherheit und Governance tun. Beschäftigte brauchen gezielte Schulungen. Gerade kleine Betriebe können das kaum allein stemmen. Laut OECD-Umfrage sagen 57 Prozent der KMU ohne generative KI, dass die Technik nicht zu ihren Aufgaben passt. Es fehlt nicht nur an Geld. Viele sind unsicher, ob KI im eigenen Betrieb wirklich hilft.

Im internationalen Vergleich bleibt KI selten Teil der Kernprozesse. Die OECD meldet: 2024 lag der Anteil der Unternehmen mit KI in zentralen Abläufen in allen G7-Staaten unter 10 Prozent. Hauptgrund: fehlende Kompetenzen im Umgang mit generativer KI. Rund die Hälfte der KMU nennt das als zentrales Hindernis. Auch die Bewertung des Return on Investment (ROI) ist schwierig. 62 Prozent der produzierenden Unternehmen und 56 Prozent der Firmen im Informations- und Kommunikationssektor sehen darin eine der größten Hürden.

Trotzdem zeigen die Zahlen: KI kann sich lohnen. 90 Prozent der europäischen KMU mit KI berichten von mehr Produktivität. 75 Prozent sagen, die Kundeninteraktion hat sich durch KI verändert. Die Annahme, KI sei nur etwas für Großunternehmen, hält nicht stand.

Die OECD schätzt den potenziellen Produktivitätszuwachs durch KI-Einsatz auf über 4 Prozent, in einzelnen Szenarien sogar auf mehr als 15 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf die Produktivität, nicht auf garantierte Umsatzsteigerungen einzelner Unternehmen.

OECD

Schrittweise Integration statt Komplettumbau

Radikale Umbrüche sind selten der Weg. Praxisbeispiele zeigen: Kleine, gezielte Verbesserungen bringen oft den größten Effekt. Ein Einzelhändler kann mit KI Kundenanfragen automatisch beantworten. Ein Handwerksbetrieb erstellt Angebote schneller. Eine LinkedIn-Umfrage unter 18 Millionen kleinen Unternehmen zeigt: Automatisierung von Routineaufgaben und besserer Zugang zu Informationen bringen die meisten Vorteile.

Doch punktuelle Anwendungen reichen nicht. Wer KI voll nutzen will, muss Arbeitsabläufe, Datenstrukturen und Governance anpassen. Viele Mittelständler sind darauf noch nicht vorbereitet. Ohne diese Schritte bleibt der Nutzen begrenzt. Die Europäische Kommission hilft KMU beim Übergang von Pilotprojekten zur Praxis. Die European Digital Innovation Hubs bieten Testumgebungen, Beratung und Schulungen. Diese Infrastruktur soll Kosten und Risiken der KI-Einführung senken.

Rolle externer Technologiepartner

Die Tech-Branche muss KMU die Vorteile von KI klar machen. Mittelständler entwickeln ihre KI-Strategien selten allein. Managed Service Provider (MSP) und Anbieter verwalteter Intelligenzdienste (MIP) helfen, KI-Lösungen einzuführen. Sie bauen Governance- und Sicherheitsstrukturen auf. Sie sorgen für messbare Ergebnisse. Laut Studie vertrauen 84 Prozent der KMU bei KI-Einführung auf externe Berater. 70 Prozent halten Tech-Partnerschaften für nötig, um das Potenzial von KI voll zu nutzen.

Der Markt für KI-Dienstleistungen im Managed-Services-Bereich wächst jedes Jahr um 59 Prozent. Anbieter werden zu Partnern, die Unternehmen bei der konkreten Anwendung von KI begleiten. Auch kleine Firmen können so im internationalen Wettbewerb bestehen. Sie brauchen keine eigenen großen KI-Teams. Die Regeln werden strenger. Ab 1. August 2024 gilt der EU AI Act. Für alle Unternehmen - egal wie groß - gibt es abgestufte Pflichten je nach Rolle und Risiko der KI-Systeme. Wer hochriskante Systeme nutzt, muss unter anderem menschliche Kontrolle, Protokollierung und Information der Beschäftigten sicherstellen. Die Bundesnetzagentur und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geben regelmäßig Leitlinien für sichere und rechtskonforme KI-Nutzung heraus. Besonders relevant sind EN ISO/IEC 27001 und branchenspezifische IT-Sicherheitsanforderungen. Mehr dazu steht in der BSI-Übersicht zu KI-Sicherheit.

Wirtschaftliche Perspektiven für den Mittelstand

Lange Zeit begrenzte die Zahl der Mitarbeitenden die Leistungsfähigkeit von KMU. Mit automatisierten Prozessen und agentenbasierter KI ist das anders. Unternehmen sind weniger von der Belegschaft abhängig. Trotzdem glauben viele, KI sei vor allem ein Thema für Großunternehmen. Die Daten sprechen dagegen.

Wer als Mittelständler den Schritt von der Pilotphase zur Integration wagt, kann wachsen und effizienter werden. Wichtig ist, die eigenen Abläufe kritisch zu prüfen und gezielt externe Expertise zu holen. Das zeigt sich auch bei digitalen Zahlungslösungen, wie frühere Analysen belegen. Bei KI gilt das Gleiche: Wirtschaftlicher Nutzen entsteht erst durch konsequente Umsetzung und Zusammenarbeit.

Künstliche Intelligenz meint Systeme, die Aufgaben übernehmen, für die bisher Menschen nötig waren. Dazu zählen Sprachverstehen, Mustererkennung oder Entscheidungen. In Unternehmen reicht das von einfachen Automatisierungen bis zu komplexen agentenbasierten Anwendungen. Entscheidend ist nicht nur die Technik. Es kommt auf die Einbindung in bestehende Prozesse, die Qualität der Daten und die Fähigkeit an, Veränderungen zu steuern. Gerade im Mittelstand bleibt die Aufgabe, KI als Teil einer langfristigen Strategie zu sehen - nicht als Einzelprojekt.

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