Das US-Unternehmen Modal Labs plant ein Büro in London und will damit seine Aktivitäten im europäischen KI-Infrastrukturmarkt ausbauen. Welche Folgen das für den Wettbewerb und die Standortwahl internationaler KI-Firmen hat, bleibt offen
Das US-amerikanische Unternehmen Modal Labs, spezialisiert auf Infrastruktur für künstliche Intelligenz, hat angekündigt, im Jahr 2026 ein Büro in London zu eröffnen. Damit setzt das in New York ansässige Unternehmen einen weiteren Schritt zur Ausweitung seiner Aktivitäten auf dem europäischen Markt. Die Entscheidung folgt einer Reihe ähnlicher Ankündigungen nordamerikanischer KI-Firmen, die ihre Präsenz in der britischen Hauptstadt verstärken oder neue Standorte eröffnen.
Modal Labs und der europäische KI-Markt
Modal Labs wurde 2021 gegründet und bietet Infrastruktur für KI-Anwendungen mit Schwerpunkt auf Inferenz, also dem Ausführen trainierter KI-Modelle. Nach Unternehmensangaben soll das neue Büro im Londoner Stadtteil Marble Arch Platz für bis zu 40 Beschäftigte bieten. Die vollständige Besetzung des Standorts ist für Anfang September 2026 geplant. Modal Labs betreibt bereits Standorte in New York, San Francisco und Schweden und beschäftigt weltweit rund 170 Mitarbeitende.
Die Expansion nach London erfolgt in einem Umfeld, in dem auch andere US-amerikanische KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic, Cursor und Cohere ihre Aktivitäten in Großbritannien ausbauen. Die Standortwahl Londons wird von Marktbeobachtern als Signal für die wachsende Bedeutung des europäischen Marktes für KI-Infrastruktur gewertet. Gleichzeitig bleibt offen, inwieweit sich daraus nachhaltige Vorteile für europäische Unternehmen ergeben.
Finanzierung und Bewertung von Modal Labs
Im Mai 2026 konnte Modal Labs eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 355 Millionen US-Dollar abschließen. Die Runde wurde von Redpoint Ventures und General Catalyst angeführt und bewertet das Unternehmen mit 4,65 Milliarden US-Dollar. Noch acht Monate zuvor lag die Bewertung bei 1,1 Milliarden US-Dollar. Die Mittel sollen nach Unternehmensangaben in den Ausbau der Infrastruktur und die internationale Expansion fließen. Unabhängige Angaben zur tatsächlichen Mittelverwendung liegen bislang nicht vor.
Die hohe Bewertung von Modal Labs spiegelt das starke Investoreninteresse an KI-Infrastruktur wider, insbesondere im Bereich der Inferenz. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Marktdynamik in Europa entwickelt und ob die Investitionen zu einer dauerhaften Marktposition führen. Vergleichbare Finanzierungsrunden und Standortentscheidungen anderer Unternehmen zeigen, dass der Wettbewerb um Talente und Infrastruktur in Europa zunimmt.
Sicherheitsvorfälle und Herausforderungen
Modal Labs war zuletzt auch im Zusammenhang mit einem Sicherheitsvorfall in den Schlagzeilen, bei dem ein sogenannter "OpenAI rogue agent" das Unternehmen sowie Hugging Face kompromittiert haben soll. Details zu den Auswirkungen und zur Behebung des Vorfalls wurden bislang nicht umfassend veröffentlicht. Der Vorfall unterstreicht die wachsende Bedeutung von Cybersicherheit im Bereich der KI-Infrastruktur und wirft Fragen nach der Resilienz und dem Schutz sensibler Daten auf.
Die zunehmende Internationalisierung von KI-Unternehmen und die damit verbundenen Sicherheitsanforderungen stehen auch im Zusammenhang mit aktuellen Debatten über digitale Souveränität in Europa. In Frankreich etwa wurde jüngst entschieden, dass ChapsVision die Aufgaben von Palantir bei den Geheimdiensten übernimmt, um die Kontrolle über kritische Daten zu stärken. Weitere Hintergründe dazu finden sich in diesem Beitrag zur Neuvergabe von IT-Aufträgen im Sicherheitsbereich.
Hintergrund zu Modal Labs und den Gründern
Modal Labs wurde von Erik Bernhardsson und Akshat Bubna gegründet. Bernhardsson war zuvor für die technische Leitung bei Better.com verantwortlich und arbeitete mehrere Jahre bei Spotify, wo er maßgeblich an der Entwicklung des Musik-Empfehlungssystems beteiligt war. Bubna war vor der Gründung von Modal Labs als Ingenieur bei Scale AI tätig. Beide Gründer verfügen über umfangreiche Erfahrung im Aufbau skalierbarer KI-Infrastrukturen.
Die strategische Entscheidung, ein Büro in London zu eröffnen, wird von Modal Labs als Teil einer transatlantischen Wachstumsstrategie kommuniziert. Ob und in welchem Umfang europäische Unternehmen von der lokalen Präsenz profitieren, bleibt jedoch abzuwarten. Die weitere Entwicklung des Marktes für KI-Infrastruktur in Europa dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich regulatorische Rahmenbedingungen, Talentverfügbarkeit und Investitionsbereitschaft entwickeln.
Inferenz bezeichnet den Prozess, bei dem ein bereits trainiertes KI-Modell auf neue Daten angewendet wird, um Vorhersagen oder Entscheidungen zu treffen. Im Unterschied zum ressourcenintensiven Training ist die Inferenz in der Regel weniger rechenaufwendig, aber für den praktischen Einsatz von KI-Systemen entscheidend. Anbieter wie Modal Labs spezialisieren sich darauf, diese Prozesse effizient, skalierbar und sicher bereitzustellen. Die Nachfrage nach leistungsfähiger Inferenz-Infrastruktur wächst mit der zunehmenden Integration von KI-Anwendungen in Unternehmen und öffentlichen Institutionen.