Das Berliner FinTech Nelly meldet einen starken Anstieg des wiederkehrenden Umsatzes und erhält weiteres Wachstumskapital. Was hinter dem schnellen Nutzerzuwachs und den Investitionen steckt, bleibt differenziert.
Das Berliner Unternehmen Nelly, spezialisiert auf die Digitalisierung administrativer Prozesse in Arzt- und Zahnarztpraxen, hat nach eigenen Angaben seinen jährlich hochgerechneten wiederkehrenden Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) innerhalb von neun Monaten um 10 Millionen Euro gesteigert. Damit liegt der Live ARR nun bei über 20 Millionen Euro. Die Angaben stammen aus einer Mitteilung des Gründers Niklas Radner, veröffentlicht auf LinkedIn. Für die ersten 10 Millionen Euro ARR benötigte Nelly mehrere Jahre, das jüngste Wachstum erfolgte deutlich schneller.
Finanzierung und Nutzerentwicklung
Im Frühjahr 2025 nutzten laut Unternehmensangaben rund 1.200 Arzt- und Zahnarztpraxen die Plattform. Bis August 2026 stieg diese Zahl auf mehr als 2.350 Praxen. Die Plattform bietet digitale Lösungen für Patientenaufnahme, Rechnungsstellung, Bezahlung und Factoring. In einer aktuellen Finanzierungsrunde investierten Cathay Innovation, Notion Capital sowie bestehende Investoren wie b2venture, Lakestar, Motive Ventures und arc investors insgesamt 50 Millionen Euro. Das gesamte bisher investierte Venture Capital beläuft sich damit auf rund 70 Millionen Euro.
Investoren und Marktdynamik
Die jüngste Finanzierungsrunde unterstreicht das anhaltende Interesse von Wagniskapitalgebern am deutschen Gesundheitsfintech-Sektor. Die Investorenstruktur umfasst sowohl internationale als auch europäische Fonds. Die Mittel sollen laut Unternehmensangaben für die weitere Skalierung und Produktentwicklung eingesetzt werden. Die genaue Bewertung des Unternehmens wurde nicht veröffentlicht. Die Angaben zu Umsatz und Nutzerzahlen basieren auf interner Kommunikation und wurden bislang nicht unabhängig überprüft.
Neue Akteure und Branchentrends
Auch außerhalb des klassischen Venture-Capital-Umfelds engagieren sich zunehmend prominente Einzelpersonen im Startup-Sektor. So investierte der Fußballprofi Jonathan Tah, derzeit beim FC Bayern München unter Vertrag, in das Hamburger Getränke-Startup Joony's sowie zuvor in das Wiener Unternehmen NEOH. Tah ist zudem an mehreren Venture-Capital-Fonds beteiligt. Die Entwicklung spiegelt einen Trend wider, den auch andere Branchenbeobachter dokumentieren: Immer mehr Profisportler bauen sich ein eigenes Startup-Portfolio auf. Weitere Veränderungen zeigen sich bei HomeRide, das sich von einem Same-Day-Lieferdienst zu einem Anbieter von KI-gestützten Handelslösungen unter dem Namen homie gewandelt hat. Im Bereich industrielle KI und Robotik wird diskutiert, ob Europa in der nächsten Welle der KI-Entwicklung eine stärkere Rolle einnehmen kann. Ein Überblick zu aktuellen Übernahmen und Finanzierungsrunden im Startup-Umfeld findet sich in diesem Rückblick auf die jüngsten Marktentwicklungen.
Der Begriff Annual Recurring Revenue (ARR) bezeichnet den auf ein Jahr hochgerechneten, wiederkehrenden Umsatz eines Unternehmens, der typischerweise aus Abonnements oder laufenden Verträgen stammt. ARR ist eine zentrale Kennzahl für SaaS- und Plattformunternehmen, da sie die Planbarkeit der Einnahmen und das Wachstumspotenzial abbildet. Im Unterschied zu einmaligen Umsätzen erlaubt ARR eine bessere Bewertung der nachhaltigen Geschäftsentwicklung. Für Investoren ist die Entwicklung des ARR ein wichtiger Indikator für die Skalierbarkeit und Attraktivität eines Geschäftsmodells, insbesondere im Kontext von Venture Capital und Wachstumskapital. Schlagwörter: Fintech, Venture Capital, Deutschland