Eine aktuelle Studie im Auftrag des BVDW untersucht erstmals mithilfe von KI, wie digitale Wertschöpfung in Deutschland verteilt ist - und stellt die Rolle der Digitalpolitik für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit neu zur Diskussion.
Digitale Wertschöpfung ist längst nicht mehr auf einzelne Großstädte beschränkt. Neue Daten zeigen, dass Unternehmen der Digitalwirtschaft in allen Regionen Deutschlands aktiv sind und die wirtschaftliche Struktur des Landes mitgestalten. Damit rückt die Frage, wie Deutschland Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sichern kann, erneut in den Mittelpunkt der politischen Debatte.
Studie untersucht digitale Unternehmen mit KI
Im Zentrum der aktuellen Analyse steht eine vom Forschungsinstitut ISTARI.AI im Auftrag des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) durchgeführte Studie. Dafür wurden rund 1,4 Millionen marktaktive Unternehmen in Deutschland mithilfe künstlicher Intelligenz nach ihrer tatsächlichen Geschäftstätigkeit ausgewertet. Die Untersuchung basiert ausschließlich auf öffentlich verfügbaren Web- und Unternehmensdaten. Ziel war es, digitale Wertschöpfung entlang aktueller Geschäftsmodelle sichtbar zu machen, statt sich auf veraltete Branchencodes zu stützen.
Die Ergebnisse zeigen: Zum Kern der Digitalwirtschaft zählen 229.000 Unternehmen mit rund 9 Millionen Beschäftigten. Betrachtet man die gesamte digitale Wertschöpfung, sind über 15 Millionen Arbeitsplätze betroffen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) macht die digitale Wirtschaft inzwischen etwa 11,91 % der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland aus, was einem jährlichen Beitrag von rund 481,5 Mrd. Euro entspricht. Damit überholt die Digitalwirtschaft klassische Leitbranchen wie den Automobilbau und ist zu einer wichtigen Säule der deutschen Volkswirtschaft geworden.
Regionale Verteilung und wirtschaftliche Bedeutung
Die Studie identifiziert besonders hohe Digitalisierungsgrade in Städten wie München, Hamburg, Darmstadt, Berlin und Frankfurt am Main. Dennoch sind Unternehmen der Digitalwirtschaft laut den Daten in allen Teilen Deutschlands vertreten. Digitale Wertschöpfung ist also nicht auf einzelne Standorte beschränkt, sondern prägt Wirtschaftsräume in jedem Landkreis. Das widerspricht der Annahme, Digitalisierung finde nur in urbanen Zentren statt.
Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet das, dass digitale Innovationen und skalierbare Geschäftsmodelle nicht nur in Großstädten, sondern auch in ländlichen Regionen Chancen eröffnen. Die wirtschaftliche Bedeutung digitaler Unternehmen reicht damit weit über die bekannten Technologiecluster hinaus. Die Bundesnetzagentur betont in aktuellen Veröffentlichungen, dass digitale Infrastrukturen flächendeckend ausgebaut werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit aller Regionen zu sichern. Weitere Informationen zu regulatorischen Rahmenbedingungen und aktuellen Ausbauzielen finden sich im Digitalisierungsportal der Bundesnetzagentur.
Digitalpolitik als Wirtschaftspolitik
Vor diesem Hintergrund fordert der BVDW, Digitalpolitik konsequent als Wirtschaftspolitik zu verstehen. Nach Angaben des Verbands braucht es Rahmenbedingungen, die Datennutzung, digitale Innovationen und die Entwicklung skalierbarer Geschäftsmodelle ermöglichen. Die Studie liefert eine empirische Grundlage für die politische Diskussion um die Ausgestaltung digitaler Rahmenbedingungen in Deutschland.
Wie digitale Wertschöpfung flächendeckend gefördert werden kann, bleibt offen. Die Studie benennt keine konkreten politischen Maßnahmen, sondern liefert vor allem eine neue Datengrundlage für die weitere Debatte. Klar ist: Ohne gezielte Digitalpolitik droht Deutschland, im internationalen Wettbewerb zurückzufallen.
Neue Datengrundlage für die Standortdebatte
Die von ISTARI.AI entwickelte Methodik unterscheidet sich von bisherigen Branchenerhebungen, da sie aktuelle Geschäftsmodelle und digitale Aktivitäten direkt aus öffentlich zugänglichen Daten ableitet. So entsteht ein differenzierteres Bild der digitalen Wirtschaft, das nicht mehr an traditionellen Branchencodes orientiert ist. Für die Standortdebatte in Deutschland bedeutet das, dass digitale Wertschöpfung erstmals systematisch und regionsübergreifend quantifiziert werden kann.
Die Ergebnisse bieten Unternehmen, politischen Entscheidungsträgern und Forschungseinrichtungen eine belastbare Grundlage, um die Rolle der Digitalwirtschaft im gesamtwirtschaftlichen Kontext neu zu bewerten. Die Herausforderung bleibt, diese Erkenntnisse in konkrete politische und wirtschaftliche Strategien zu übersetzen, die sowohl urbane als auch ländliche Räume einbeziehen.
Digitale Wertschöpfung beschreibt den Anteil wirtschaftlicher Aktivitäten, der auf digitalen Technologien, Geschäftsmodellen und Datenverarbeitung basiert. Im Unterschied zu klassischen Branchenstatistiken werden dabei nicht nur IT-Unternehmen, sondern auch digitalisierte Geschäftsmodelle in anderen Sektoren erfasst. Die Fähigkeit, digitale Wertschöpfung präzise zu messen, ist entscheidend für die Entwicklung wirksamer Digital- und Wirtschaftspolitik. Sie macht regionale Unterschiede sichtbar und ermöglicht gezielte Fördermaßnahmen, die den tatsächlichen Strukturen der digitalen Wirtschaft entsprechen.